Mittwoch, 06. Juli 2016

Kein Rückgang von Gewalt an Frauen in Südtirol

Die meisten Opfer von Gewalt gegen Frauen sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, der Täter ist meisten der Partner. Dies zeigen die Zahlen, die das Landesstatistikinstitut ASTAT am Mittwoch veröffentlicht hat.

Die Zahlen der Gewaltopfer ist 2015 nicht zurückgegangen.
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Die Zahlen der Gewaltopfer ist 2015 nicht zurückgegangen.

Die Ergebnisse der ASTAT-Umfrage zeichnen 2015 ein ähnliches Bild wie 2014, die Gewalt gegen Frauen nahm nicht ab. Erhoben wurden die Zahlen im Rahmen der Erhebung über die sozialen Einrichtungen - Kontaktstellen gegen Gewalt und Frauenhäuser.

2015 wurden insgesamt 651 Frauen in den Kontaktstellen und Frauenhäusern betreut. Frauenhäuser gibt es in Südtirol in Bozen, Meran, Brixen und Bruneck sowie insgesamt vier Kontaktstellen gegen Gewalt. Die Wohnungen der Frauenhäuer sind für die Opfer von Gewaltsituationen - und gegebenenfalls ihren Kindern - vorbehalten.

Vor allem 30- bis 39-Jährige Opfer von Gewalt

Die Aufenthaltsdauer in den Wohnungen hing auch von der Herkunft der Frauen ab, Migrantinnen benötigten öfter einen Zufluchtsort, da sie hierzulande seltener über ein stabiles soziales Netz verfügen. Italienische Staatsbürgerinnen wandten sich hingegen häufig an die Kontaktstellen. Betreut wurden vor allem 30-jährige bis 39-jährige Frauen (30 Prozent), gefolgt von der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen (26,3 Prozent). Auch die 18- bis 29-Jährigen gehörten 2015 zu den besonders gefährdeten Gruppen (26,9 Prozent).

Nur 1 von 20 Frauen wendet sich an Kontaktstelle

Der Blick auf die Bezirksgemeinschaften zeigt, dass sich die meisten Frauen in Bozen (16,6 Prozent) und im Eisacktal (15,6 Prozent) an eine Einrichtung gewandt haben - dies hängt auch mit dem Vorhandensein einer solchen Stelle zusammen. Die Daten, so das ASTAT in seiner Aussendung, spiegeln aber nicht unbedingt die Häufigkeit von Gewalt an Frauen wider, Schätzungen zufolge wendet sich nur 1 von 20 Frauen an eine Kontaktstelle gegen Gewalt des Landes.

Gewalt meist im einheimischen und familiären Umfeld

Fast immer erfolgte die Gewalt im familiären Umfeld: 44,8 Prozent der Täter waren Ehemänner, in 22,1 Prozent aller Fälle war es der Ex-Freund. Auch die Zahlen zur Nationalität - in Bezug auf Gewalttäter und Opfer - entsprechen 2015 der Situation von 2014. Bei 47,1 Prozent aller Fälle waren Täter und Opfer italienische Staatsbürger, bei 33,1 Prozent handelte es sich sowohl beim Opfer, als auch beim Täter um ausländische Staatsbürger.

Alle Daten der ASTAT-Studie sind online abrufbar.

stol/aw

stol