Es war in den 1970er-Jahren, als die damals um die 20 Jahre alte Erika Tabernar in Latzfons ein frisch vermähltes Brautpaar fotografieren wollte. Der Beruf der Fotografin galt zu jener Zeit noch als reine Männerdomäne – und genau das bekam die junge Frau deutlich zu spüren: „Damals wartete ich vor der Kirche auf das Brautpaar, als ein Mann auf mich zukam und fragte, was ich denn da wolle“, erinnert sich Erika Tabernar. „Als ich antwortete, dass ich Fotografin sei, sagte er nur: ,A Weibermensch, das wird was werden!'“. Für die junge Fotografin sei das kein Rückschlag gewesen, sondern vielmehr ein Ansporn, ihr Handwerk besonders gut auszuüben.<BR /><BR />Heute sitzt Erika Tabernar mit ihrer Tochter Verena, die ebenfalls Fotografin ist, in einem Café in Klausen und blickt auf die über 50-jährige Geschichte des Geschäfts „Foto Tabernar“ in der Klausner Unterstadt zurück. Ende April schloss das Foto- und Geschenkartikelgeschäft endgültig seine Türen. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Erika Tabernar.<BR /><BR />1975 begann sie im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Bereits zehn Jahre zuvor, 1965, hatte ihr Vater Reinhold das Geschäft übernommen. Zuvor war dort das Geschäft „Foto Forstner“ untergebracht gewesen. Reinhold Tabernar, der mit seiner Frau Gerti bereits ein Fotogeschäft in Brixen führte, war gelernter Fotograf. „Er war damals mit seiner Kleinbildkamera auf Bällen und Hochzeiten unterwegs und fotografierte die ersten Skifahrer auf den Pisten in Corvara“, erinnert sich Tochter Erika. Es waren andere Zeiten. <h3> Minutenlanges Stillstehen für ein schönes Foto</h3>Ein Foto sei damals noch etwas Besonderes gewesen. „Die Menschen standen wegen der langen Belichtungszeiten oft minutenlang Modell, waren geschniegelt und herausgeputzt und warteten gespannt auf das Ergebnis.“ In Zeiten von Smartphones und digitaler Fotografie sei das heute kaum mehr vorstellbar, ergänzt Tochter Verena.<BR /><BR />1991 übernahm Erika das väterliche Geschäft. Ihr Handwerk hatte sie an der Berufsschule in Bozen gelernt, die Meisterprüfung legte sie 1985 in Innsbruck ab. In den Folgejahren gab es sowohl im Studio als auch im Verkauf viel Arbeit. In den 1990ern beschäftigte Tabernar zwei Mitarbeiterinnen. Auch Tochter Verena, Jahrgang 1983, trat in die Fußstapfen ihrer Mutter. Sie absolvierte ihre Ausbildung an der Berufsschule für Fotografie in Hall in Tirol und begann 1998 ihre Lehre. „Schon als Kind habe ich mit alten Fotografien Fotoalben geklebt“, erinnert sie sich.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314333_image" /></div> <BR />Was macht ein gutes Foto aus? „Es gilt, den richtigen Moment einzufangen. Außerdem müssen Bildqualität, Bildkomposition und Lichtverhältnisse stimmen“, sagen die beiden Fotografinnen Erika Tabernar und Tochter Verena.<h3> Digitale Fotografie bringt „Todesstoß“</h3>In den vergangenen fünf Jahrzehnten habe die Fotografie einen tiefgreifenden Wandel erlebt – vom Schwarz-Weiß-Foto über die Farbfotografie bis hin zur digitalen Aufnahme mit dem Smartphone. „Wir haben immer versucht, mit der Entwicklung Schritt zu halten“, erzählt Erika Tabernar. So wurde 1998 etwa die analoge Entwicklungsmaschine „Durst Visolab“ angeschafft, wenige Jahre später folgte die erste von drei digitalen Entwicklungsmaschinen. Wartete man in den 1950er Jahren noch Tage auf ein fertiges Foto, geht es heute binnen weniger Minuten. <BR /><BR />Doch der Siegeszug des Smartphones und der digitalen Fotografie habe kleinen Fotogeschäften zunehmend zugesetzt. „Die Kunden drucken heute nur noch einzelne Bilder aus, und Fotobücher haben die klassischen Fotoalben weitgehend ersetzt“, sagt Erika Tabernar. Für ein Fotogeschäft in einer Kleinstadt wie Klausen sei das letztlich der Todesstoß gewesen. Das Geschäft in Brixen schloss die Familie vor drei Jahren, nach dem Tod der Mutter. <BR /><BR />Der Entschluss, ihr Geschäft zu verkaufen, sei letztlich kein einfacher gewesen, sondern auch ein Stück weit ein „schmerzhafter Prozess“, sagt Erika Tabernar. Gereift sei die Entscheidung jedoch in den vergangenen sechs Monaten. „Ich habe das Geschäft in Klausen schließlich selbst aufgebaut und über die Jahre viel Zeit und Geld investiert“, so Tabernar.<BR /><BR />Tochter Verena wird weiterhin als Fotografin arbeiten. Im Verkauf von Fotoartikeln sehe man keine Zukunft mehr. Erika Tabernar blickt dennoch mit Dankbarkeit zurück: „Ich war immer gerne unter Leuten und habe meine Arbeit einfach gemocht.“ In den Räumen in der Klausner Unterstadt 22 soll wieder ein Geschäftslokal einstehen.