Mittwoch, 11. November 2015

Kinderarmut gibt es auch in Südtirol

„Not ist näher als Du denkst – auch bei Kindern“: Das ist die Botschaft des heurigen Caritas-Sonntages am 15. November. „Armut bei Kindern ist auf den ersten Blick meist nicht sichtbar. Sie macht Kinder aber krank, grenzt sie aus und verbaut ihnen die Zukunft“, zeigt sich Caritas-Direktor Franz Kripp überzeugt. Das habe negative Folgen für die ganze Gesellschaft. Mehr als 18.000 Kinder gelten in Südtirol als armutsgefährdet.

Gegen Kinderarmut (von  links): Renata Plattner, Franz Kripp, Francesca Boccotti, Petra Priller und Klaus Metz von der Caritas appellieren an die Spendenbereitschaft der Südtiroler zum Caritas-Sonntag. (Foto: DLife)
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Gegen Kinderarmut (von links): Renata Plattner, Franz Kripp, Francesca Boccotti, Petra Priller und Klaus Metz von der Caritas appellieren an die Spendenbereitschaft der Südtiroler zum Caritas-Sonntag. (Foto: DLife)

Die Armut von Kindern hat viele Gesichter. Finanzielle Not der Eltern ist häufig ein Auslöser dafür. „Die Ursachen dafür sind vielfältig: Die Eltern sind entweder schon seit längerem arbeitslos, alleinerziehend oder besonders kinderreich. Auch familiäre Konflikte, Vernachlässigung oder Schicksalsschläge wie plötzliche Krankheit oder Todesfälle können Familien ins Schleudern bringen. Eltern versuchen ihren Kindern zwar weiterhin möglichst viel zukommen zu lassen und stecken eher bei sich selbst zurück, dennoch hat ihre finanzielle Not Auswirkungen auf die Lebensumstände und das Wohlbefinden ihrer Kinder“, zeigte sich Kripp bei einer Pressekonferenz am Dienstag überzeugt.

Die öffentliche Hand in Südtirol bietet zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für Familien und Kinder, dennoch ist das Phänomen weiter verbreitet, als man meinen möchte: Laut Astat gelten mehr als 18.000 Kinder unter 15 Jahren als armutsgefährdet, das heißt, sie leben in einem Haushalt mit einem sehr geringen Einkommen.

Laut neuesten Studien aus Deutschland und den USA haben Kinder, die in Armut aufwachsen, bereits von Anfang an schlechtere Startbedingungen als ihre Altersgenossen. Sie weisen bei Schulbeginn häufig einen Entwicklungsrückstand auf, können sich schlechter konzentrieren und brechen ihre Ausbildung häufiger ab.

Armut hat aber nicht nur Auswirkungen auf die Bildungschancen, sondern auch auf die Gesundheit der Kinder. Sie sind häufiger krank und leiden unter Nervosität und Schlafstörungen. Außerdem weisen sie generell eine schlechtere Körperkoordination auf und neigen zu Übergewicht, weil den Familien z.B. das Geld für das Sportangebot von Vereinen fehlt. „Auch leiden sie unter psychischem Druck, Zukunftsängsten und permanenter Unsicherheit,“, zitiert Kripp die Erfahrungen, welche in den verschiedenen Caritas-Dienststellen gemacht werden.

„Arme Kinder ziehen sich häufig von den anderen zurück, weil sie mit ihnen nicht mithalten können oder weil sie sich schämen. Das wiederum führt zu Einsamkeit und sozialer Isolation“, sagt Kripp. Und was besonders schwer wiegt: „Arme Kinder merken, dass sie anders sind als ihre Mitschüler. Die meisten reagieren darauf mit Rückzug oder Verhaltensauffälligkeiten.“

Mit den vielschichtigen Problemen von Kindern und Jugendlichen aus minderbemittelten Familien sind auch die verschiedenen Pfarrcaritas-Gruppen immer wieder konfrontiert. „Die Kinder leiden, weil sie ihre Eltern leiden sehen. Häufig sind aber auch andere soziale Schwierigkeiten, Erziehungs- und familiäre Konflikte mit im Spiel. Und es zeigt sich immer wieder, dass Armut von Generation zu Generation weitervererbt wird“, berichtet Francesca Boccotti aus den Erfahrungen in den Pfarreien. „Für die Betroffenen ist es schwierig, aus eigener Kraft aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Diözesancaritas und Pfarrcaritas-Gruppen versuchten, die ärgsten Notlagen zu lindern. Manche Pfarreien bieten beispielsweise Nachschulbetreuung, Hausaufgabenhilfe und/oder finanzielle Hilfen an.“

Die verschiedenen Angebote und Dienstleistungen der Caritas für Menschen in Not in Südtirol sind vielfach nur dank Unterstützung vonseiten der Bevölkerung möglich. Caritas-Direktor Franz Kripp bedankt sich dafür herzlich und ruft anlässlich des Caritas-Sonntages dazu auf, die Arbeit der Caritas weiterhin über Spenden zu unterstützen. Dies kann über die Kirchensammlung am Caritas-Sonntag während des Gottesdienstes geschehen oder über eine Banküberweisung unter dem Kennwort „Caritas“. „Wir sagen Ihnen dafür schon im Voraus Danke!“, schließt Kripp.

stol

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