Noch einen Monat, dann heißt es für Südtirols Kinder und Jugendliche die Schultasche packen. Ob sie damit dann tatsächlich auch bis ins Klassenzimmer kommen, ist aber weiter fraglich. Noch immer steht nämlich nicht im Detail fest, was Lehrer, Schüler und Eltern im Herbst wirklich erwartet. 3 Szenarien hat man im Schulamt für den Schulbeginn ausgearbeitet. Und so wie es jetzt aussieht, wird man wohl mit dem Szenario „Gelb“ für eine mittlere Ansteckungsgefahr starten. „Vorgesehen ist dabei, dass an Grund- und Mittelschulen vormittags Präsenzunterricht stattfindet“, sagt Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner. Am Nachmittag hingegen soll es Betreuungsangebote geben, die auf freiwilliger Basis genutzt werden können. Eine entsprechende Bedarfserhebung sei derzeit im Laufen, so Falkensteiner.<BR /><BR />An den Oberschulen hingegen wird es wohl eine Mischform aus Präsenz- und Fernunterricht werden. Der Hauptgrund dafür ist, dass coronabedingt die Kapazitäten im öffentlichen Nahverkehr eben nicht für alle ausreichen. Man schaffe es, täglich rund 70 Prozent aller Oberschüler in die Schulen zu bringen, so Falkensteiner. Der Rest der Schüler muss dann abwechselnd virtuell dem Unterricht folgen. Wie genau die Einteilung erfolgen soll, steht den einzelnen Schulen offen.<BR /><BR />Ob Kinder und Jugendliche in der Schule dann auch Maske tragen müssen, ist noch unklar. Diese Entscheidung soll erst Ende August fallen. Dann, wenn man sieht, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. So sieht es auch das von Ministerin Lucia Azzolina gestern unterzeichnete Dekret vor. Vorgesehen ist darin allerdings eine Maskenpflicht beim Betreten und Verlassen der Schule. Wie das erfolgen soll, ist den Schulen überlassen. Entsprechende Hinweisschilder und Bodenmarkierungen sind allerdings Vorschrift.<BR /><BR />Schulfremde Personen, wie Eltern oder Erziehungsberechtigte, sollen möglichst nicht das Schulgebäude betreten. Und wenn, dann dürfen nur Mami oder Papi den Nachwuchs begleiten – natürlich immer nur mit Maske und desinfizierten Händen. Vorgesehen ist zudem, dass Lehrpersonen und Schulpersonal sich einem Coronatest unterziehen können – auf freiwilliger Basis und kostenlos. Ebenfalls vorgesehen ist, dass Schulpsychologen bei Bedarf alle Beteiligten in der unsicheren Zeit begleiten. Und es soll eine Grüne Nummer eingerichtet werden, an die sich die Schulen im Notfall wenden können.<BR /><BR />Für Unmut hingegen sorgt ein anderer Passus im Dekret. Demnach müssen Kinder und Jugendliche, aber auch Lehrpersonen zu Hause bleiben, wenn sie eine Körpertemperatur über 37,5 Grad Celsius haben. Soweit noch logisch und verständlich, denn auch vor Corona blieb der Schule fern, wer Fieber hatte. Nun aber wurde ein neuer Passus hinzugefügt: Demnach müssen Schüler und Lehrer auch bereits beim kleinsten Anzeichen einer Grippe oder von Grippesymptomen zu Hause bleiben und müssen sich sofort an den Kinder- oder Hausarzt wenden.<BR /><BR />Bleibt es bei dieser rigiden Vorschrift, dürfen Rotznasen demnach nicht mehr in die Schule. Bildungslandesrat Philipp Achammer sieht darin ein Problem. „Wenn Kinder bei jedem Schnupfen zu Hause bleiben sollen, dann werden wir in den Wintermonaten wohl vor halbleeren Bänken in den Klassen stehen“, sagt er. Das sei völlig unverhältnismäßig, in keiner Weise vernünftig oder sinnvoll. „Wir erleben im Moment zum wiederholten Male eine Zuspitzung“, sagt Achammer, „zwischen den Ängstlichen, die alles untersagen möchten, und den Ignoranten, die jegliche Maßnahme ablehnen.“ Es gelte einen Weg der Mitte mit Hausverstand zu gehen: Vorsichtig sein, den Menschen aber auch Sicherheit und so viel Normalität wie möglich zurückgeben. „Das gilt auch für den Kindergarten- und Schulstart“, so Achammer.