Mittwoch, 24. März 2021

„Kleinwasserkraft geht zu Lasten der Gewässerökosysteme“

„Der Beitrag der Wasserkraft zum Klimaschutz kann zu Lasten anderer Umweltbereiche erfolgen, im konkreten Fall zu Lasten der Gewässerökosysteme.“ Dies stellt der Fischereiverband Südtirol in einer Reaktion auf eine Presseaussendung des Südtiroler Energieverbandes (SEV) fest.

Der Fischereiverband Südtirol sieht das Ökosystem Wasser durch Kleinkraftwerke gefährdet.
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Der Fischereiverband Südtirol sieht das Ökosystem Wasser durch Kleinkraftwerke gefährdet. - Foto: © sch
Vor allem durch Kleinwasserkraftwerke werde das Gewässerökosystem belastet. In den äußerst sensiblen Kleinstgewässern seien die ökologischen Schäden durch die Ableitungen überproportional stark und stünden in keinem Verhältnis zur nur minimalen Stromproduktion. Dies zeige auch eine Studie der EAWAG - Schweiz zur Kleinwasserkraft, erklärt der Fischereiverband.

„Wir vermuten, dass kleine Kraftwerke pro Kilowattstunde produzierten Stroms stärkere negative Auswirkungen auf ein Ökosystem haben als große Kraftwerke“, unterstreicht der Verband eine wesentliche Aussage einer an der Ausarbeitung der Studie beteiligten Forscherin.

„Kleinwasserkraft ist bei weitem nicht so umweltfreundlich, wie unter anderem vom SEV immer wieder zu vermitteln versucht wird. Dies zeigt auch ein Artikel von Spektrum der Wissenschaft, der Kleinkraftwerken eine oft miserable Ökobilanz bescheinigt. Selbst der VDI (Verein Deutscher Ingenieure) stellt fest, dass Wasserkraftanlagen erhebliche negative Auswirkungen auf Natur, Gewässer und Fische haben können“, erklärt der Fischereiverband.

„Kleinwasserkraft hat geringen Anteil an heimischer Stromproduktion“

Neben den negativen Umweltaspekten spreche auch die Menge an produzierter Energie ganz klar gegen Kleinkraftwerke: „Die 850 Kleinkraftwerke in Südtirol (Stand 2019) haben zusammen eine mittlere Nennleistung von lediglich rund 7000 Kilowatt. Im Vergleich dazu: Allein das Kraftwerk Mühlen (GS/571) im Pustertal, eines der kleineren unter den Südtiroler Großkraftwerken, hat mit knapp 7500 Kilowatt eine größere mittlere Nennleistung als alle 850 Kleinkraftwerke zusammen. Und das Großkraftwerk Brixen (GS/822 und 2600) produziert mit einer mittleren Nennleistung von knapp 75.000 Kilowatt sogar über das 10-fache aller Kleinkraftwerke zusammen.“

Anders als von der SEV dargestellt, sei der Anteil der Kleinwasserkraft an der heimischen Stromproduktion also verschwindend gering und liegt eben nur bei rund 3 Prozent, wie der Fischereiverband in seiner Aussendung zum Tag des Wassers mitgeteilt hatte.

Die 158 mittelgroßen Kraftwerke (Stand 2019) produzieren rund 11 Prozent und die 28 Großkraftwerke (Stand 2019) rund 86 Prozent des Südtiroler Stroms aus Wasserkraft. Dass die Kleinwasserkraft in Südtirol einen „beträchtlichen Anteil an der Stromproduktion“ hält, sei laut Fischereiverband schlicht nicht wahr.

„Kleinwasserkraft leistet geringen Beitrag zum Klimaschutz“

Für die Versorgungssicherheit des Landes seien die Kleinkraftwerke nicht von großer Bedeutung, von strategischer Bedeutung könne keine Rede sein. „Dies weiß auch der SEV, da er selbst auf der eigenen Website davon spricht, dass der Löwenanteil an Südtirols Strom von den Großkraftwerken produziert wird. Und natürlich ist auch der Beitrag zum Klimaschutz dementsprechend gering“, lautet es in der Aussendung.

„Der SEV-Direktor merkt an, dass die Kraftwerksbetreiber in Südtirol sehr viel Geld in ihre Anlagen investiert hätten. Das mag zweifelsfrei stimmen. Der Vollständigkeit halber hätte er ergänzen können, dass der Steuerzahler, also die Allgemeinheit, in den letzten Jahrzehnten die Kleinkraftwerksbetreiber durch Förderungen massiv subventioniert hat“, fordert der Fischereiverband.

Außerdem merkt der Fischereiverband an, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Kleinkraftwerke teilweise nur wegen dieser Förderungen gegeben sei. „Dass auch die großen Kraftwerke des Landes Probleme verursachen (Stauseespülungen, Schwall-Sunk usw.), die gelöst werden müssen, steht außer Frage. Aber immerhin tragen diese tatsächlich zur strategischen Stromversorgung des Landes bei“, schließt der Fischereiverband.

Wie berichtet, hatte der SEV am Dienstag erklärt, dass ohne Wasserkraft kein wirksamer Klimaschutz in Südtirol möglich sei und dass hierzulande rund 3000 Kilogramm Kohlendioxid pro Person und Jahr durch die Stromproduktion aus Wasserkraft eingespart würden.

stol