Mittwoch, 06. Juli 2016

Kastanie: Wieder Gallwespen im Vinschgau gesichtet

Mit der Aussetzung ihres natürlichen Gegners sollte der Gallwespe hierzulande Herr geworden werden. Eine Untersuchung zeigt: Die „Therapie“ schlägt an. Doch bei weitem nicht überall.

Invasiver Schädling: Blattgallen der asiatischen Esskastanien-Gallwespe, die vor acht Jahren zum ersten Mal in Südtirol gesichtet wurde. Foto: LPA/Landesamt für Forstverwaltung
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Invasiver Schädling: Blattgallen der asiatischen Esskastanien-Gallwespe, die vor acht Jahren zum ersten Mal in Südtirol gesichtet wurde. Foto: LPA/Landesamt für Forstverwaltung

Die asiatische Edelkastanien-Gallwespe Dryocosmus kuriphilus ist ein eingeschleppter Schädling der Esskastanie. In Südtirol wurde sie erstmals 2008 bei Terlan registriert. In den darauffolgenden Jahren hat sie das gesamte Verbreitungsgebiet der Edelkastanie befallen. Die durch die Larvenentwicklung verursachte Bildung von Gallen an Trieben und Blättern beeinträchtigt bei starkem Befall die Vitalität des Baumes.

"Die wirksamste Strategie zur Eindämmung dieses Schädlings", erklärt der stellvertretende Direktor des Landesamtes für Forstverwaltung Stefano Minerbi, "ist die Freisetzung eines natürlichen Gegenspielers, des chinesischen Parasitoiden Torymus sinensis." Die Weibchen dieses Parasitoiden legen ihre Eier in die frisch gebildeten neuen Frühjahrs-Gallen an oder neben den Gallwespenlarven ab, die als Nahrung für die Torymus-Larven dienen. Der Parasitoid vernichtet also seinen Wirt.

Biologischer Gegenspieler: Der Hautflügler Torymus sinensis. Foto: LPA/Landesamt für Forstverwaltung

 

Diese Art der biologischen Bekämpfung erfolgt seit 2010. Über den Zeitraum von vier Jahren hat das Personal der Forststationen den chinesischen Parasitoiden Torymus sinensis an über 80 Standorten in ganz Südtirol ausgebracht.

Im Eisacktal erfolgreich, im Vinschgau mau

"Dieser natürliche Gegenspieler", berichtet Minerbi, "hat sich mit unterschiedlichem Erfolg ausgebreitet: Im Eisacktal erreicht der Parasitisierungsgrad Werte über 70 Prozent und sogar 100 Prozent, sodass kaum mehr Gallen der Esskastanien-Gallwespe vorzufinden sind, wie etwa in Mühlbach, auf der Tschötscher Heide, am Ritten oder in Jenesien; im Etschtal hingegen und im Vinschgau sind bei der jüngsten Kontrolluntersuchung die Gallwespen an Kastanienbäumen noch gesichtet worden". Bei einer jetzt durchgeführten Kontrolluntersuchung wurden 1555 Gallen der Esskastanien-Gallwespe an 57 Standorten unter die Lupe genommen, wo der Gegenspieler Torymus sinensis zuletzt 2014 freigelassen wurde.

"Wir nehmen an, dass sich in Zukunft ein Gleichgewicht zwischen den beiden Populationen von Dryocosmus kuriphilus und Torymus sinensis einpendeln wird", schließt Fachmann Minerbi. Witterungsbedingte Faktoren könnten dieses Gleichgewicht allerdings wieder stören.

lpa/stol

stol