Freitag, 08. Oktober 2021

Klimakrise und Gewalt gegen Frauen als gesellschaftliche Herausforderungen

Beim Tag der Weiterbildung im Haus der Familie in Lichtenstern am Ritten ging es heute darum, wie die Erwachsenenbildung zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen kann. Michael Wehner forderte eine gelebte Demokratie.

Gewalt an Frauen war einer der Themenschwerpunkte.
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Gewalt an Frauen war einer der Themenschwerpunkte. - Foto: © lpa
Die Welt verändert sich schnell und eindrücklich. Dieser Entwicklung müssen die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen entsprechen, um nicht Gefahr zu laufen, den Anschluss zu verlieren. „Eine inklusive, chancengerechte und qualitativ hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten für lebenslanges Lernen“ ist daher das vierte unter den 17 Zielen der UN-Agenda 2030. Der Bildung kommt auch eine zentrale Rolle zu, wenn es um das Erreichen der weiteren Nachhaltigkeitsziele geht.

Lebenslanges Lernen soll nicht nur die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen verbessern, sondern grundsätzlich auch die Menschen als selbstbestimmte Bürgerinnen und Bürger stärken und dabei Demokratie und Solidarität festigen. Die Frage, welchen Beitrag die Erwachsenenbildung dafür leisten kann, stand am Freitag im Mittelpunkt des diesjährigen Tags der Weiterbildung, den das Landesamt für Weiterbildung im Haus der Familie in Lichtenstern am Ritten ausgerichtet hat. In den Fokus gerückt wurde dabei auch die Frage, ob und wie die Corona-Krise sich auf Demokratie, Klimakrise und Gewalt gegen Frauen ausgewirkt hat.

Herausforderungen durch die Covid-19-Pandemie

„Wer vor der Pandemie gesagt hätte, welche Eingriffe in unsere Grundrechte erfolgen würden, der wäre in der Psychiatrie gelandet“, sagte der Politikwissenschaftler und Referent des Weiterbildungstages Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg.

Der Ausnahmezustand sei zur Regel geworden. Ein Großteil der Bevölkerung habe sich an die Einschränkungen gehalten. Und darum gehe es auch in einer Demokratie: Um die Anerkennung von Regeln und Verbindlichkeiten und die Akzeptanz von Mehrheitsentscheidungen. „Aber Meinungsvielfalt und Wertepluralismus, kurz die Demokratie, sind eben genau so, dass sie mit An- und Verordnungen, Verhaltensmaßregelungen nicht dauerhaft bestehen können. Der Kampf gegen die Pandemie ist ebenso wie die Verbesserung der Demokratie die Aufgabe von uns allen“, betonte Wehner. „Demokratie lebt von der Mitgestaltung und Beteiligung der Menschen, die darin leben. Eine Zuschauer-Demokratie, in der sich Menschen in ihrer privaten Konsum-Maximierung verlieren, ist zum Scheitern verurteilt.“

Das Gemeinsame in den Vordergrund stellen

Gerade die Demokratie bedarf laut Wehner wie keine andere Staatsform des interessierten, mehr noch des gebildeten, aufgeklärten, des wachsamen und wissenden Bürgers. Und je mehr Beteiligung gefragt ist, desto mehr politische Bildung sei vonnöten. Bildung erhalte einen besonderen Stellenwert gerade in einer Gesellschaft, in der das konsumierende Ich in den Mittelpunkt gestellt werde, in der zu viele zuerst ihre Gruppenzugehörigkeit betonten und nicht mehr das alle Verbindende. In konkurrierenden Meinungen führe das oft dazu, dass der Dialog abgebrochen werde.

Die berufliche Bildung zähle genauso dazu wie die Stärkung von Argumentations- und Urteilsfähigkeit, ästhetische und musische Bildung sowie Allgemeinbildung einschließlich einer soliden politischen Bildung. „Ein Vorrat an gemeinsamem Wissen ist die Grundlage gesellschaftlicher Verständigung und damit unserer Demokratie“, erklärte Wehner.

Weiterbilden - Weiterentwickeln

In drei Austauschrunden diskutierten die Teilnehmenden im Anschluss an das Referat darüber, wie sich sie Situation in den Bereichen der Demokratie, der Klimakrise und der Gewalt gegen Frauen durch die Pandemie verändert hat und wie die Weiterbildung in diesen Bereichen konkrete Maßnahmen setzen kann.

Abgeschlossen wurde der Tag mit einem Blick auf die Zukunft. Wie Michael Wehner betonte: „Seien wir mutig und zuversichtlich. Schauen wir nach vorn. Früher war nicht alles besser. Leben wir Gemeinschaft, Solidarität und das Miteinander. Und genießen die Freude und den Spaß an Begegnungen, die so selbstverständlich erschienen.“

Tag der Weiterbildung seit 1972

Der Tag der Weiterbildung wird in Südtirol seit 1972 begangen. Dabei wird die Erwachsenenbildung in den Mittelpunkt gestellt. Das veranstaltende Landesamt für Weiterbildung will damit Impulse für die Erwachsenenbildung in Südtirol leisten. Jährlich bietet der Tag der Weiterbildung den zahlreichen hauptamtlichen und ehrenamtlichen in der Erwachsenenbildnern Gelegenheit einer Standortbestimmung, des gegenseitigen Austausch, aber auch eine Plattform, um gemeinsam Herausforderungen, Ziele und Möglichkeit der Erwachsenenbildung anzudenken, zu diskutieren und zu entwickeln.

lpa/stol