Kapitän Francesco Schettino bat Untersuchungsrichterin Valeria Montefoschi, das Wort ergreifen zu dürfen. Danach verteidigte er sich und versicherte, dass er in der Unglücksnacht alles unternommen habe, um die Leben der Passagiere zu retten.Punkt für Punkt wies der 52-Jährige die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft und der Sachverständigen zurück, die dem Gericht ein Gutachten über die Vorgänge an Bord der Costa Concordia vorgelegt hatten. Seine Verteidiger legten Dokumente und Beweismaterial zur Entlastung Schettinos vor, dem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung 15 Jahre Haft pro Todesopfer drohen. Kritik an Steuermann und ReedereiZur Verteidigung ihres Mandanten belasteten die Rechtsanwälte vor allem den indonesischen Steuermann der Costa Concordia. Dieser habe die Anweisungen Schettinos nicht begriffen, der ihn aufforderte, das Steuer nach links zu drehen, um einen Aufprall des Schiffes auf einen Felsen vor der toskanischen Insel Giglio zu verhindern.An Bord war die offizielle Sprache der Crew Italienisch, doch mehrere Crewmitglieder seien weder der italienischen noch der englischen Sprache mächtig gewesen, berichteten die Rechtsanwälte. Schettino habe dem Steuermann auf Englisch Befehle gegeben, die er offenbar nicht begriffen habe. Der Indonesier wird im Rahmen der Ermittlungen als Beitragstäter angesehen.Auch die Reederei des Schiffes, Costa Crociere, wird von den Rechtsanwälten des Kapitäns kritisiert. Der Chef des Krisenmanagements der Costa Concordia habe zu lange gezögert, bis er die Hafenbehörden alarmiert und die Entsendung von Schleppern am Ort des Unglücks angefordert hatte, behaupten Schettinos Verteidiger. Neben dem Kapitän droht sechs weiteren Crew-Mitgliedern und drei Managern der Reederei Costa Crociere eine Anklage. Zu ihnen zählt auch der österreichische Vizepräsident von Costa Crociere, der jedoch nicht vor Gericht erschien.Beweisaufnahme könnte sich hinziehenAm vergangenen Montag hatte die umfangreiche Beweisaufnahme zum Unglück der Costa Concordia begonnen, die sich noch eine zweite Woche hinziehen könnte. Bei der Havarie des 290 Meter langen Kreuzfahrtschiffes kamen 30 Menschen ums Leben. Zwei gelten immer noch als vermisst. Die Costa Concordia war zu nahe an die Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gestreift und war mit mehr als 4200 Personen an Bord gekentert.Bürgermeister der Insel Giglio protestierte gegen Verzögerung bei BergungInzwischen kritisierte Sergio Ortelli, Bürgermeister der Insel Giglio, Verzögerungen bei der Bergung des Kreuzfahrtschiffs. „Die Inselgemeinschaft erleidet gravierende Wirtschaftsschäden wegen des Wracks. Wir wollen verstehen können, warum es zu diesen Verspätungen kommt“, protestierte der Bürgermeister. Es werde zu einer zweimonatigen Verspätung gegenüber den ursprünglichen Plänen kommen, hatte Silvio Bartolotti, Geschäftsführer des italienischen Unternehmens Micoperi, berichtet, das mit der US-Firma Titan Salvage mit der Bergungsaktion beauftragt wurde. Er führt unter anderem die schwierigen Wetterbedingungen der vergangenen Wochen ins Treffen. „Das Wrack wird bestimmt innerhalb des nächsten Frühjahrs weggebracht“, versicherte Bartolotti.apa