Die jüngsten Entscheidungen der Küstenorte Bacoli in Kampanien und Spotorno in Ligurien haben eine landesweite Debatte darüber entfacht, wem das Meer eigentlich gehört – privaten Betreibern oder der Allgemeinheit. Besonders weit geht die Gemeinde Bacoli bei Neapel. Die Stadtverwaltung plant, den Anteil frei zugänglicher Strände auf mehr als 80 Prozent der Küstenlinie auszuweiten. <BR /><BR />Bürgermeister Josi Gerardo Della Ragione begründet den Schritt damit, den Bürgern den kostenlosen Zugang zum Meer zurückzugeben. Das Vorhaben sorgte zuletzt auch wegen eines öffentlich ausgetragenen Streits mit einem Strandbetreiber für Aufsehen. Hinter der Kontroverse steht eine grundsätzliche Frage: Wie viel Küste darf kommerziell genutzt werden und wie viel muss der Allgemeinheit vorbehalten bleiben?<BR /><BR />Auch im ligurischen Badeort Spotorno steht ein grundlegender Kurswechsel bevor. Die Gemeinde in der Provinz Savona will den Anteil öffentlicher Strände von derzeit rund 3,5 auf 40 Prozent erhöhen. Geplant sind sogenannte frei ausgestattete Strandabschnitte: Der Zugang bleibt kostenlos, gleichzeitig sollen sanitäre Anlagen, regelmäßige Reinigung sowie Rettungsdienste bereitgestellt werden. Damit soll ein Mittelweg zwischen öffentlichem Zugang und einem attraktiven Angebot für Badegäste gefunden werden.<BR /><BR />Die Pläne stoßen bei vielen Strandbetreibern auf Kritik. Sie befürchten wirtschaftliche Einbußen und warnen vor negativen Folgen für einen bedeutenden Wirtschaftszweig, der vor allem in den Sommermonaten Tausende Arbeitsplätze sichert. Die Gemeinden halten dagegen, dass der freie Zugang zum Meer ein öffentliches Recht sei und angesichts steigender Preise für Liegen und Sonnenschirme stärker geschützt werden müsse.<BR /><BR />Die Diskussion fällt in eine Zeit tiefgreifender Veränderungen für Italiens Badegewerbe. Aufgrund neuer Vorgaben zur Vergabe staatlicher Strandkonzessionen müssen zahlreiche Lizenzen in den kommenden Jahren neu ausgeschrieben werden. Viele Gemeinden nutzen diese Gelegenheit, um die Nutzung ihrer Küsten grundsätzlich zu überdenken und das Gleichgewicht zwischen privaten Badeanstalten, touristischen Angeboten und frei zugänglichen Stränden neu auszutarieren.<BR /><BR />Die Entwicklungen in Bacoli und Spotorno könnten dabei Signalwirkung für andere Küstenorte haben. Denn die Frage, ob der Strand in erster Linie Geschäftsmodell oder öffentliches Gut ist, beschäftigt längst nicht mehr nur die betroffenen Gemeinden, sondern ganz Italien.