<BR />Es ist kein neues Phänomen: Jahr für Jahr geht die Anzahl der Geburten zurück. Italien gehört dabei zu den Ländern mit den niedrigsten Geburtsraten in ganz Europa. Im Jahr 2022 lag die Fertilitätsrate bei durchschnittlich <b>1,24 Kindern pro Frau</b>, was deutlich unter dem für eine stabile Bestandserhaltung der Bevölkerung notwendigen Wert 2,1 liegt.<h3> Südtirol im Italienvergleich</h3>Im italienweiten Vergleich sticht Südtirol dabei dennoch positiv hervor: Die Gesamtfruchtbarkeitsziffer lag 2023 bei <b>1,56 Kindern pro Frau</b>. Mit ein Grund dafür ist der höhere Anteil der ausländischen Bevölkerung, die im Schnitt mehr Kinder bekommt: <b>2,5 Kinder pro Frau</b> im Jahr 2022.<BR /><BR />Südtirol weist außerdem den höchsten Anteil an <b>außerehelichen Geburten</b> in Italien auf. Im Jahr 2019 wurden 49 Prozent der Kinder von unverheirateten Paaren geboren, während es im gesamtstaatlichen Vergleich nur 33 Prozent waren.<h3> 60,4 Prozent der Haushalte kinderlos</h3>Dennoch sinken auch hierzulande die Kinderzahlen: 1990 gab es noch in <b>57,7 Prozent aller Haushalte in Südtirol Kinder</b>, nur 42,4 Prozent waren kinderlos.<BR /><BR />2023 sieht diese Zahl ganz anders aus: <b>60,4 Prozent der Haushalte in Südtirol sind kinderlos</b>, lediglich 39,6 % leben mit einem oder mehreren Kindern zusammen. Dabei zählt Südtirol heute insgesamt knapp 35,5 % mehr Haushalte und somit Einwohner, als damals. <BR /><BR /> <video-jw video-id="7Ui9tD5Y"></video-jw> <h3> Gründe für den Geburtenrückgang in Südtirol</h3>Die Gründe für einen derartigen Wandel sind vielfältig. Sie sind ein Mix aus demographischen und gesellschaftlichen Veränderungen, sozialen Rahmenbedingungen aber auch aus persönlichen Gründen und Ängsten – die, so sagen Experten – oft zu wenig Beachtung erhalten. <BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1125756_image" /></div> <BR /><BR /><b>Spätere Mutterschaft, sinkende Gesamtfruchtbarkeit<BR /></b>Die Zahl der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren nimmt aufgrund der demographischen Struktur ab. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter von Müttern Jahr für Jahr an. Frauen verschieben die Familiengründung, was sich negativ auf die Gesamtfruchtbarkeitsziffer auswirkt. <BR /><BR /><b>Soziokulturelle Rahmenbedingungen</b><BR />Frauen haben heute oft mehr Respekt vor der Verantwortung, die mit der Familiengründung einhergeht, insbesondere im Falle einer Trennung und der Herausforderung als alleinstehendes Elternteil. Auch Stress und gesellschaftlicher Druck spielen eine Rolle.<BR /><BR /><b>Wirtschaftliche Rahmenbedingungen</b><BR />Hohe Lebenshaltungskosten und unsichere Arbeitsverhältnisse tragen ebenfalls dazu bei, dass junge Menschen zögern, Kinder zu bekommen. Zudem kommt der späte Einstieg ins Arbeitsleben, der eine Verschiebung in der Familienplanung bedingt. Viele Frauen sind sich der Herausforderung bewusst(er), die mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie einhergeht. <h3>Alterung der Bevölkerung</h3>Die sinkende Geburtenrate führt auch dazu, dass immer weniger junge Menschen geboren werden, während ältere Generationen zahlenmäßig zunehmen. Dadurch verschiebt sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1125759_image" /></div> <BR /><BR /><b>Einfluss der steigenden Lebenserwartung</b><BR /> Die Lebenserwartung in Südtirol ist zwischen 1974 und 2022 von 72 Jahren auf 83,4 Jahre gestiegen. Dieser Fortschritt in der medizinischen Versorgung und Lebensqualität verstärkt die Alterung der Bevölkerung. Da die älteren Menschen länger leben, während weniger Kinder geboren werden, wächst der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung weiter.<BR /><BR /><b>Doppelte Belastung für das demographische Gleichgewicht</b><BR />Der Geburtenrückgang und die steigende Lebenserwartung führen gemeinsam zu einem schrumpfenden Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung (15–64 Jahre). Das stellt eine Herausforderung für das soziale und wirtschaftliche System dar, da weniger Erwerbstätige die wachsenden Kosten für Renten und Gesundheitsversorgung der älteren Generation tragen müssen.<BR /><h3> Prognosen für die Zukunft</h3>Der Geburtenrückgang wird voraussichtlich weitergehen. Die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter nimmt weiter ab und auch der Effekt der jungen, ausländischen Bevölkerung, die den Rückgang teilweise kompensierte, verliert an Kraft. Zudem beeinflussen wirtschaftliche Unsicherheiten und die steigenden Lebenshaltungskosten die Familienplanung.<BR /><BR />Ein positiver Aspekt bleibt die Zuwanderung, die Südtirol als Zuzugsregion stärkt. Im Jahr 2022 verzeichnete Südtirol einen Wanderungsgewinn von 1.699 Personen, der die demographische Entwicklung stabilisiert.<BR /><BR />Südtirols demographischer Wandel ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen. Obwohl die Region im Vergleich zu Italien eine bessere Geburtenbilanz aufweist, stellt der Rückgang eine Herausforderung dar. Die Zukunft wird davon abhängen, wie erfolgreich Südtirol familienfreundliche Rahmenbedingungen schafft und die Zuwanderung als Chance nutzt.