Karl Unterkircher beeindruckte durch seine unerschütterliche Ruhe, hinter der ein eiserner Wille verborgen lag. „Zeche fajonsa bën“ – auf Deutsch „Irgendetwas werden wir schon machen“ – war oft seine Antwort, wenn es keine klaren Lösungen mehr gab. Sein Akzent verlieh ihm einen herzlichen Charme, der alle faszinierte. So haben ihn alle gekannt, geliebt und bewundert – insbesondere für seine herausragenden Leistungen. Er war ein international anerkannter Alpinist, dessen Blick stets auf unbekannte Ziele gerichtet war, ohne dabei seinen Ruhm zur Schau zu stellen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1051137_image" /></div> <BR /><BR />Geboren am 27. August 1970 in Wolkenstein, verkörperte Karl Unterkircher Mut, Entschlossenheit und Abenteuerlust. Schon früh entdeckte er seine Liebe zu den Bergen, und es dauerte nicht lange, bis er sich in der Welt des Alpinismus einen Namen machte. Seine technische Brillanz und sein tiefes Verständnis für die Natur der Berge führten ihn zu zahlreichen Erstbesteigungen und Expeditionen.<h3>Unglaubliche Leistungen</h3>Unterkircher unternahm mehrere Expeditionen in Südamerika (Patagonien und Peru) und im Himalaya, u.a. im Frühjahr 2007 die Erstbesteigung des Jasemba mit Hans Kammerlander und ein paar Monate später die Nordwand und Durchquerung des Gasherbrum II mit Daniele Bernasconi und Michele Compagnoni. Letztere Route führte durch steile Fels- und Eispassagen, die große technische Fähigkeiten und Ausdauer verlangten. Karl beschrieb diese Expedition als eine seiner anspruchsvollsten. Aber er bestieg auch 32 Viertausender in den Alpen und verzeichnete 30 Erstbesteigungen in den Dolomiten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1051140_image" /></div> <BR /><BR />Hervorzuheben ist seine Leistung im Jahr 2004, die ihm einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde einbrachte: Er bestieg den Mount Everest und den K2 innerhalb von 62 Tagen, und das ohne zusätzlichen Sauerstoff. Dieses beispiellose Unterfangen festigte seinen Ruf als einer der besten Alpinisten seiner Zeit.<h3>Der tragische Unfall</h3>Der Nanga Parbat, berüchtigt als „Todesberg“, forderte schon viele Opfer unter erfahrenen Bergsteigern. 2008 beschloss Karl, diesen gefährlichen Berg über die Rakhiot-Flanke zu besteigen, eine Route, die zuvor noch nie bezwungen worden war. Begleitet von Simon Kehrer und Walter Nones, stellte sich die Expedition einer enormen Herausforderung.<BR /><BR />Tragischerweise ereignete sich am 15. Juli 2008 das Unglück, als Karl in eine Gletscherspalte stürzte. Trotz intensiver Bemühungen konnte er nicht gerettet werden. Die Nachricht von seinem Tod erschütterte die Bergsteiger-Community weltweit. Kehrer und Nones gelang es, sich unter extrem schwierigen Bedingungen in Sicherheit zu bringen, doch der Verlust ihres Freundes und Mentors hinterließ ein tiefes Loch in ihren Herzen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1051143_image" /></div> <BR />Auch 16 Jahre nach seinem Tod bleibt Karl Unterkircher eine inspirierende Figur im Alpinismus. Er wird immer als Symbol für den unermüdlichen Drang nach Entdeckung und die Hingabe an den Alpinismus in Erinnerung bleiben. Seine Reise endete tragisch, doch sein Geist lebt weiter in den Gipfeln, die er erobert hat, und in den Herzen derer, die sich von seiner Leidenschaft inspirieren lassen. Der Nanga Parbat nahm ihn, aber er konnte seine Geschichte nicht auslöschen – Karls Leben war geprägt von Mut, Hingabe und tiefer Liebe: einem Leben für die Berge.<BR /><BR />Seine Familie und Freunde haben in 5 Ausgaben (2010-2018) den Karl-Unterkircher-Award vergeben, um seinen Namen zu ehren. Dabei wurden herausragende Leistungen im Bereich des Alpinismus ausgezeichnet.<BR /><BR />„Wir werden geboren und müssen eines Tages sterben. Dazwischen liegt das Leben – ein Mysterium, dessen Schlüssel niemand von uns besitzt. Das Leben liegt in Gottes Hand, und wenn er uns ruft, müssen wir gehen.“ Dies war eine der letzten Anmerkungen von Karl Unterkircher vom 14. Juli 2008.