Montag, 16. Oktober 2017

Kinderpornoring: Dossier über Mordopfer auf PC entdeckt

Im Rahmen der Ermittlungen der Postpolizei im Trentino und Südtirol in Bezug auf ein Pädophilen-Netzwerk, dessen Drahtzieher ein Südtiroler ist, haben die Beamten nun Daten über das 13-jährige Mordopfer Yara Gambirasio gefunden, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Montag. Das Mädchen ist 2011 ermordet aufgefunden worden.

Auf einem Rechner eines Pädophilen ist ein Dossier über das Mordopfer Yara Gambirasio aufgetaucht.
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Auf einem Rechner eines Pädophilen ist ein Dossier über das Mordopfer Yara Gambirasio aufgetaucht.

Die Ermittlungen zu dem Kinderporno-Ring laufen auf Hochtouren. (STOL hat berichtet)

Letzten Freitag wurden in Trient bei einer Pressekonferenz Details über die Ermittlungen bekannt gegeben: Ein 38-jährige Pusterer soll im Netz unter verschiedenen Identitäten aufgetreten sein. Auf seinem Rechner wurde eine enorme Menge an pädo-pornographischem Material, insgesamt 4 Terabyte, sichergestellt.

Im Zuge der Operation „Black Shadow“ wurden 47 Hausdurchsuchungen durchgeführt und insgesamt 10 Personen verhaftet.

Der 53-jährige Mann, bei dem im Rahmen der Ermittlungen ein 40 Seiten umfassendes Dossier über die ermordete Yara Gambirasio gefunden wurde, stammt aus Rimini. Auf seinem Rechner fanden die Beamten außerdem eine Vielzahl an blasphemischen Gebeten und Gedichte.

Mordfall Yara

Die 13-jährige Yara aus Brembate di Sopra in der Porvinz Bergamo war am 26. November 2010 nach einer Tanzstunde spurlos verschwunden. Erst Monate später fand man ihre Leiche in einem Feld in Chignolo d’Isola in der Provinz Bergamo. 

Die Untersuchungen der Gerichtsmediziner an Yaras Leiche hatten damals ergeben, dass das Mädchen mehrfach mit einem Messer am Rücken und am Hals verletzt worden war. Die Forensiker fanden zahlreiche Abwehrspuren an den Armen und am Handgelenk. Yara hatte sich offenbar heftig gegen ihren Angreifer gewehrt. Schließlich hatte die Kälte zum Tod des Mädchens geführt, da die Stichwunden nicht tief genug gewesen waren, um tödlich zu sein.

Die Experten stellten fest, dass es sich nicht um ein Sexualdelikt gehandelt habe. Das Mädchen hatte noch alle Kleider an. An den Kleidern und am Hals des Opfers fanden die Ermittler Zementstaub. Am Slip des Kindes war außerdem eine DNA-Spur entdeckt worden.

DNA-Abgleich bei 18.000 Personen

Daraufhin führte die Polizei einen DNA-Abgleich bei rund 18.000 Menschen aus der Region durch. Das einzige konkrete Ergebnis war eine teilweise Übereinstimmung bei Giuseppe Guerinoni, einem Busfahrer, der aber im Jahr 2009 – ein Jahr vor der Tat – im Alter von 61 Jahren verstorben war. Die Ermittler suchten weiter.

Bald fanden sie heraus: Busfahrer Guerinoni hatte Ende der 1960er-Jahre eine Affäre mit einer Frau, die ein Kind von ihm bekam.

Daraus entwickelte sich die Hypothese, dass es sich bei dem Täter möglicherweise um einen unehelichen Sohn von Guerinoni handeln könnte. Im Juni 2014 klickten für Massimo Bossetti die Handschellen. Seine DNS stimmte mit jenem des bislang unbekannten Täters überein. (STOL hat berichtet)

Die Verteidigung Bossettis dürfte diese neue Spur brennend interessieren.

stol

stol