Ein neuer Feind fliegt auf Südtirols Wein-, Obst- und Beerenanbaugebiete zu, und zwar im Rekordtempo. Im Vorjahr tauchten erste Exemplare der aus Japan nach Europa eingeschleppten Kirschessigfliege im Land auf. Wie gefährlich die gefräßigen Gäste tatsächlich sind, zeigen sie erstmals in diesem Jahr. „In den letzten Tagen gab es eine explosionsartige Vermehrung, wir haben Probleme vor allem bei den Vernatsch-Trauben“, bestätigt Michael Oberhuber, Direktor des Versuchszentrums in der Laimburg, das gemeinsam mit Beratungsring für Obst- und Weinbau und der Bergbauernberatung besorgt auf die Anlagen blickt. Im Unterland und im Burggrafenamt müssen vorsorglich Vernatschtrauben geerntet werden, um sie vor der fressenden Fliege zu retten. Beruhigen kann Oberhuber vorerst nur die Apfelbauern, bisher gab es keinen Befall. Wahrscheinlich könne der Schädling die relativ dicke Schale nicht durchbeißen.Schlimmer trifft es die Anbauer von Kirschen und Beeren. „Etwa eine Drittel der Kirschernte in höheren Langen ist in diesem Jahr ausgefallen“, schätzt Michael Gamper vom Beratungsring für Obst- und Weinbau. Wie schlimm es werden kann, zeigt ein Blick ins Trentino: Dort vernichtete die Fliege im Vorjahr 90 Prozent der Süßkirschen. Auf dem Speiseplan des Insekts stehen auch Erdbeeren. Die Schäden im Anbaugebiet Martell will Peter Gamper von der Erzeugergenossenschaft nicht beziffern, aber er fürchtet: „Das schaukelt sich wohl von Jahr zu Jahr auf.“ Denn gegen die fliegende Plage ist derzeit keine Klatsche gefunden, wie Roland Zelger von der Abteilung Pflanzenschutz der Laimburg warnt: Weder chemische noch biologische Bekämpfungsmittel wären verfügbar. ler/D