Freitag, 02. März 2018

Kampf gegen den Wolf mit Gummigeschossen

Mit Gummigeschossen auf Wölfe schießen, die zu nahe an bewohntes Gebiet herankommen. Die Provinz Trient erhielt vom Umweltministerium in Rom für 2 Monate grünes Licht dafür. Nun will man auch in Südtirol für spezifische Fälle um eine solche Maßnahme ansuchen.

Mit Gummigeschossen auf Wölfe schießen, die zu nahe an bewohntes Gebiet herankommen.
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Mit Gummigeschossen auf Wölfe schießen, die zu nahe an bewohntes Gebiet herankommen. - Foto: © shutterstock

Seit Wochen gehen am Deutschnonsberg die Wogen hoch. Vor allem in Proveis sorgen sich Eltern um ihre Kinder, die auf dem Schulweg durch Wolfsgebiet müssen. Dass trotz strengem Schutz für die Großraubtiere in solchen Fällen Abhilfe geschaffen werden kann, hat nun das Trentino bewiesen. Im Dezember war in Canazei ein Wolf in der Nähe des Kindergartens gesichtet worden. Umgehend hatte der Trentiner Umweltlandesrat Michele Dallapiccola sich an Rom gewandt.

Warnschüsse reichen

Mit Erfolg: Für 2 Monate – vom 1. Jänner bis gestern – durfte mit Gummigeschossen auf Wölfe geschossen werden, die sich zu nahe an besiedeltes Gebiet wagten. Allerdings beschränkte das Umweltministerium diese Maßnahme auf das Fassatal. Dort hat bekanntlich ein Wolfsrudel sein Revier.

Nun will man auch in Südtirol prüfen, ob um eine solche Maßnahme angesucht werden kann. „Es wäre eine gute Sache“, ist Landesrat Arnold Schuler überzeugt. „Dabei ist es völlig egal, ob man das Tier trifft oder nicht. Es ist nämlich belegt, dass allein die Tatsache, dass auf ihn geschossen wird, ausreicht, den Wolf davon abzuhalten, sich wieder bewohntem Gebiet zu nähern.“

Dass Südtirol mit einem solchen Ansuchen keine schlechten Karten hat, habe Piero Genovesi, Chef von Italiens oberster Umweltbehörde (ISPRA), kürzlich bei einem Treffen bereits durchblicken lassen, so Schuler. „Für eine solche Vergrämung mit Gummigeschossen braucht es zwar eine konkrete Situation, die man klar belegen muss. Aber dies wäre dann sicher ein erster Schritt, um weitere Maßnahmen zu setzen“, ist der Landesrat überzeugt.

Zusammenarbeit mit Trentino ist wichtig

Für den Bär hat Südtirol bereits die Erlaubnis, mit Gummigeschossen auf Problemtiere zu feuern und sie dadurch zu vergrämen. „Wäre schon ein schönes Ziel, wenn wir diese Möglichkeit nun auch für den Wolf erhalten können“, so Schuler.

Aber wieso hat Südtirol, das in Sachen Bär und Wolf eng mit dem Trentino zusammenarbeitet, diese Möglichkeit bislang nicht genutzt? „Nun, für uns war die Angelegenheit nicht so dringend und eilig, da die Großraubtiere im Winter nicht so aktiv sind“, erklärt Schuler.

Dass dem nicht ganz so ist belegt der Riss einer Ziege. Das Tier wurde vor kurzem in Maria Himmelfahrt am Ritten Opfer eines Wolfes. Und auch die jüngste Sichtung eines Wolfes am Pistenrand auf der Schwemmalm in Ulten zeigt, dass die Tiere sehr anpassungsfähig sind und sehr rasch die Scheu verlieren, wenn nicht entsprechend reagiert wird. „Und das Vergrämen mit Gummigeschossen wäre schon mal ein erster Schritt“, so Schuler. Ziel ist und bleibt aber die Aufweichung des Wolfsschutzes samt Möglichkeit, Problemtiere entnehmen zu können.

D/em

stol