Donnerstag, 15. Juli 2021

„Hunger macht keine Ferien“: Corona in Afrika – die doppelte Katastrophe

Die tragischen Prognosen zu den Folgen der Coronakrise haben sich leider erfüllt: Die Anzahl der Menschen in extremer Armut ist sprunghaft um rund 150 Millionen gestiegen. Am härtesten trifft es die Kinder, deren Chancen auf ein Leben ohne Hunger und Armut sich innerhalb kürzester Zeit zerschlagen haben. Um sie vor dem ärgsten Hunger zu bewahren, mussten tausende Eltern ihre minderjährigen Töchter verheiraten und ihre Söhne statt in die Schule zur Arbeit als Hirten, Handlanger oder Müllsucher schicken. Die Not der Kinder und Jugendlichen in Afrika hat die Caritas heuer in den Mittelpunkt ihrer Kampagne „Hunger macht keine Ferien“ gestellt, die am heutigen Donnerstag mit einem Smartmob eröffnet wurde.

Im Mittelpunkt der Kampagne „Hunger macht keine Ferien“  der Caritas steht die Not von jungen Menschen in Afrika.
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Im Mittelpunkt der Kampagne „Hunger macht keine Ferien“ der Caritas steht die Not von jungen Menschen in Afrika. - Foto: © Caritas
Sie bittet um Unterstützung, um die jungen Menschen und ihre Familien nicht der Armut, dem Hunger und der Ausbeutung preiszugeben, die ihnen jetzt drohen. Auch die Pfarreien machen auf das Leid der Menschen in Afrika aufmerksam, indem sie am Freitag, den 30. Juli um 15 die Kirchenglocken lauter und länger läuten lassen.

„Über 33 Millionen Menschen in Afrika haben im vergangenen Jahr ihren Arbeitsplatz verloren, der kaum zum Leben, geschweige denn für Rückhalte gereicht hat. Weil Tagelöhner trotz 14-stündiger Arbeitstage keinerlei soziale Sicherheit haben, stehen sie jetzt mit leeren Händen da. Auch Bauersfamilien sind betroffen: Viele konnten wegen Corona ihre Waren nicht mehr verkaufen. Gemüse und Obst sind verfault, weil der Zugang zu den Städten und Märkten gesperrt war und die Bauern keine Lagermöglichkeiten hatten“, berichtet Albert Mashika, der Generalsekretär von Caritas Afrika.

„Tausende Mädchen wurden verheiratet oder in fremde, oft entlegene Haushalte geschickt, um ihnen den ärgsten Hunger zu ersparen. Buben haben Arbeit als Hirten oder Handlanger oder auf der Mülldeponie gesucht, um zumindest etwas zum Essen zu haben. Die Chance auf eine sorglose Kindheit und ein selbstbestimmtes Leben müssen diese Kinder ohne Schulabschluss begraben.“

10 Prozent der Kinder können nicht in den Unterricht zurückkehren

90 Prozent aller Schulkinder in afrikanischen Ländern mussten dem Unterricht über Monate fernbleiben und gleichzeitig auf die so wichtigen Mahlzeiten verzichten, die mit dem Schulbesuch in ländlichen Gebieten oft einhergehen. 10 Prozent der Buben und Mädchen wird nicht in den Unterricht zurückkehren können.

„Dass Zwangsheirat und Kinderarbeit die einzigen Möglichkeiten sind, die eigenen Kinder vor dem Hunger zu bewahren, ist hierzulande kaum vorstellbar. Und doch ist es für viele Eltern in Afrika bittere Realität. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind 2020 um bis zu 40 Prozent gestiegen: Das bricht armen Familien das Genick“, beschreibt Caritas-Direktor Paolo Valente zum Auftakt der Caritas-Kampagne „Hunger macht keine Ferien“ die Katastrophe, welche die Coronakrise in Afrika ausgelöst hat. Viele Familien mussten alles verkaufen, viele mussten auch Wucherkredite in Kauf nehmen, um nicht zu hungern.




Umso mehr setzt die Südtiroler Caritas jetzt auf jene Projekte, die in dem schwierigen Covid-Jahr besonders wirksam waren: die Selbstversorgung in Hausgärten und kleinen Landwirtschaften, die Wasserversorgung zur Stärkung des Immunsystems, die Kleinkredite für Mütter, die sich damit ein kleines Unternehmen aufbauen und ihren Kindern den Schulbesuch ermöglichen können, die Nachbarschaftshilfe und Selbsthilfe-Spargruppen, die Rückhalte sichern und faire Kredite gewähren.

„Gleich im ersten Lockdown haben wir unseren Einsatz im Süden intensiviert,“ berichtet Sandra D’Onofrio, die Leiterin der Caritas-Dienststelle Globale Verantwortung über den Einsatz der Caritas in Afrika. Neben Nothilfeprojekten zur Nahrungsversorgung und hygienischen Schutzmaßnahmen wurde der Bau von über 30 Wasserstellen und die Schulungen für die Vergabe von 700 Kleinkrediten angekurbelt. „Das gibt den Müttern Sicherheit. Sie können gleich nach der Krise auf ein eigenes Einkommen am Markt, mit einem Laden, einem Restaurant, einem Friseursalon, mit der Käseproduktion oder mit Kleintierhaltung hoffen“, so D’Onofrio.

Neue Einkommenschancen für junge Menschen durch nachhaltige Projekte

Ein weiterer Weg aus der Krise sind nachhaltige Projekte, die unter anderem von der Autonomen Provinz Bozen und der Region Trentino Südtirol unterstützt werden. Dazu werden Jugendliche verstärkt in Solarenergie, Handkompostierung und neuen Methoden zur Bewässerung ausgebildet. Diese klimafreundlichen Technologien bringen ganzen Dörfern Strom und neue, produktivere Anbausorten. Die Ausbildung ermöglicht den frisch gebackenen Solar- und Agrartechnikern auch neue Arbeitsplätze und Einkommenschancen.

„Ich kenne keinen jungen Menschen in Äthiopien, der mit seinem Einkommen nicht zum Schulgeld seiner jüngeren Geschwister und dem Essen seiner Eltern beiträgt. Jeder Arbeitsplatz für junge Menschen gibt einer ganzen Familie Halt“, betont Judith Hafner, welche die Caritas-Projekte in Afrika begleitet.





„Die Hilfe in den vergangenen Jahren hat sich in der Krise bewährt und viel Not abgefedert. Die Familien, die dank der Caritas-Projekte Rücklagen bilden, ihr Getreide sicher lagern oder sich über die kleine Landwirtschaft und Hausgärten selbst versorgen konnten, haben gute Chancen, die Krise zu überstehen und ihren Kindern weiterhin Perspektiven zu bieten. Tausende Spenderinnen und Spender in Südtirol haben das ermöglicht und die Familien vor dem Hunger und dem fatalen Sog der Wucherkredite bewahrt“, bedankt sich Caritas-Direktor Paolo Valente, der auch weiterhin auf diese Solidarität hofft.

„Jetzt gilt es, die Familien zusammenzuhalten und die Eltern vor der schmerzhaften Entscheidung für Kinderarbeit oder Zwangshochzeit zu bewahren. Die Kinder in unseren Projekten wollen zurück in die Schule. Die Eltern wollen das auch, doch dafür brauchen sie Hilfe“, betont Valente und zeigt auf, was die Spenden für die Menschen in Afrika konkret bewirken können.

„9 Euro im Monat reichen aus, um bedürftigen Kindern in der Schule jeden Tag ein warmes Mittagessen zu garantieren. Mit 20 Euro erhält eine Familie in Afrika Grundnahrungsmittel für einen Monat, 50 Euro bringen durch Solarstrom Licht in die Hütten der Familien und ermöglichen Frauen ein Zusatzeinkommen durch abendliche Handarbeiten und 100 Euro sichern den Monatslohn eines Familienvaters über Arbeitsprojekte. Mit 240 Euro kann eine Mutter in ihrem Dorf einen kleinen Laden eröffnen. Das sichert ihrer Familie eine Existenzgrundlage und fördert gleichzeitig die Nahversorgung.“

Caritas setzt Spenden zu 100 Prozent in den Projekten ein

Unterstützung für die Caritas-Aktion und den Einsatz gegen den Hunger kommt auch heuer wieder von den Pfarreien, die sich auf Anregung von Bischof Ivo Muser an der Caritas-Kampagne gegen den Hunger beteiligen. Sie lassen am Freitag, den 30. Juli, um 15 Uhr – zeitgleich mit den Pfarreien in Österreich – die Kirchenglocken lauter und länger läuten als gewöhnlich „Die Pandemie hat zahllose Eltern in die Verzweiflung getrieben“, erklärt Generalvikar Eugen Runggaldier, „In der Sterbestunde Jesu wollen wir diese Familien in unser Gebet einbeziehen. Das Glockenläuten am 30. Juli soll uns daran erinnern, dass wir es in der Hand haben zu helfen“.

Wer die Hilfe der Caritas südlich der Sahara unterstützen möchte, kann eine Spende unter dem Kennwort „Hunger in Afrika“ tätigen oder mit 9 Euro im Monat Hungerpate werden. Unter der Telefonnummer 0471-304339 hat die Caritas bis zum Ende der Kampagne „Hunger macht keine Ferien“ eine Spendenhotline eingerichtet. Nähere Informationen können auch online unter www.caritas.bz.it oder bei der Caritas in der Bozner Sparkassenstraße 1 eingeholt werden.

Wichtig: Die Caritas setzt die Spenden zu 100 Prozent in den Projekten ein. Für die Finanzierung der Verwaltungstätigkeit und Bewerbung der Projekte kommen Sponsoren auf. Die Rechenschaftsberichte der einzelnen Projekte können im Dienst für Globale Verantwortung in der Sparkassenstraße 1 in Bozen eingesehen werden und stehen den Spendern auszugsweise auch im Spenderinformationsblatt und auf der Webseite der Caritas (www.caritas.bz.it) zur Verfügung. Die Kampagne „Hunger macht keine Ferien“ wird von der italienischen Bischofskonferenz und privaten Sponsoren finanziert.

Spendenkonten der Caritas Diözese Bozen-Brixen

Raiffeisen Landesbank, IBAN: IT42 F0349311600000300200018

Südtiroler Sparkasse, IBAN: IT17 X0604511601000000110801

Südtiroler Volksbank, IBAN: IT12 R0585611601050571000032

Intesa Sanpaolo, IBAN: IT18 B0306911619000006000065

stol