Die beiden Eltern, der Brite Nathan Trevallion (51) und die Australierin Catherine Birmingham (47), scheiterten am Freitag vor Gericht mit ihrem Einspruch gegen den Beschluss des Jugendgerichts von L'Aquila, das ihnen am 13. November das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen hatte. <BR /><BR />Seit November leben die drei Kinder - ein achtjähriges Mädchen und sechsjährige Zwillingsgeschwister - in einer geschützten Einrichtung in der Stadt Vasto. Dort sollen die Minderjährigen während einer Beobachtungsphase betreut werden. Die Familie hatte gehofft, Weihnachten gemeinsam verbringen zu können. Der Gerichtsbeschluss ist für sie eine schwere Enttäuschung. <BR /><BR />Die Anwälte der Familie hatten sich zuversichtlich gezeigt, nachdem die Eltern ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Justizbehörden und den Sozialdiensten signalisiert hatten. Letztere baten jedoch um mehr Zeit, um die Entwicklung der Kinder beurteilen zu können, die bei ihrer Ankunft in der betreuten Wohneinrichtung ungepflegt wirkten und dort erstmals mit elektrischen Lichtschaltern und einer Duschbrause in Kontakt kamen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1252263_image" /></div> <BR /><BR />Die Mutter bleibt in der Nähe der Kinder und darf sie derzeit dreimal täglich sehen - zum Frühstück, Mittag- und Abendessen. Gerade im Hinblick auf ihre Rolle äußerten sowohl das Jugendgericht als auch das Berufungsgericht jedoch Zweifel. Kritisch bewertet werden insbesondere ihre stark ausgeprägten umweltbezogenen Überzeugungen. So habe sie gegenüber den Betreuern darauf bestanden, dass die Kinder Zahnbürsten mit Borsten aus Eselshaar benutzen müssten. <BR /><BR />Das Jugendgericht von L'Aquila beanstandete die Lebensumstände der Kinder, die bewusst in sehr einfachen Verhältnissen in einem Steinhaus im Wald von Palmoli aufgewachsen seien - ohne fließendes Wasser, ohne Stromanschluss und ohne Schulbesuch. Die Eltern hatten sich gezielt für ein von der Konsumgesellschaft abgeschottetes Leben ohne wesentlichen Komfort und in engem Kontakt mit der Natur entschieden. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1252266_image" /></div> <BR /><BR />Mit der selbstversorgenden Familie lebten zudem ein Pferd, ein Esel, Hunde, Katzen und Hühner. In dem Urteil vom 13. November, mit dem das Sorgerecht entzogen wurde, bemängelten die Richter außerdem, dass das Haus im Wald unhygienisch und teilweise baufällig sei. Kritisiert wurde auch, dass die Kinder, die von den Eltern im Homeschooling unterrichtet wurden, keinen sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen gehabt hätten. Die Eltern erklärten sich bereit, in ein Haus umzuziehen, das ihnen von einem Gastwirt aus der Region zur Verfügung gestellt worden war. Auch in Fragen des Unterrichts signalisierten sie Kompromissbereitschaft. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1252269_image" /></div> <BR /><BR />Der Beschluss des Jugendgerichts löste teils vehemente politische Reaktionen aus. „Für diese Richter gibt es nur ein Wort: Schande! Kinder sind kein Eigentum des Staates, Kinder müssen mit der Liebe von Mama und Papa leben und aufwachsen können. Und so werden die Kinder der sogenannten 'Familie im Wald' nicht einmal zu Weihnachten nach Hause zu Mama und Papa zurückkehren können“, kommentierte Lega-Chef und Vizepremier Matteo Salvini auf X.<BR /><BR />Kritisch äußerte sich auch Familienministerin Eugenia Roccella. „Wir haben in den Zeitungen die Einschätzungen der Richter und der Sozialdienste zu den möglichen Folgen bestimmter Gewohnheiten und erzieherischer Entscheidungen gelesen“, schrieb sie auf Facebook. „Doch es scheint, dass man sich sehr viel weniger um die psychologischen Folgen sorgt, die die Trennung von der Familie bei so kleinen Kindern hervorrufen kann und die von Dauer sein werden.“