Freitag, 22. März 2019

„Kauf von Mineralwasser ist unnötiger Luxus“

Wasser ist eine Lebensgrundlage für den Menschen und zugleich eine begrenzte Ressource. Darauf macht jedes Jahr am 22. März der Weltwassertag aufmerksam. Die Verbraucherzentrale Südtirol informiert über den Stellenwert des Leitungswassers in der EU und empfiehlt das Trinken von Leitungswasser.

Derzeit verbraucht ein Europäer im Durchschnitt 120 Liter Leitungswasser täglich.
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Derzeit verbraucht ein Europäer im Durchschnitt 120 Liter Leitungswasser täglich. - Foto: © shutterstock

Für Wasser für den menschlichen Gebrauch (Wasser zum Trinken und für andere häusliche Zwecke) gelten in der Europäischen Union Mindeststandards. In Europa haben 6 bis 8 Millionen Menschen keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser oder zu geeigneten Sanitäranlagen. Probleme mit der Qualität des Trinkwassers würden 20 Millionen Menschen in Europa betreffen.

Gratis-Zugang zu Trinkwasser im öffentlichen Raum 

Konkret sollen im öffentlichen Raum, in öffentlichen Anlagen sowie in Einkaufszentren und auf Flughäfen frei zugängliche Trinkbrunnen installiert und so der Bevölkerung der Zugang zu Trinkwasser ermöglicht werden. Die Mitgliedstaaten sollen auch die Bereitstellung von Leitungswasser, kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr, in der Gastronomie und in Kantinen fördern.

Für Schadstoffe wie Blei oder gesundheitsschädliche Bakterien werden die zulässigen Höchstwerte verschärft und für hormonwirksame Stoffe (endokrine Disruptoren) Grenzwerte neu eingeführt. Auch wird der Gehalt an Mikroplastik im Wasser zukünftig überwacht. Die Verbraucher sollen zudem mehr und bessere Informationen über die Qualität des Leitungswassers erhalten. 

Das Problem mit den Flaschen

Derzeit verbraucht ein Europäer im Durchschnitt 120 Liter Leitungswasser täglich. Trauriger Spitzenreiter ist Italien mit täglich 243  Litern pro Person. Laut einer Berechnung der EU-Kommission könnte durch einen besseren Zugang zu Wasser mit gesicherter Qualität der Konsum von Flaschenwasser um rund 17 Prozent gesenkt werden. Die europäischen Haushalte könnten dadurch bis zu 600 Millionen Euro jährlich einsparen. Zudem könnten die Treibhausgasemissionen und die Menge an Plastikabfällen verringert werden.

An den europäischen Stränden gehören Kunststoffflaschen zu den am häufigsten gefundenen Einwegprodukten aus Kunststoff.

Leitungswasser: Günstiger und umweltfreundlicher 

„Leitungswasser ist ein echtes 0-Kilometer-Lebensmittel, das in jedem Haushalt zu geringen Kosten und ganz ohne Verpackung jederzeit zur Verfügung steht“, meint Walther Andreaus, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Südtirol. „Im Vergleich zum Leitungswasser kostet Mineralwasser ein Vielfaches.

Es belastet auch die Umwelt viel stärker, nämlich durch die Produktion von Verpackungsmaterialien, die Transporte und die Abfallentsorgung. Für die Südtiroler Haushalte, die über ein qualitativ gutes und schmackhaftes Trinkwasser verfügen, ist der Kauf von Mineralwasser wirklich ein unnötiger Luxus.“ Die Ernährungsexpertin der VZS Silke Raffeiner ergänzt: „Gesunde Personen, die sich ausgewogen ernähren, können ihren Bedarf an Mineralstoffen in der Regel über die Nahrung decken und sind dafür nicht auf teures Mineralwasser angewiesen.“

Wer trotzdem Mineralwasser bevorzuge, so die Verbraucherzentrale, solle ausschließlich Wasser in der Mehrwegflasche und aus der Region kaufen.

„Nur wer Wasser hat, hat eine Chance“ 

„Wasser ist Leben“ steht als Leitspruch auf den Trinkwasserstellen in Äthiopien, die im Rahmen der Caritas-Initiative „Schenken mit Sinn“ von Südtiroler Familien oder Hotelbetrieben gespendet worden sind. Diese Hilfe aus Südtirol, ergänzt durch Beiträge der Autonomen Provinz Bozen und der Autonomen Region Trentino-Südtirol, hat in den letzten 5 Jahren über 40.000 Menschen in Bolivien, Äthiopien, Kenia, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo zu sauberem Trinkwasser verholfen.

Mit den Wasserprojekten aus Südtirol wird genau das zur Realität. Allein im vergangenen Jahr haben zahlreiche Südtiroler die verschiedenen Projekte der Caritas mit über 300.000 Euro unterstützt. „Damit zeigen sie, dass sie –ganz nach dem Motto des heurigen Weltwassertages – niemanden zurücklassen möchten und dass es ihnen ein Anliegen ist, sauberes Wasser dort zu ermöglichen, wo es gebraucht wird. Umso mehr, als wir damit nicht nur dem Durst und Krankheiten, sondern auch massiven Konflikten und unvermeidlicher Abwanderung entgegenwirken“, so Judith Hafner vom Caritas-Dienst für Globale Verantwortung.

Anlässlich des Weltwassertages bedankt sich die Südtiroler Caritas gemeinsam mit ihren Partner im Süden für diese Sensibilität und Hilfsbereitschaft.

stol

stol