Der Präsident der italienischen Bischofskonferenz CEI, Kardinal Angelo Bagnasco, appellierte an die Ärzte, die Abtreibungspille zu boykottieren und sie nicht zu verschreiben. Die Einführung der Abtreibungspille sei ein „Riss in unserer Zivilisation“, sagte Bagnasco. Die Ärzte hätten das Recht, aus Gewissensgründen die Abtreibungspille nicht zu verschreiben.Die Gesundheitsbehörde hatte nach einem Treffen am Donnerstag beschlossen, dass das Medikament nicht in Drogerien verkauft werden dürfe, sondern von Ärzten in einem Krankenhaus verabreicht werden müsse. Die Pille darf außerdem nur bis zur siebenten Schwangerschaftswoche eingenommen werden. Die Abtreibungspille, die in vielen Ländern unter dem Handelsnamen „Mifegyne“ im Handel ist, wurde vor fast zwei Jahrzehnten erstmals in Frankreich eingeführt.Die umstrittene Pille war 2006 erstmals in einer Klinik in Turin im Rahmen einer Versuchsreihe bei Abtreibungen eingesetzt worden. Die französische Herstellerfirma Exelgyn hatte die Registrierung des Präparats in Italien beantragt. Gegen die freie Zulassung des Präparats hatten die italienische Bischofskonferenz und katholische Politiker heftig protestiert und auf die Gefahren von RU 486 verwiesen. Neben Irland und Portugal war Italien seit 2000 das einzige westeuropäische Land, in dem die Abtreibungspille noch nicht zugelassen war.Die Abtreibungspille besteht aus zwei Präparaten, die in einem Abstand von 48 Stunden geschluckt werden müssen, so dass der gesamte Abtreibungsvorgang mehrere Tage in Anspruch nimmt. Zunächst wird die Versorgung des Embryo gestoppt, dann löst sich die Gebärmutterschleimhaut ab und wird wie bei einer Regelblutung gemeinsam mit dem Fötus abgestoßen. Zusätzlich wird eine geringe Dosis des Hormons Prostaglandin verabreicht, das Kontraktionen der Gebärmutter - ähnlich wie bei Geburtswehen - auslöst, um die Abstoßung zu beschleunigen.apa