<BR /><b> Welchen Vorteil bringt die KI bei der Überführung von Ladendieben?</b><BR />Helmut Freund: KI ist eine zusätzliche Hilfe. Kommt ein Kunde in den Supermarkt, der verdächtige Bewegungen macht und beispielsweise Produkte einsteckt, dann bekommen wir bei der Aufzeichnung durch die Überwachungskamera einen entsprechenden Hinweis. Das System zeigt mir eine kurze Zusammenfassung eines Videos mit dem Vorfall. Dann kann ich beurteilen, ob es effektiv ein Diebstahl ist oder der Kunde nur einen Gegenstand eingesteckt hat, den er bereits mitführte wie sein Handy. <BR /><BR /><b>Hat sich die KI bereits bewährt?</b><BR />Freund: Ja, denn man kann als Kaufhausdetektiv nicht alles sehen. Wenn im Geschäft viel Bewegung herrscht, ist es schwierig, alles unter Kontrolle zu haben. KI ist dann eine zusätzliche Unterstützung. <BR /><BR /><b>Wie viele Ladendiebe erwischen Sie?</b><BR />Freund: Das ist unterschiedlich – bis zu 4 pro Tag.<BR /><BR /><b> Und wer sind die Diebe?</b><BR />Freund: Hauptsächlich Ausländer ohne festen Wohnsitz: Tunesier, Albaner und Türken beispielsweise. Das erste, was sie sagen, wenn man sie erwischt, ist: „Ho fame.“ (Ich habe Hunger, Anm. der Red.). Das ist aber nur eine Ausrede – es gibt genug Unterstützung wie durch die Caritas. Wir rufen dann die Polizei. Die gestohlenen Produkte geben sie fast immer freiwillig zurück. In vielen Fällen warten sie dann bis zum Eintreffen der Polizei. Nur wenige suchen das Weite. Vor einigen Monaten ist ein Dieb, nachdem er uns das Diebesgut ausgehändigt hat, geflüchtet und um nicht direkt der Polizei in die Arme zu laufen, sprang er 5 Meter über eine Mauer hinunter. Dabei brach er sich das Sprunggelenk. <BR /><BR /><b> Welche Produkte werden besonders häufig gestohlen?</b><BR />Freund: Alkohol und Superalkohol – Bier und Schnäpse – Pistazien, Speck und Wurstwaren. Im Eurospin-Geschäft in der Rittnerstraße in Bozen kommt etwa alle 3 Tage ein Dieb, der immer versucht, Weißwein im Tetrapack zu entwenden. Er rückt ihn dann stets heraus, wenn wir ihn erwischen und entschuldigt sich.<BR /><BR /><b>Können Sie uns von besonders dreisten Fällen erzählen?</b><BR />Freund: Einmal hat ein Albaner seinem 4 Jahre alten Kind, das einen Rucksack trug, diesen Rucksack mit Lebensmitteln gefüllt, an der Kasse bezahlte er dann aber nur ein Katzenfutter. Als wir ihn anhielten, behauptete er als Rechtfertigung, er habe nicht gewusst, dass sein Kind die Produkte im Rucksack verstaut hatte. <BR /><BR /><b>Hat mal jemand besonders viel mitgehen lassen?</b><BR />Freund: Im Conad-Geschäft in Vahrn haben sich 3 Sinti zur Weihnachtszeit mit einem Einkaufswagen voller Süßwaren im Wert von 700 Euro – Schokoladen, Panettone, Brioche, usw. – in Richtung Eingang begeben und gewartet, bis ein Kunde hereinkommt, um dann das Geschäft über den Eingang zu verlassen – ohne zu bezahlen. Die 3 Sinti wurden angezeigt.<BR /><BR /><b> Stimmt es, dass auch Schüler häufig stehlen?</b><BR />Freund: Ja, in Geschäften, wo sich Schulen in der Nähe befinden. In Meran war es besonders schlimm. Schüler stehlen hauptsächlich Süßigkeiten wie Schokolade und Kaugummi.<BR /><BR /><b>Welche Produkte stehlen Pensionisten?</b><BR />Freund: Pensionisten, die möglicherweise mit der Mindestrente nicht auskommen, stehlen Grundnahrungsmittel wie Butter.<BR /><BR /><b> Hat sich mit dem neuen Quästor etwas verändert?</b><BR />Freund: Ja. Die Diebe stehlen zwar trotzdem, aber sie laufen danach nicht mehr so häufig weg, weil sie fürchten, dadurch noch mehr Probleme zu bekommen. Sie achten darauf, keine Gewalt auszuüben, denn sie wollen nicht abgeschoben werden. Leider erfüllen nicht alle Diebstahlanzeigen den gewünschten Zweck. Manche werden wegen Geringfügigkeit archiviert. Schon dies allein ist meines Erachtens eine Ermutigung für den Dieb, es nochmal zu tun.