Bei der „Operation Icarus“, unter Leitung dänischer Spezialisten und mit Unterstützung der europäischen Polizeibehörde Europol zu Beginn des Jahres initiiert, wurden in 22 Ländern 112 Verdächtige festgenommen. 269 Verdächtige wurden ausgeforscht.Europol informierte am Freitag in Den Haag bei einer Pressekonferenz über den Stand der Ermittlungen. Dabei kamen erschütternde Details zutage. Es handle sich um extremste Formen von Videomaterial, auf dem unter anderem die Vergewaltigung und der Missbrauch von Babys und Kleinkindern zu sehen gewesen sei, hieß es bei der Pressekonferenz.19 Verdächtige in Österreich - zwei in TirolIn Österreich wurden 19 Verdächtige ausgeforscht. Bei einem von ihnen stellten die Ermittler 3.400 Datenträger – CDs, Festplatten etc. – sicher. Acht Verdächtige wurden in Wien überführt, je drei in Niederösterreich und der Steiermark. Je zwei entdeckten die Kriminalisten in Tirol und dem Burgenland sowie einen in Kärnten.Datenmaterial bei Schweizer Verdächtigem sichergestelltDie „Operation Icarus“ ist laut Europol nicht abgeschlossen. Weitere Festnahmen seien zu erwarten. Die Ermittler wollen vor allem an die Produzenten des Materials kommen sowie weitere Verdächtige und vor allem Opfer identifizieren.Die Aktion habe bisher unbekannte Netzwerke von Kindesmissbrauchs-Verdächtigen aufgedeckt. Zahlreiches bei Hausdurchsuchungen sichergestelltes Material müsse noch forensisch untersucht werden. Europol-Direktor Rob Wainwright berichtete von einem Schweizer Verdächtigen, bei dem rund 120 Terabyte Datenmaterial sichergestellt wurden. Darauf würden 36.000 Stunden High-Quality-Videos passen. Man schätze, dass die Ermittler etwa ein halbes Jahr zur Sichtung des Materials benötigen würden, so der Europol-Chef.9.000 Stunden Videomaterial in DänemarkEin dänischer Verdächtiger hatte etwa 29 Terabyte Datenmaterial, das untersucht werden müsse. „Das könnte etwa 9.000 Stunden Videomaterial bester Qualität beinhalten“, sagte Jens Henrik Hoejbjerg, Nationalkommissar der dänischen Polizei.Unter den Festgenommenen befand sich ein 60-jähriger Verdächtiger aus Frankreich, der bereits Kontakt mit einem Kind, einem zwölfjährigen Mädchen, aufgenommen hatte, schilderte Wainwright. Die Festnahme erfolgte, bevor er sein Opfer treffen konnte.Peer-To-Peer-Filesharing-DateienDas Netzwerk funktionierte über sogenannte Peer-To-Peer-Filesharing-Dateien. Das Material wurde von einigen der Tätern hochgeladen, die pädophilen Konsumenten konnten sich die Videos mit bestimmten Schlüsseln besorgen und auf den Computer herunterziehen. Laut Europol sind die Ermittler nun dabei auszusortieren, was an Material neu und was bereits seit längerem bekannt ist. Dafür steht ihnen eine neu entwickelte Software zur Verfügung.Europol und Interpol untersucht die Fälle„Die Operation zeigt, wie das Internet den Tätern hilft, bessere Techniken zum Austausch von Datenmaterial weltweit und zum Schutz ihrer Identität zu entwickeln“, sagte Wainwright. Die „Operation Icarus“ war die erste, die unter der Schirmherrschaft des neuen Aktionsplans des COSPOL-Projekts zu Internet-basiertem Kindesmissbrauch-Material stand. Das Projekt nennt sich CIRCAMP, daran sind neben Europol und Interpol bisher Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Malta, die Niederlande, Norwegen, Spanien und Schweden beteiligt.