Freitag, 27. Mai 2016

Kleine Kinder elternlos auf Lampedusa

Im Zuge der Flüchtlingskrise erreichen immer öfter Kleinkinder ohne Eltern das italienische Festland. Nachdem am Mittwoch die erst neun Monate alte Favour alleine auf Lampedusa gelandet war, kam am Donnerstag ein fünfjähriger Bub ebenfalls unbegleitet auf der Insel an.

Foto: © APA/AFP

Favours schwangere Mutter war bei der Überfahrt aus Nordafrika wegen eines defekten Motors an starken Verbrennungen gestorben. Die Angehörigen des Buben seien hingegen vermutlich bei der jüngsten Flüchtlingstragödie vor der libyschen Küste ertrunken, berichtete die Zeitung „La Stampa“ am Freitag. Dabei waren nach Angaben eines Sprechers der EU-Mission EUNAVFOR MED am Donnerstag mindestens 20 Flüchtlinge ums Leben gekommen sind.

Derweil ist landesweit eine wahre Welle der Solidarität angerollt – zahlreiche Familien möchten die kleine Favour adoptieren. Das Baby stammte entgegen erster Berichte nicht aus Mali, sondern aus Nigeria, wo die islamistische Terrorgruppe Boko Haram seit Jahren Angst und Schrecken verbreitet.

Mehr als 1000 Menschen aus allen Teilen Italiens hätten ihre Bereitschaft erklärt, das Mädchen bei sich aufzunehmen, hieß es. Ein Gericht in Palermo soll nun entscheiden.

Auch der Arzt der Insel, Pietro Bartolo, ist bereit, das Mädchen in Pflege zu nehmen und hat einen entsprechenden Antrag gestellt. „Ich weiß, dass meine Frau und ich ein gewisses Alter haben, aber ich wäre sehr glücklich, wenn ich sie aufnehmen dürfte“, sagte der 60-Jährige.

apa/dpa

stol