Deutsche Anbieter von Online-Tests stellen Zertifikate nach EU-Norm aus und versichern, dass sie auch in Italien gültig sind. <BR /><BR /><BR /> Mit der Green-Pass-Pflicht am Arbeitsplatz wird es für Nicht-Geimpfte und Nicht-Genesene eng. Wie komme ich ohne langes Anstehen an einen zertifizierten Coronavirus-Testnachweis? Wäre doch bequem, wenn sich das daheim erledigen ließe.<BR /><BR />Tatsächlich gibt es zum Beispiel in Deutschland Anbieter, die videoüberwachte Selbsttests anbieten. Das Prinzip: Man besorgt sich einen zugelassenen Selbsttest und nimmt ihn vor der eingeschalteten Smartphone-Kamera vor. Geschulte Menschen schauen sich das an, prüfen es und senden, wenn alles in Ordnung war, das – hoffentlich negative – Testzertifikat zu.<BR /><BR />So einfach, so einleuchtend. Doch funktioniert das auch reibungslos? Und werden die Zertifikate überall anerkannt? <BR /><BR /><b>Test muss überwacht sein</b><BR /><BR />An sich lösen die videoüberwachten Tests ein Problem. Denn die Selbsttests, die in Drogerien, Apotheken oder Supermärkten zu haben sind, sind zwar zugelassen. Doch im Alleingang angewendet, ist deren Ergebnis nicht mehr als eine Information für einen selbst. Als offizieller Nachweis, der irgendwo Zutritt verschafft, reicht es nicht, nur eine Testkassette herzuzeigen. Es braucht ein Zertifikat.<BR /><BR />Die per Video überwachten Tests sind nicht kostenlos. Beim Anbieter „covidtestonline“ etwa kostet das 14,90 Euro, bei Konkurrent „Freetogo“ 19,99 Euro. Die Kosten für den Kauf des Selbsttests kommen noch hinzu, sind aber überschaubar: Einzelne Tests gibt es bei Discountern teilweise für weniger als einen Euro. In Listen kann man nachschauen, welche Antigen-Schnelltests die Anbieter akzeptieren. <BR /><BR />Die Preise für die videoüberwachten Tests liegen also im Bereich der 15 Euro, die sonst dafür fällig sind. Wer ohnehin selbst zahlen muss, spart sich also künftig vielleicht lieber den Weg ins Testzentrum und erledigt den Schnelltest zu Hause. Funktioniert das auch reibungslos?<BR /><BR /><b>Praxistest 1</b>: <BR />Für den Test daheim muss man sich etwas Zeit nehmen. Bei „covidtestonline“ ist das Zertifikat rasch gekauft, per Mail kommt dann ein Code, mit dem man den Test starten kann. Nach der Eingabe persönlicher Daten und der Ausweisnummer (auch der italienische Personalausweis wird akzeptiert) folgt kurz ein digitaler Identitätscheck, dann geht es los. <BR /><BR />Bei diesem Anbieter muss man den kompletten Ablauf des Tests filmen. Ich nehme also das Smartphone und habe erstmal Probleme, die Kamera so auszurichten, dass ich im Bild bin – denn ich habe kein Stativ und kann nicht die Frontkamera für die Aufnahme anwählen. So sehe ich den Bildschirm nicht, und kann folglich nicht prüfen, ob die Testmaterialien und ich selbst immer gut zu sehen sind.<BR /><BR />Aber irgendwann ist alles ausgerichtet und die Aufnahme beginnt. Man zeichnet alles auf, vom Auspacken des Test-Kits über den Abstrich bis hin zur Entwicklung der Teststreifen. Am Ende hält man die Kassette mit dem Ergebnis für 5 Sekunden vor die Kamera. Alles in allem nimmt man rund 20 Minuten Video auf.<BR /><BR />Schaut sich das dann wirklich jemand komplett an? Ja, allerdings werden die 15 Minuten Wartezeit bis zum Testergebnis schneller abgespult, sagt Timo Scharpenberg, Geschäftsführer der Firma Coteon, die das Portal „covidtestonline“ betreibt. Gespult wird allerdings nicht zu schnell, damit ein möglicher Austausch der Testkassette nicht unbemerkt bleibt. Sonst wäre es einfach, zu betrügen.<BR /><BR />In meinem Fall scheint alles geklappt zu haben. Eine gute Viertelstunde nach dem Test kommen Ergebnis und Zertifikat per E-Mail. Neben Deutsch kann man noch 2 weitere Sprachen auswählen. Laut Anbieter dauert es maximal eine Stunde, bis man eine Nachricht bekommt. Geschulte Kräfte seien von 6.00 bis 24.00 Uhr im Dienst.<BR /><BR />So reibungslos wie bei mir läuft es dem Anbieter zufolge nicht immer. „Wir winken nicht jeden durch“, sagt Scharpenberg. Die Ablehnungsquote liege bei 6 bis 9 Prozent. Ein häufiger Fehler sei, dass die Aufnahme vom Kunden zu früh gestoppt und die nötige Viertelstunde für die Teststreifen-Entwicklung nicht abgewartet wird. Immerhin: Dann gibt es einen kostenlosen Zweitversuch.<BR /><BR /><b>Praxistest 2:</b><BR />Einen anderen Ansatz wählt die App „freetogo“, hinter der ein Start-up der Uni Potsdam steckt. Hier erfolgt der Test teils unter Aufsicht: Man telefoniert per Video mit einer Person, die beim Testen assistiert und beobachtet. Das ist insofern angenehm, dass man nicht bei jedem Schritt einen Blick auf die Anleitung werfen muss. Nach dem Träufeln der Probenlösung auf die Testkassette endet das Gespräch.<BR /><BR />Damit die Testkassette nun nicht einfach gegen eine andere mit einem negativen Ergebnis ausgetauscht werden kann, musste man sie vor dem Telefonat mit einer zugesandten Nummer beschriften und fotografieren. Auch die Person am anderen Ende der Leitung checkt die Nummer.<BR /><BR />Sobald die 15 Minuten Entwicklungszeit für die Teststreifen vorüber sind, gilt es noch, die Testkassette erneut zu fotografieren – und zwar so, dass das Ergebnis und die aufgeschriebene Nummer gut erkennbar sind. Schon kurz nach dem Absenden des „Beweisfotos“ in der App kam die Testbescheinigung im E-Mail-Postfach an.<BR /><BR />Unterm Strich funktionierte auch diese Variante des Videotests gut, wenngleich die Durchführung in der App an manchen Stellen hakte.<BR /><BR />Im Vergleich zum Tempo in einem Testzentrum – sofern dort alles reibungslos klappt – dauert das Testen mit Videoaufzeichnung daheim länger. Dafür entfällt aber auch der Weg ins Testzentrum.<BR />Genaue Zahlen dazu, wie viele Menschen ihr Angebot schon genutzt haben, nennen die beiden Anbieter nicht. Scharpenberg spricht von mehreren Zehntausend, „Freetogo“ von einer fünfstelligen Nutzerzahl.<BR /><BR />Bisher haben nach seinen Angaben viele Nutzer die Tests zum Beispiel auf Reisen gemacht. Im Ausland ist das teils sicherlich komfortabler, als eine Teststelle zu suchen. Bei „covidtestonline“ kann man sich die Zertifikate daher auch in verschiedenen Sprachen zusenden lassen.<BR />Der Mitgründer und Chef der App „freetogo“, Matthias Weingärtner, sieht den Nutzen der Videotests ebenfalls für Urlauberinnen und Urlauber, aber auch an anderer Stelle: zum Beispiel, wenn jemand kein Testzentrum in der Nähe habe oder aufgrund von Angst vor einem erhöhten Infektionsrisiko den Gang ins Testzentrum scheue.<BR /><BR /><b>Frage nach der Gültigkeit</b><BR /><BR />Das deutsche Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sieht diese digitalen Testmöglichkeiten kritisch. Per Video sei eine gründliche Überwachung der Testung nur eingeschränkt möglich, heißt es auf Anfrage. Nach Ansicht des Ministeriums gehen die Zertifikate der Anbieter videoüberwachter Tests auch nicht als offizielle Zertifikate durch. <BR /><BR />Die Anbieter sehen das anders. So stützt sich die hinter „covidtestonline“ stehende Gesellschaft Coteon auf 2 eigene Rechtsgutachten. Diese kommen zum Ergebnis, dass die Nachweise der Ausnahmenverordnung entsprächen. Auf Anfrage von s+ bestätigt der Anbieter: „Das Zertifikat ist gültig, da es von einem in der EU zugelassenem Testzentrum ausgestellt wurde.“ Was noch fehle, sei die Anbindung an die App EU CovPass, diese sei aber rechtlich nicht zwingend. <BR /><BR />Das Zertifikat erfülle europäische Vorgaben und sei gleichwertig mit einem Zertifikat aus dem Testzentrum, schreibt „covidtestonline“ auch auf seiner Website. Der Online-Prozess sei vom Tüv Rheinland geprüft und als funktional und sicher bestätigt worden.<BR /><BR /><b>„Europaweit anerkannt“</b><BR /><BR />„freetogo“-Chef Weingärtner schreibt auf die Frage, wo das Zertifikat überall akzeptiert werde: „Grundsätzlich wird unser Zertifikat europaweit dort anerkannt, wo ein Antigen-Schnelltest akzeptiert ist. Wir empfehlen unseren Kunden, das Ergebnis in die Corona-Warn-App zu importieren und es darüber nachzuweisen.“<BR />Zusammengefasst: Wichtig ist, dass der Selbsttest richtig vorgenommen wurde, damit das Ergebnis möglichst verlässlich ausfällt – und die Überwachung per Video soll das sicherstellen.<BR />