Montag, 14. September 2020

Kaum Bock auf Kunst am Landes-Bau

Der Bauherr Land hat mit der Kunst am Bau wenig am Hut. Von den 64 in den vergangenen 10 Jahren vollendeten öffentlichen Bauten ziert nur deren 15 ein Kunstwerk. Das berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ in ihrer Ausgabe am Montag.

An nur 15 von 64 öffentlichen Bauten hat das Land  in den letzten 10 Jahren Kunst am Bau vorgesehen (im Bild das Werk von Josef Toniolo im Kreisverkehr vor der Claudiana in Moritzing).
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An nur 15 von 64 öffentlichen Bauten hat das Land in den letzten 10 Jahren Kunst am Bau vorgesehen (im Bild das Werk von Josef Toniolo im Kreisverkehr vor der Claudiana in Moritzing).
Während der Staat dies gesetzlich vorsieht, hat man es in Südtirol bei einer Kann-Bestimmung belassen. Und die wird bei der Planung meist links liegen gelassen. „Da müssen wir sicher wieder stärker investieren“, sagt Kulturlandesrat Philipp Achammer.

Reisende und Pendler, die mit dem Zug nach Bozen kommen, werden täglich von ihnen gegrüßt. Die Rede ist von den „Hausgöttinen“ des Bildhauers Guido Muss, die das Landhaus am Bahnhofsplatz zieren.

In früheren Jahren hatte das Land regelmäßig in die Kunst am Bau investiert. Seit die Kompetenz 2001 vom Staat auf die Regionen und Länder übergegangen ist, wurde es ruhig um die Kunst am Bau. Wie Bautenlandesrat Massimo Bessone auf Anfrage von Brigitte Foppa (Grüne) mitteilt, wurden im Zuge der in den vergangenen 10 Jahren fertiggestellten insgesamt 64 öffentlichen Bauten nur deren 15 auch mit Kunst am Bau bedacht. 2 der vorgesehenen Kunstwerke wurden noch gar nicht realisiert.

„Eindeutig zu wenig“, befindet Foppa. „Im ursprünglichen Staatsgesetz war die Kunst am Bau noch als verpflichtend angedacht.“ Im Landesgesetz hingegen stehe nur mehr die Kann-Bestimmung. Und die werde offensichtlich nicht oft angewandt.

„Die vorgelegten Zahlen sprechen da eine eindeutige Sprache“, so Foppa. Bauherr Land hat in den vergangenen Jahren für über 416 Millionen Euro gebaut. Ein knappes Viertel davon wurde für Bauten ausgegeben, an denen auch in Kunst am Bau investiert wurde. Mit nicht einmal 800.000 Euro floss dabei gerade mal 0,7 Prozent des Bauvolumens in die Kunstwerke.

„Ja, die Kunst am Bau ist leider in den letzten Jahren ins Hintertreffen geraten“, bestätigt Landesrat Achammer. Zwar habe er diesbezüglich vor Jahren bereits einmal in der Landesregierung einen Vorstoß gemacht, Kunst am Bau verstärkt oder gar verpflichtend vorzusehen. Von einer Pflicht, einen Teil der Bausumme für Kunstwerke vorzusehen, wurde damals abgesehen. Und auch die Kann-Bestimmung kam in den vergangenen 10 Jahren selten zur Anwendung. Zwar sei die des Öfteren vorgesehen, so Achammer.

„Wo es während der Bauphase eine Kostensteigerung gibt, wird bei der Kunst natürlich als erstes gekürzt“, bedauert er. Geht es nach ihm, soll sich das wieder ändern. „Wir müssen sicher wieder stärker in die Kunst am Bau investieren“, findet er. „Immerhin sind da in Vergangenheit tolle Dinge entstanden.“

em