Die Ereignisse der aufwühlenden Tage und Wochen, die hinter den Eltern mit ihrem drei Monate alten Kind liegen, wirken noch deutlich nach. <BR /><BR />„Unser Kleiner war schon eine Woche lang verkühlt und wurde von einem zähen Husten geplagt. In der Nacht von Sonntag auf Montag vor einer Woche wurde der Husten schlimmer. Er hatte einen sehr schweren Anfall, weshalb wir beschlossen, in die Erste Hilfe nach Meran zu fahren“, erzählt Maria aus Tisens, deren Nachname aus Privacy-Gründen nicht geschrieben wird. <BR /><BR /><BR />Die Ereignisse der aufwühlenden Tage und Wochen, die hinter der Familie mit ihrem drei Monate alten Kind liegen, wirken noch deutlich nach. Maria hält kurz inne, erzählt dann aber ruhig und überlegt weiter: „Unser Kind wurde dort gleich von den Ärzten untersucht – ein Verdacht kam auf: Es könnte sich um eine Infektion mit dem RS-Virus handeln.“ In Teilen Deutschlands und Österreichs hat sich dieses Respiratorische Synzytial-Virus seit Ende der Sommermonate rasant ausgebreitet. Auch in Italien gab es zuletzt eine Häufung von Fällen. Betroffen war davon etwa auch die Tochter des prominenten Paares Chiara Ferragni und Fedez. Die beiden haben deshalb über die sozialen Medien vor dem Virus und dessen Folgen gewarnt. Zwar ist es den Ärzten schon länger bekannt; die Wucht, mit der es in diesem Jahr zuschlägt, ist allerdings außergewöhnlich.<BR /><BR /><b>Erhöhte Zirkulation</b><BR /><BR />Nun habe dieses Virus auch Südtirol erreicht, wie Dr. Laura Battisti berichtet. Sie ist die Primarin der Pädiatrie im Krankenhaus Bozen: „Wir haben eine erhöhte Zirkulation des RS-Virus bemerkt. Besonders im Vergleich zum Vorjahr ist es auffällig. Damals haben die Corona-Maßnahmen auch die Ausbreitung von RSV blockiert. Das führte dazu, dass wir nur sehr wenige Fälle hatten.“ <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-51476113_listbox" /><BR /><BR /><BR />Die Situation sei nun in etwa mit der Situation vor Corona vergleichbar, erklärt die Primarin. Wobei das Virus heuer schon früher grassiere als in anderen Jahren. Eine Infektion mache sich am Anfang meist mit Schnupfensymptomen bemerkbar. Wichtig sei es, Nasenspülungen zu machen und das Kind genau zu beobachten: „Wenn es keinen Appetit hat, nicht mehr wie gewohnt reagiert, der Husten stärker wird oder Atemschwierigkeiten auftreten, muss sofort ein Arzt kontaktiert werden“, so Dr. Battisti. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-51477970_quote" /><BR /><BR /><b><BR />„Das darf doch nicht wahr sein“</b><BR /><BR />Der kleine Bub wurde in Meran schließlich auf das Virus getestet. Noch bevor das Ergebnis kam, gab es laut Ärzten immer klarere Anzeichen für eine RSV-Infektion – der schleimige Husten, die Lungengeräusche und ein Einzug unter dem Rippenbogen. Die Bestätigung kam dann kurze Zeit später. <BR /><BR />Für Maria ein Schock: „Ich hatte kurze Zeit vorher noch von Infektionen in Trient gehört und dass deshalb einige Kleinkinder auf der Intensivstation gelandet waren. Ich dachte mir nur: Nein, das darf doch nicht wahr sein!“ Doch für langes Nachdenken blieb keine Zeit, es wurde rasch gehandelt. Ihrem Kind wurde ein Schlauch in die Nase gelegt. Eine lebenswichtige Maßnahme, damit die Sauerstoffsättigung erhöht werden konnte. <BR /><BR />Für die Mutter aber ein schwerer Anblick, wie man auch knapp eine Woche nach den Ereignissen noch deutlich spüren kann: „Er war den ganzen Tag an die Maschine angeschlossen, dazu dieser andauernde Piepton. Es war schon zermürbend.“ Das Krankenhauspersonal habe sich aber vorbildlich verhalten und es geschafft, ihr die Nervosität zu großen Teilen zu nehmen, betont die Tisnerin. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-51477974_quote" /><BR /><BR /><BR />Alle seien sehr einfühlsam und vor allem sehr kompetent gewesen. Die Nase ihres Kleinen wurde immer wieder durchgespült. Viel mehr konnte man aber nicht machen, es war Geduld angesagt. Denn die Behandlung einer RS-Infektion folgt dabei meist bestimmten Grundmustern, wie Dr. Battisti erklärt: „In den meisten Fällen ist eine Hydratation sehr wichtig, das Kind bekommt also Flüssigkeit. Zudem kann es nötig sein, Sauerstoff zuzuführen. Wenn die Situation kritisch wird, wird das Kind mit einer nichtinvasiven Ventilation unterstützt, damit es genug Sauerstoff bekommt.“<BR /><BR /><b>Zwei kritische Tage</b><BR /><BR />Mit seinen drei Monaten sei der Bub nicht der Jüngste auf der Station gewesen, berichtet Maria. Neben ihr war eine Mutter mit ihrem ein paar Wochen alten Baby. In der Tat trifft die Erkrankung vor allem die Jüngsten. Ältere Kinder oder Erwachsene leiden meist „nur“ an Schnupfensymptomen und geben die Erkrankung daher oft unbewusst an die Kleinsten weiter. <BR /><BR />Für diese kann es dann aber kritisch werden – im Extremfall sogar lebensbedrohlich. Dr. Battisti rät deshalb: „Wenn jemand in der Familie verkühlt ist, heißt es, sich sorgfältig die Hände zu waschen. So gut es geht, sollten kranke Familienmitglieder Abstand zu den Kleinen halten. Das gilt insbesondere auch für die Geschwister, selbst wenn das natürlich keine einfache Situation ist. Wenn es dennoch zu einer Erkrankung kommt, gilt es, das Kind genau zu beobachten. Und bei Krankheitsanzeichen sollte man keinesfalls zögern, den Kinderarzt zu verständigen.“<BR /><BR />Maria jedenfalls blieb Tag und Nacht an der Seite ihres Sohnes, der zunächst zwei kritische Tage zu überstehen hatte: „Er wollte am Montag und Dienstag vergangener Woche nichts mehr trinken und musste immer an der Maschine angeschlossen bleiben. Das machte mir natürlich Sorgen. Doch dann wurde es glücklicherweise besser und er hatte auch wieder Appetit.“ <BR /><BR />Der Vater hingegen durfte einmal am Tag vorbeikommen, um nach den beiden zu schauen. Ansonsten blieb nur, sehnsuchtsvoll auf gute Neuigkeiten zu warten. Diese erreichten ihn schließlich am vergangenen Donnerstag. So sei die Erleichterung groß gewesen, als Mutter und Kind das Krankenhaus wieder verlassen durften, erzählt eine nun deutlich entspanntere Maria: „Zum Glück ist alles recht gut ausgegangen. Die Sauerstoffsättigung ist noch nicht perfekt, aber wieder stabil. Der Husten wird dem Kleinen leider noch ein paar Wochen erhalten bleiben. Sollte doch noch etwas sein, kann ich die Ärzte immer erreichen.“ <BR /><BR />Der Höhepunkt der Krankheit sollte nun aber überstanden sein – und die junge Familie ist endlich wieder glücklich vereint zu Hause.