Dass Corona – wie so vieles – das moderne Leben noch stärker digitalisiert hat, steht außer Zweifel. Von Smart-Working über Online-Shopping bis hin zum digitalen Unterricht: Das sind nur einige Bereiche, die sich radikal verändert haben. <BR /><BR />Quer durch die Generationen, wie der Stv. Kommissar Ivo Plotegher, Leiter der Polizeidienststelle für Post- und Kommunikationswesen, bestätigt: „Der Prozess der Annäherung zwischen Kindern und dem Internet wurde enorm beschleunigt.“ <BR /><BR />Und das nicht ohne Folgen bzw. Gefahren, vor denen auch unlängst zum „Tag gegen Pädophilie und Kinderpornografie“ gewarnt wurde. „Wir beobachten“, so Plotegher, „auf staatlicher Ebene eine Zunahme von pädopornografischen Fällen. Jetzt – mit Ende des Schuljahres – steigt die Zeitdauer, die online verbracht wird. Damit nehmen auch die Risiken zu, dass Minderjährige in bedenkliche Situationen geraten. Denn die Täter wissen um die enge Beziehung zwischen ihren Opfern und deren digitalen Geräten.“<BR /><BR />Eine Tatsache, an die übrigens auch Dr. Silvia Mulargia, Psychologin der Staatspolizei bzw. Quästur Bozen, erinnert. Sie kommt dabei zum grundlegenden Schluss: „Es ist notwendig, einen ständigen und offenen Dialog mit seinen Kindern zu führen, um ihre Welt mit ihnen zu teilen und ein aktiver Teil davon zu werden.“ <BR /><BR /><b>Daher eine grundlegende Frage: Ab welchem Alter ist es für Kinder sinnvoll, ein Smartphone zu besitzen?</b><BR /><b>Dr. Silvia Mulargia:</b> Aus Expertensicht ist die Antwort darauf eindeutig: Nicht vor dem Alter von elf/zwölf Jahren – und immer unter elterlicher Aufsicht.<BR /><BR /><b>Und wie können Eltern verhindern, dass ihre Kinder via Handy & Co in gefährliche Situationen geraten?</b><BR /> Mulargia: Technologie sollte nicht verteufelt werden; aber es ist wichtig, Regeln aufzustellen. Schließlich gilt es, die eigenen Zöglinge so zu erziehen, dass sie digitale Mittel und Möglichkeiten angemessen nutzen. Nur so kann die Wahrscheinlichkeit verringert werden, dass Kinder und Jugendliche – auch teils unbewusst – Straftaten erleiden oder begehen. Wir reden hier etwa von Cybermobbing, Sexting, Revenge Porn oder pädophilen Handlungen. Denn: Kinder müssen erst verstehen lernen, dass sich Menschen aus unlauteren Gründen hinter unehrlichen Profilen verstecken können.<BR /><BR /><b>Und was raten Sie hier, um Kindern und Jugendlichen wieder mehr onlinefreie Zeit zu verschaffen?</b><BR />Mulargia: Tatsache ist: Die Corona-Pandemie hat tiefgreifende und destabilisierende Veränderungen in den täglichen Gewohnheiten der Menschen aller Altersklassen verursacht. Manche verbringen oft viele Stunden mit Chatten, Gaming, Streaming & Co. Das sind fast schon „technologische Fressgelage“. Aber Kinder und Jugendliche brau-chen ganz besonders Erfahrungen, die alle Sinne fordern. Und das geht nur über die Bewegung in der freien Natur. Das heißt: Grünes Licht für Spielen, Radfahren, Schwimmen … Auch weil das die zwischenmenschlichen Beziehungen im realen Leben fördert – was während der Pandemie ja so drastisch unterbrochen wurde.<BR /><BR /><embed id="dtext86-54890066_quote" /><BR /><BR /><b>Bei welchen Verhaltensweisen sollten denn die Alarmglocken schrillen, dass ein Kind z.B. schlimmstenfalls Kontakt zu Pädophilen hat?</b><BR />Mulargia: Vor allem sollte Ruhe bewahrt werden, das Unbehagen eines Kindes kann verschiedene Ursachen haben. Einige Verhaltensweisen sind nicht immer Situationen von Missbrauch oder sexueller Belästigung zuzuschreiben; Auslöser können auch die Pubertät, Trennungen bzw. familiäre Veränderungen oder Konflikte sein. Plötzliche Veränderungen wie Schlafstörungen, Nervosität, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite, Leistungsabfall in der Schule, Isolation und Kommunikationsverlust sollten aber aufhorchen lassen.<BR /><BR /><b>Eine neue Masche ist in diesem Zusammenhang genannt – das „Grooming“. Worum geht es dabei?</b><BR />Mulargia: Das ist eine Form der Online-Verführung durch subtile psychologische Manipulationen, um Jungen und Mädchen dazu zu verleiten, ihre emotionalen Widerstände zu überwinden und eine intime Beziehung mit dem Täter aufzubauen. Das kann sogar sexualisiert passieren – meist über Chats in Instant-Messaging-Apps, sozialen Netzwerke oder auch bei Online-Videospielen.<BR /><BR /><b>Was ist dann zu tun?</b><BR />Mulargia: Wie gesagt: Schlagartig veränderte Verhaltensmuster können ein Anzeichen sein. Auch wenn ein Kind bewusst zum Kommunizieren weggeht. Und wenn es Angst hat oder sich weigert, die Eltern auf den Bildschirm blicken zu lassen, ist ein Eingreifen gefragt.<BR /><BR /><b>Und im Vorfeld?</b><BR />Mulargia: Schon mit einer aktivierten Kindersicherung („Parental Control“) lässt sich verhindern, dass Minderjährige unangemessenen Inhalten ausgesetzt werden. Zudem sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob diese Kindersicherung auch funktioniert. Nicht zuletzt aber ist der beste Schutz, die Kinder zu einem gesunden Online-Verhalten zu erziehen. Und zwar im Sinne von gegenseitigem Respekt und kritischem Denken.<BR />