Generalvikar Eugen Runggaldier im Interview mit s+.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Eine Frau in Messgewand schiebt einen Kinderwagen in Richtung Kirche, darüber die Frage „Priesterin: Ist die Zeit reif dafür?“: Mit diesem Plakat eröffnen Katholische Jugend und Jungschar eine Diskussionsreihe, bei der es später auch Homosexualität, Kirche und Geld sowie Sex vor der Ehe geht. Die Initiative steht unter dem Motto „Hoschameinung“. <BR /><BR />Was sagt Südtirols Kirchenleitung, wenn Verbände, die unter dem Markenzeichen „katholisch“ arbeiten, offizielle kirchliche Positionen wieder in Frage stellen? Bischof Ivo Muser macht derzeit Exerzitien (geistliche Einkehrtage), daher gibt sein persönlicher Stellvertreter, Generalvikar Eugen Runggaldier, eine Stellungnahme zur Aktion der Kirchenjugend ab. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="744536_image" /></div> <BR /><BR /><b>Die Katholische Jugend und die Jungschar fragen nach der Meinung zum Frauenpriestertum: Was ist Ihre Meinung?</b><BR />Generalvikar Eugen Runggaldier: Wenn junge Leute in der Kirche über solche Themen reden, ist das ihr gutes Recht und ernst zu nehmen. Die Diskussionsreihe greift mit dieser Initiative übrigens Themen auf, mit denen sich auch der Synodale Weg in Deutschland befasst – und dieser wurde ganz offiziell von den Bischöfen in Deutschland gestartet. Die Aktion in Südtirol zielt darauf ab, die Meinung junger Leute zu erfahren und wohl auch Meinung zu bilden. Dagegen ist nichts einzuwenden. <BR /><BR /><b>Auch wenn zum Beispiel das Thema Frauenpriestertum zuletzt im Jahr 2016 von Papst Franziskus definitiv mit einem Nein zu den Akten gelegt wurde.</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Die Kirchenleitung spielt auf einer anderen Ebene. Sie muss solche Fragen viel differenzierter klären, mit theologischen Argumenten, mit Rücksicht zum Beispiel auf andere christliche Kirchen. Bei der Frage nach der Weihe von Frauen ist dies mit den protestantischen Kirchen kein Problem, sehr wohl aber mit den orthodoxen Kirchen. Ja, zuletzt hat Papst Franziskus noch einmal das Nein zur Weihe von Frauen bekräftigt.<BR /><BR /><b>Aber die Diskussion ist damit nicht beendet, nicht einmal bei katholischen Verbänden.</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Über solche Themen zu reden ist legitim. Nur würde man falsche Hoffnungen wecken, wenn jetzt suggeriert wird: Wenn eine Mehrheit dafür ist, wird die Kirche auch Frauen das Weihesakrament erlauben. Die Kirche ist eben kein Parlament mit Mehrheitsentscheidungen. <BR /><BR /><b>Katholische Jugend und Jungschar sind sozusagen „offizielle“ Verbände der Diözese: Wir die Diözesanleitung auf diese Aktion reagieren?</b><BR />Generalvikar Runggaldier: Ja, beide tragen das Prädikat „katholisch“ in ihrem Namen, und das kann man sich nicht einfach mal selbst vergeben, sondern wird vom zuständigen Bischof zuerkannt. In seinem Auftrag arbeiten auch diese Verbände. Trotzdem haben solche Verbände eine gewisse Eigenständigkeit, und diese sollen sie auch nützen. Es geht auch bei dieser Aktion nicht um Glaubenswahrheiten. Wenn aber zum Beispiel darüber abgestimmt würde, ob die Auferstehung Jesu eine Tatsache ist oder nicht, dann wäre dieses „K“ für „katholisch“ nicht mehr gerechtfertigt.