Mittwoch, 16. August 2017

Kinder und Internet – Gefahren und Chancen

Nahezu alle Kinder ab 10 Jahren haben Internetzugang über ihr Smartphone. Cyber-Kommunikation ist längst ein Teil sozialer Beziehungen von Kindern geworden. STOL hat mit einem Medienpädagogen über die Chancen und die Gefahren des Internets in Bezug auf Kinder gesprochen.

Thema des Vortrags von Helmar Oberlechner ist der bewusste Umgang mit der Smartphone- und Internet-Kommunikation. - Foto: Helmar Oberlechner
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Thema des Vortrags von Helmar Oberlechner ist der bewusste Umgang mit der Smartphone- und Internet-Kommunikation. - Foto: Helmar Oberlechner

Besonders intensiv werden WhatsApp, Facebook und Instagram genutzt – sie erleichtern die Kommunikation. Neben allen positiven Aspekten des Internets gibt es aber auch problematische Seiten: Kinder und Jugendliche surfen zu sorglos, stellen sensible Daten, von der eigenen Adresse bis zu Bankcodes, intime Texte, Bilder und Videos ins Netz.

Die Gefahr von Datenverlust durch Viren oder Hacker und die Belästigung über Smartphone und Internet sind bereits Tatsache bei vielen Kindern und Jugendlichen. Am Donnerstag hält der Nordtiroler Medienpädagoge Helmar Oberlechner in Bozen ein Methodik-Workshopseminar zum Thema „Wo sitzt die Spinne im Netz?“.

Südtirol Online: Herr Oberlechner, was sind die größten Gefahren im Internet?

Helmar Oberlechner, Medienpädagoge: Die größte Gefahr ist zunächst, dass Kinder sich gegenseitig in sozialen Netzwerken fertigmachen. In Südtirols Schulen geben in etwa 10-13 Prozent der Kinder an, schon einmal unter Cybermobbing gelitten zu haben. Das heißt, dass man sich zum Beispiel über WhatsApp böse Dinge schreibt. Die Kinder haben damit natürlich auch daheim und in der Schule Schwierigkeiten, weil sich diese sozialen Netzwerke mit den echten Netzwerken in der Klasse oder im Schulhof decken.

Eine weitere Gefahr besteht darin, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen leichter in sogenannte Internetfallen oder Lockangebote tappen, die per Werbung oder per Spam auf die Kinder hereinprasseln. Das betrifft vor allem die Jüngeren. Doch auch ältere Kinder können auf Seiten gelangen, auf denen sie eigentlich noch nichts verloren haben. Damit meine ich nicht nur Sex-Seiten, sondern auch ideologische oder rechtsextreme Seiten.

STOL: Ab wann sollte ein Kind überhaupt ein Smartphone benutzen dürfen?

Oberlechner: Das kann ich nicht an einem bestimmten Alter festmachen, das hängt eher von der Reife des Kindes ab. Heutzutage bekommen Kinder ihr erstes Smartphone in der Regel im Firmungsalter: Es ist das beliebteste Firmgeschenk. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ein Kind, wenn es in die Mittelschule kommt, auch reif genug ist, um mit dem Smartphone umzugehen, vorausgesetzt, dass in der Schule oder auch zuhause schon ein bisschen über die Gefahren im Internet und den sozialen Netzwerken gesprochen wurde.

STOL: Worauf sollte man als Eltern besonders achten?

Oberlechner: Eltern sollten einen ganz normalen Umgang mit diesen Dingen pflegen. Die Kinder von heute haben ein völlig anderes Verständnis im Umgang mit sozialer Kommunikation. Die Kinder und Jugendlichen, die ab 1999 geboren wurden, gehören zur sogenannten Generation Z: Das sind die Kinder, die mit Selbstverständlichkeit mit sozialen Netzwerken aufgewachsen sind.

Eltern sollten nicht vorverurteilen, nicht generell ausschließen, nicht verteufeln. Trotzdem sollten Eltern ihren Kindern durchaus Grenzen setzen: So hat das Smartphone zum Beispiel vor dem Schlafengehen oder beim Mittagessen nichts zu suchen.

STOL: Ihr Fazit?

Oberlechner: Ich bin der Meinung, dass die Technik, die uns zur Verfügung steht, ganz große Chancen bietet. Man sollte diese Chancen nutzen und damit auch die Gefahren minimieren: Positives verstärken und Negatives minimieren. Aufpassen, aber verwenden dürfen - das ist meine Devise.

Interview: Laura Clara Moroder

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Am Donnerstag, den 17. August findet das Methodik-Workshopseminar „Wo sitzt die Spinne im Netz?“ von 14.00 – 17.30 Uhr im Amt für Film und Medien in der Andreas-Hofer-Straße 18 in Bozen statt. 

stol