Mediziner warnen eindringlich, denn Masern sind sehr ansteckend: Ein einziger Erkrankter steckt statistisch bis zu 17 weitere Menschen an. Es drohen schwere gesundheitliche Folgen. Die Italienische Gesellschaft für Pädiatrie (SIP) unterstützt daher den Appell des Ministeriums, Nachholimpfungen zu forcieren und unvollständige Impfzyklen zu schließen. Ein besonderes Augenmerk gilt ungeimpften jungen Erwachsenen.<h3> Dramatischer Anstieg in den Regionen</h3>In Italien liegt die Impfquote bei der ersten Dosis unter der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geforderten Schwelle von 95 Prozent. Die zweite Dosis betrachten viele offenbar als optional. Dadurch stagniert die gesamtstaatliche Durchimpfungsrate bei 84,45 Prozent.<BR /><BR />Keine Region erreicht den Impf-Zielwert von 95 Prozent, obwohl der Impfkalender diese zweite Dosis im Alter von fünf bis sechs Jahren vorsieht. Dieses Defizit schlägt sich direkt in den Infektionszahlen der ersten fünf Monate des Jahres 2026 nieder. <BR /><BR /><u>Kalabrien:</u> Hier schnellten die Meldungen von 17 Fällen (2025) auf 265 Fälle (2026) nach oben.<BR /><u>Kampanien:</u> Die Zahl stieg von 18 auf 100 Fälle.<BR /><u>Toskana:</u> Die Behörden registrierten 49 Fälle, nachdem es im Vorjahreszeitraum lediglich 6 waren.<BR /><u>Latium:</u> Die Infektionen kletterten von 47 auf 54 Fälle.<BR /><BR />Auf europäischer Ebene bildet Italien das Schlusslicht. Daten des ECDC zeigen, dass Italien das EU-Land mit den meisten Maserninfektionen ist: Von den europaweit insgesamt 2.472 registrierten Fällen zwischen dem 1. Juli 2025 und dem 30. Juni 2026 entfielen allein 630 auf Italien.<h3> Die zweite Dosis sichert den Erfolg</h3>Experten betonen, dass wegen der extremen Ansteckungsgefahr eine bloß „hohe“ Impfquote nicht ausreicht. Es gilt, in jeder einzelnen Geburtskohorte eine Quote von mindestens 95 Prozent mit zwei Dosen stabil zu halten.<BR /><BR />Das Problem betrifft nicht nur Kinder. Laut Ministerium sind Jugendliche und Erwachsene einem großen Risiko ausgesetzt. Die Altersgruppe der 15- bis 39-Jährigen verzeichnet die meisten Fälle. Von den Erkrankten mit bekanntem Impfstatus sind 94,7 Prozent komplett ungeimpft.<BR /><BR />Diese Zirkulation des Virus gefährdet vor allem die Schwächsten: Kleinkinder unter vier Jahren. Obwohl junge Erwachsene absolut gesehen häufiger erkranken, verzeichnen die 0- bis 4-Jährigen im Jahr 2026 mit 49,4 Fällen pro Million Einwohner die höchste Inzidenz – ein Wert, der mehr als doppelt so hoch liegt wie jener der 15- bis 39-Jährigen.<BR /><BR />Kinder unter einem Jahr haben das im Impfkalender vorgesehene Alter für die erste Dosis noch nicht erreicht, und in den unmittelbar folgenden Jahren haben sie den Impfzyklus mit der zweiten Dosis noch nicht abgeschlossen. Sie sind daher besonders gefährdet, wenn das Virus wieder zirkuliert. Hier kommt der Impfung auch eine kollektive Schutzfunktion zu, so Experten.