Donnerstag, 09. Juli 2020

Junger Rehbock verletzt 2 Frauen auf dem Wanderweg

Wolf und Bär halten seit Jahren das ganze Land in Atem. In der Gemeinde Mühlwald ist es hingegen ein junger Rehbock, der seit Tagen von sich reden macht. Unter anderem verletzte das Tier 2 Wanderinnen, wie das Tagblatt „Dolomiten“ am Donnerstag berichtet.

Ein junger Rehbock, der durch die Wälder von Mühlwald und Lappach streift, hat seine natürliche Scheu verloren (Symbolfoto).
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Ein junger Rehbock, der durch die Wälder von Mühlwald und Lappach streift, hat seine natürliche Scheu verloren (Symbolfoto). - Foto: © shutterstock
Der wunderschöne Wanderweg Nr. 28 von Mühlwald zum Speikboden war in den vergangenen Tagen Schauplatz ganz und gar nicht alltäglicher Begegnungen. Der Hauptdarsteller war immer derselbe: ein junger Rehbock, der nicht nur keine Scheu vor Menschen hat, sondern mit seinem aggressiven Verhalten schon 2 Wanderinnen verletzt hat, die eine leicht, die andere etwas schwerer. Bekannt ist weiters, dass er sich schon vorher einer Bäuerin genähert und auch eine Radfahrerin verfolgt hat.

Warum sich der junge Rehbock wie ein halbstarker Rowdy aufführt, darüber wird nicht nur in Jägerkreisen gemunkelt. Bekanntlich beginnt die Brunft dieser Tiere Mitte Juli. Dennoch glaubt Revierleiter Horst Platzer nicht, dass es sich um einen liebestollen oder einen vor Liebeskummer gekränkten Bock handelt: „Wir gehen davon aus, dass das Tier einfach sein Revier verteidigt.“ Bleibt die Frage, warum diese an und für sich scheue Spezies dabei gezielt Menschen ins Visier nimmt.

Kein Wildtier im klassischen Sinne?

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um kein Wildtier im klassischen Sinne handelt, eines, das von Geburt an in der Natur aufgewachsen ist. Horst Platzer ist sich ziemlich sicher, „dass der junge Bock, der gut ein Jahr alt sein wird, als Kitz auf einem Hof aufgepäppelt und dann in die freie Wildbahn entlassen worden ist“.

Dies würde seine fehlenden Berührungsängste Menschen gegenüber erklären. Jägern seines Revieres sei schon vor Monaten aufgefallen, dass ein mit einem blauen Band gekennzeichnetes Tier durch die Wälder von Mühlwald und Lappach streift. Offenbar hat das Tier seine Wanderschaft aufgegeben und macht sich jetzt auf der Sonnenseite hoch über Mühlwald breit.

Die Frage bleibt, wie es mit dem Tier nun weitergeht. Tatsache ist, dass die Wandersaison in den nächsten Wochen richtig Fahrt aufnimmt und auf diesem Weg auch vermehrt Touristen unterwegs sein werden. Ein Rendezvous mit einem aggressiven Rehbock muss da nicht sein.

Abschuss oder einfangen?

Die einfachste Lösung wäre ein Abschuss. Revierleiter Platzer denkt aber auch daran, das Tier einzufangen. Ob dies möglich ist, wollte er zusammen mit einigen Jagdkollegen noch gestern Abend abklären. Wird das Tier eingefangen, müsste es eingesperrt werden, denn in ein Gehege zu Hirschen und Rehen könne man es aufgrund seines teils aggressiven Verhaltens nicht bringen. Sicher ist nur: Es wird eng für das wild gewordene Wildtier.

ru