Samstag, 22. August 2015

Kalaschnikow-Schütze aus dem Thalys soll Islamist sein

Ein Mann mit einem Sturmgewehr in einem Zug: Hunderte Fahrgäste auf dem Weg nach Paris sind nur knapp einem Blutbad entkommen.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve hat den Angreifer aus dem Thalys-Zug als Terroristen bezeichnet.
Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve hat den Angreifer aus dem Thalys-Zug als Terroristen bezeichnet. - Foto: © APA/DPA

Nach den Schüssen in einem Thalys-Zug gehen Anti-Terror-Ermittler einem möglichen islamistischen Hintergrund nach.

Ein Mann hatte im Hochgeschwindigkeitszug von Amsterdam nach Paris am frühen Freitagabend mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr das Feuer eröffnet. Nur das beherzte Eingreifen eines Franzosen und zweier Amerikaner, die den Schützen niederrangen, verhindete ein Blutbad (STOL hat berichtet).

 Zwei Menschen wurden bei dem Vorfall schwer verletzt.

Falls der Mann seine korrekte Identität genannt habe, sei er von den spanischen Behörden als Angehöriger der radikalislamistischen Bewegung gemeldet worden, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Samstag in Paris. Der Verdächtige ist demnach 26 Jahre alt und Marokkaner. Dies sei allerdings noch nicht mit Sicherheit überprüft.

Nun ermitteln Anti-Terror-Experten

Die für Terrorismus zuständige Pariser Staatsanwaltschaft zog den Fall an sich, machte zunächst aber keine Angaben zum Motiv des Täters. Belgiens Premierminister Charles Michel hatte bereits am Freitag von einem Terrorakt gesprochen, und auch Cazeneuve nannte den Mann in seiner Rede einen Terroristen – im anschließend verbreiteten Redetext fehlte dieses Wort allerdings.

Der französische Inlandsgeheimdienst DGSI hatte den mutmaßlichen Islamisten nach der Information durch die Spanier im Februar 2014 in seine Kartei aufgenommen. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er im vergangenen Jahr in Spanien und 2015 in Belgien gelebt haben. Die belgische Staatsanwaltschaft eröffnete ebenfalls ein Verfahren und will eng mit den Franzosen zusammenarbeiten.

Angaben des Schützen nicht glaubwürdig

Der Verdächtige selbst bestritt im Verhör terroristische Absichten, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise meldete (STOL hat berichtet).

Die Ermittler hielten seine Angaben aber nicht für glaubwürdig. Der Mann wurde am frühen Samstagmorgen in einen Vorort von Paris gebracht und kann zunächst bis zu 96 Stunden in Gewahrsam gehalten werden. Er hatte in dem Zug neben der Kalaschnikow auch eine Pistole und zehn Magazine bei sich.

Was im Zug geschah

Der Thalys war nach einem Halt in Brüssel gerade im belgisch-französischen Grenzgebiet unterwegs, als ein Franzose auf dem Weg zur Zugtoilette plötzlich dem Mann mit der Kalaschnikow gegenüberstand. Der Fahrgast versuchte, ihn zu überwältigen, dabei fielen nach Angaben Cazeneuves mehrere Schüsse.

Zwei amerikanische Soldaten kamen zu Hilfe: „Wir haben einen Schuss und berstendes Glas gehört“, beschrieb Alek Skarlatos die Szene vor Journalisten. Mit einem weiteren Militär stürzte er sich auf den Täter und rang ihn nieder. „Wir haben ihn gegen den Kopf geschlagen, bis er bewusstlos war.“

Höchste Terrorwarnstufe in Paris

Frankreich war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel von Terroranschlägen oder -plänen mit islamistischem Hintergrund. Im Januar schockierten die blutigen Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt das Land.

In der Region Paris gilt die höchste Terrorwarnstufe.

In Thalys-Zügen patrouillieren nach der Attacke nun Polizisten. Zurzeit seien dies französische Sicherheitskräfte, es werde aber auch erwogen, belgische und niederländische Polizisten einzusetzen, sagte eine Sprecherin der belgischen Bahngesellschaft SNCB der Nachrichtenagentur Belga.

dpa

stol