Aber nicht nur: Die Lichter vertreiben auch Pumas, Hyänen und wilde Elefanten. Helfen sie womöglich auch zur Wolfsabwehr? Laut Direktor Siegfried Rinner trudeln beim Bauernbund viele solcher Vorschläge ein – inzwischen gebe es eine „Wolfsindustrie“.<BR /><BR />Richard Turere hat mit „Lion Lights“ heuer den Nachwuchspreis des Europäischen Patentamts (EPA) gewonnen. Ausgezeichnet werden damit junge Menschen im Alter von bis zu 30 Jahren, die technische Lösungen für die Bewältigung globaler Probleme entwickelt haben. Der „Young Inventors Prize“ ist mit immerhin 20.000 Euro dotiert.<BR /><BR /> <a href="https://www.instagram.com/richardturere/" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier Tureres Instagram-Profil.</a><h3> Schon als Kind machte er sich Gedanken</h3>Turere stammt laut Medienberichten aus der Massai-Gemeinde Kitengelaand und von Kindesbeinen an kümmerte er sich darum, das Vieh seiner Familie zu schützen. Seit er 12 Jahre alt ist, macht er sich konkret Gedanken darüber, wie er hungrige Löwen davon abhalten könnte, in der Nacht Ziegen, Rinder und Schafe anzugreifen. Er probierte es mit Petroleumlampen und Vogelscheuchen. Erfolg hatte er schließlich, als er Lichtblitze dafür verwendete. Auf die Idee dazu kam er, weil er bemerkte, dass sich die Löwen nicht mehr zu den Ställen heranwagten, wenn er mit seiner Taschenlampe nach den Rindern sah. Somit lag es nahe, den Löwen vorzutäuschen, dass sich nachts noch Menschen in der Nähe des Viehs aufhalten. <BR /><BR />Tureres Leuchtsystem basiert auf blinkenden LEDs. Zunächst bestand seine Erfindung aus einem einfachen Kasten zum Ein- und Ausschalten von Lichtern. Er entwickelte das System aber weiter und programmierte verschiedene Sequenzen, an die sich die Löwen nicht gewöhnen konnten. Das System wird mit Solarenergie betrieben, es funktioniert aber auch mit Windkraft. Die Lichter werden rund um das Gehege platziert – im Abstand von etwa 15 Metern und sie ahmen die Bewegungen von Menschen nach. So bleiben die Löwen vom Vieh fern. Tureres Erfindung wird inzwischen von tausenden Haushalten in Kenia, Namibia, Botswana, Indien, Argentinien und anderen Ländern genutzt.<h3> „Offen für alles“</h3>Beim Südtiroler Bauernbund ist man offen für alles, aber den Durchbruch bei der Wolfsplage erwartet man sich von solchen Erfindungen nicht. „Wir erhalten viele Vorschläge für eine Wolfabwehr“, berichtet Direktor Rinner: von akustischen Abwehrmaßnahmen bis hin zu GPS-gesteuerten Systemen, weiters eine „Ablenkfütterung“ mit Eseln. „Nur eine Raketenabwehr war noch nicht dabei“, scherzt Rinner. Inzwischen gebe es eine ganze „Wolfsindustrie“ – mit einer Vielzahl von Expertenmeinungen. <BR /><BR />„Erst kürzlich hat mich jemand gefragt, ob man – so wie angeblich in Afrika – den Rindern Augen auf den Hintern malen sollte, weil das angeblich Löwen abschreckt. Es kann alles probiert werden, aber bitte von Profis, die den Erfolg und Misserfolg der Maßnahmen dann auch dokumentieren können. Diese Profis sollten diese Versuche organisieren und umsetzen und auch für die vollen Kosten dieser Versuche aufkommen“, meint Rinner. Er plädiere schon seit langem für einen amtlichen Herdenschutz, der von der Landesverwaltung voll getragen wird und mit dem alle Systeme, welche die „Wolfsexperten“ erfinden, getestet werden können. <h3> „Almbauern sind keine Versuchskaninchen“</h3>„Eines ist klar: Die Almbauern sind keine Versuchskaninchen und die Alm ist kein Testlabor“, stellt Rinner klar. „Probieren kann man alles – aber nicht auf dem Buckel der Bauern“, betont der Bauernbund-Direktor. In der Vergangenheit habe sich klar erwiesen: Es brauche einen ungeheuren Aufwand an Arbeitskräften und Geld, um diese Maßnahmen durchführen zu können. Und: Jede Maßnahme verlagere das Problem und die Risse auf eine andere Alm. Der Wolf sei ein intelligentes Tier und überwinde auch jede noch so „intelligente“ Herdenschutzmaßnahme. Die Wölfe hätten sich „an den gedeckten Tisch unserer Kulturlandschaft gewöhnt. Sie werden immer mehr und sie werden immer schlimmer“, meint Rinner.<BR /><BR /><BR />