Montag, 27. April 2020

Kathedrale mit Bildern von Putin fast fertig

Eine fast 100 Meter hohe Kathedrale mit Bildern von Russlands Präsident Wladimir Putin und dem sowjetischen Diktator Josef Stalin erinnert in der Nähe von Moskau demnächst an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland.

Die neue Kathedrale erinnert an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland.
Die neue Kathedrale erinnert an den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. - Foto: © APA/afp / ANDREY RUSOV
Die Arbeiten an dem von 6 goldenen Kuppeln gekrönten Bauwerk sollen bis zum 9. Mai abgeschlossen sein, dem 75. Jahrestag des Siegs über Hitlers Armee, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau mitteilte. Die Kathedrale werde dann die drittgrößte orthodoxe christliche Kirche Russlands sein. Wann sie offiziell eröffnet wird, ist noch unklar.

Das Bauwerk ist reich an Symbolik: Der Glockenraum ist 75 Meter hoch, für seine Stufen wurden eingeschmolzene Teile von Nazi-Panzern und Flugzeugen verwendet. Auch andere „Heldentaten des russischen Volkes“ würden gepriesen, darunter die völkerrechtlich nicht anerkannte Übernahme der Krim durch Russland, wie das Verteidigungsministerium weiter mitteilte.

Die Kathedrale der Streitkräfte, die in einem militärischen Themenpark vor den Toren Moskaus steht, wird im Inneren mit den Bildern führender Politiker Russlands und denen von Gott, der Jungfrau Maria und von Heiligen geschmückt. Im Mittelpunkt steht eine farbenfrohe Mosaikreihe mit Bildern von Stalin, Putin und Spitzenpolitikern wie Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Außenminister Sergej Lawrow.
Ein weiteres Mosaik trägt den Slogan „Die Krim gehört uns!“ – ein Satz, der nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel 2014 zu einem Wahlspruch russischer Nationalisten wurde.

Dieses Jahr ist der 75. Jahrestag des Sieges der sowjetischen Truppen über Nazi-Deutschland. Russland begeht den Jahrestag traditionell mit einer riesigen Militärparade auf dem Roten Platz. Die diesjährige Veranstaltung wurde jedoch wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben.

Der Historiker Sergej Bryun kritisierte das Innere des Bauwerks als eine „Verhöhnung der russischen Geschichte und Staatlichkeit“. In der Wirtschaftszeitung Wedomosti hob er hervor, dass die Kathedrale die erste orthodoxe Kirche sei, die das Bild Stalins zeige, der gegen die Kirche und den Klerus vorgegangen war.

Die russisch-orthodoxe Kirche wies die Kritik zurück. „Man kann die Geschichte unseres Staates nicht demontieren“, sagte Leonid Kalinin, der den Kunst- und Architekturrat der Kirche leitet, im Radio Goworit Moskwa. Er verteidigte nicht nur die Darstellung Stalins, der die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg zum Sieg geführt habe, sondern auch Bilder von maskierten und bewaffneten Kommandos, die in einer „unblutigen“ Operation die Krim übernommen hätten.

apa/afp