Was ist wichtiger im Leben? Regelmäßig Restaurantbesuche oder Speck und Käse aus eigener Produktion? Wer mit der 85-jährigen Wilhelmina Felderer spricht, erhält klare Antworten diesbezüglich. Und sie hat auch sonst einiges zu sagen.<BR /><BR /> Wilhelmina Felderer stammt aus St. Valentin auf der Haide. Der Tata sei ein Burgeiser gewesen und mit 15 Jahren nach Hoad gegangen, um den Beruf des Schusters zu erlernen. Dort habe er dann die Mama kennengelernt, 1937 haben die beiden dann geheiratet.<BR /><BR />Es folgten 4 Kinder, Wilhelmina war das erste, dann kamen Konrad, Otto und Sebastian. Otto sei leider schon mit 10 Monaten gestorben, sagt die heute 85-Jährige. Das habe die Familie erschüttert, die Mama habe sehr viele Jahre später dann im hohen Alter immer noch von ihm gesprochen.<h3> Volksschule, die Arbeit daheim und dann der Mann des Lebens</h3>Wilhelmina selbst ging in Hoad zur Volksschule und hat daheim von klein auf mitgearbeitet, die Eltern hatten einen kleinen Hof. „Dann habe ich Köchin gelernt“, sagt sie und ergänzt, dass sie in gar einigen Pensionen und Hotels im Oberland gearbeitet habe. Sie habe viel arbeiten müssen und „schnell selbstständig“ sein, erinnert sie sich zurück. <BR /><BR />Wie hat sie dann ihren Mann kennengelernt, den Adolf Plangger aus Malsau in Langtaufers? Das sei so gewesen: 1961 sei der Hof der Familie ihres späteren Mannes abgebrannt. Es habe große Not geherrscht damals und viele Menschen hätten versucht, zu helfen. Im Zuge dieser Hilfsaktion habe sie ihren Adolf dann kennengelernt. „Zuerst habe ich mir immer gedacht, auf einen Berghof mit der vielen Arbeit dort bringen mich keine 10 Rösser“, lacht Wilhelmina Felderer. Dann aber hat sie es sich wohl anders überlegt, denn sie zog zum Adolf nach Malsau. Das Leben dort war kein Zuckerschlecken, denn „es hat jemanden gebraucht, der arbeiten kann“, sagt die 85-Jährige. Und so haben sie und ihr Mann gearbeitet, viel gearbeitet. <h3> Viel Arbeit und das Glück der Geburten</h3>Geheiratet haben die beiden dann im Juni 1964. Es folgten die Kinder Josef, Edmund, Stefan, Paul, Arthur, Renate und Reinhold. Mit den Kindern war viel Freude verbunden, aber auch Trauer, denn Edmund und Paul wurden vom Herrgott viel zu früh heimgeholt. Ihr Adolf ist dann 2011 gestorben.<BR /><BR />Das hat am Glauben von Wilhelmina Felderer zwar gerüttelt, aber sie blieb ihrem Herrgott dennoch bis heute treu. Im Gegenteil: „Ich habe einen guten Draht zu ihm“, sagt sie und über den lieben Gott lasse sie auch nichts kommen. Er habe immer auf sie geschaut, sie rede auch sehr oft mit ihm. <BR /><BR />Was denkt Wilhelmina Felderer über das Leben? Sie selbst sei damit zufrieden, erklärt sie. Sie habe gute Kinder, sie habe gute Schwiegertöchter, sie werde im Pflegeheim gut betreut... was könne man mehr wollen? Sie sei nicht reich gewesen, man sei etwa nie Pizza essen gegangen – dafür fehlte das Geld. Aber gefehlt habe es der Familie dennoch an nichts. Man habe immer gutes Essen gehabt – Brot, Speck, Käse, Butter habe man alles selbst hergestellt. „Da mussten die Kinder dann auch immer helfen“.<h3> Dankbarkeit und viel Glauben in den Herrn</h3>Dass sie sich jetzt im Heim bedienen lassen kann, war zu Beginn bzw. vor rund 9 Jahren beim Einzug ins Martinsheim, neu für die Oberlandlerin. „Aber daran gewöhnt man sich schnell“, lacht sie und lobt das Personal des Hauses, denn es sei sehr engagiert. „Ich bin jetzt hier zuhause“, sagt sie sogar. Die Coronazeit sei zwar nicht schön gewesen, aber die sei zum Glück vorbei. Und so verbringt sie heute die Zeit wieder gerne mit anderen Bewohnern des Hauses oder liest Zeitung und hört Radio – die Übertragungen vom Pfarrsender z. B. höre sie gern. <BR /><BR />Außerdem ist Wilhelmina Felderer sehr gesellig. Beim heurigen Faschingsfest war sie einer der Stargäste, denn sie erzählte reihenweise Witze. Dutzende Witze könne sie problemlos hintereinander aufsagen, bei weiteren müsse sie halt ein wenig nachdenken, schmunzelt sie. Sie unterhalte sich auch gern und helfe gerne auch im Heim mit, wo und wie sie es halt noch könne. <h3> Das Schönste? Ohne Frage die Kinder</h3>Was ist wichtig im Leben, was war das Schönste? „Die Geburt der Kinder“, sagt sie wie aus der Pistole geschossen, da gebe es keinen Zweifel. Und damit die Kinder und Enkel etwas über ihre Mama und Oma wissen, hat sie vor kurzem ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben. Auf vielen Seiten steht alles, was es zu wissen gebe, sagt sie. Nun hätte Wilhelmina Felderer noch einen Traum im Leben: Sie möchte gerne, dass ihre Memoiren in Buchform erscheinen. Denn mit den vielen Zetteln sei es so eine Sache: die flattern durcheinander, könnten auch verloren gehen usw. Da wäre so ein Buch schon was Ordentlicheres, findet sie.