Sie hat dem Parlament in Rom nun einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, der eine der gravierendsten und oft unsichtbaren Lücken im italienischen Schutzsystem schließen soll: das Fehlen einer nationalen Datenbank und eines offiziellen Registers der Kinder, die infolge häuslicher Gewalt - insbesondere nach Frauenmorden - zu Waisen geworden sind. <BR /><BR /><BR />Ziel des Vorstoßes ist es, eine kontinuierliche Erfassung und wirksame Unterstützung für die tausenden Minderjährigen sicherzustellen, die neben dem Verlust eines Elternteils häufig auch institutionelle Vernachlässigung und Unsicherheit hinsichtlich ihrer Rechte erleben. „Der Staat darf die Waisen von Frauenmorden nicht alleinlassen“, erklärte Carfagna bei einer Pressekonferenz in Rom. <BR /><BR />Viele Kinder verlieren ihre Mutter durch Gewalt des Vaters, der sich in zahlreichen Fällen nach der Tat das Leben nimmt. Ein zentral geführtes, regelmäßig aktualisiertes Register soll dazu beitragen, die bestehenden gesetzlichen Maßnahmen - finanzielle Hilfen, psychologische Betreuung sowie juristische und gesundheitliche Unterstützung - wirksam umzusetzen, so Carfagna. Der Gesetzesvorschlag sei ein „notwendiger Schritt“, gerade auch im Hinblick auf den 25. November, den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Dabei müsse man nicht nur an die direkten Opfer denken, sondern auch an die Kinder, die die Folgen dieser Gewalt ein Leben lang tragen. <BR /><BR />Bei der Vorstellung des Projekts kamen mehrere Expertinnen zu Wort. Sie betonten die Bedeutung eines Rechts auf Vergessenwerden, um Minderjährige vor einer oft belastenden medialen Aufmerksamkeit zu schützen. Außerdem plädierten sie für die Bestellung eines Pflichtverteidigers sowie für eine umfassende psychologische Betreuung. Die Journalistin Daniela Ferolla, Präsidentin der Stiftung „Le Stelle di Marisa“, die sich mit Waisen nach Frauenmorden befasst, erinnerte daran, dass ihre Organisation - ausschließlich durch private Mittel finanziert - wirtschaftliche, psychologische und rechtliche Hilfe für Kinder anbietet. Sie hob außerdem die schwierige Lage von Pflegefamilien und nahen Verwandten wie Großeltern und Tanten hervor, die oft ohne ausreichende Unterstützung mit schweren traumatischen Situationen konfrontiert sind. <BR /><BR />Die wissenschaftliche Leiterin der Stiftung, Benedetta Durini, lenkte den Blick auf das Phänomen der miterlebten Gewalt, das Kinder tief prägt, auch wenn sie selbst nicht direkt angegriffen wurden. Sie hob zudem die Notwendigkeit einer besseren Ausbildung von Lehrkräften hervor, die immer häufiger gefordert seien, Kinder mit unsichtbaren, aber schwerwiegenden inneren Verletzungen zu erkennen und zu begleiten.