Bei einer medizinischen Fachtagung hat Dr. Joachim Schwarz, Präsident des Deutschen Heilstollenverbandes, die Ergebnisse einer randomisierten Studie vorgestellt, an der auch der Klimastollen im hintesten Ahrntal beteiligt war. Die gemeinsam mit der Universität Gießen durchgeführte Untersuchung liefert wichtige wissenschaftliche Hinweise darauf, dass ein Aufenthalt im Heilstollen Menschen mit Asthma, COPD und Long Covid zusätzlich helfen kann.<h3> 20 Nutzer des Klimastollens in Prettau nehmen teil</h3>An der Studie nahmen 208 Erwachsene teil: 107 Menschen mit Asthma, 59 mit COPD und 42 mit Long Covid. Rund 80 Prozent waren bereits medikamentös behandelt und gut eingestellt. Die Teilnehmer wurden zufällig zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe absolvierte zusätzlich zur üblichen Therapie über drei Wochen sechs Aufenthalte im Klimastollen. Die andere Gruppe erhielt zunächst nur die Standardbehandlung. Anschließend wurden beide Gruppen erneut untersucht – direkt nach der Therapie und nochmals nach drei Monaten. Auch 20 Teilnehmer aus Prettau waren Teil der Untersuchung: Zehn absolvierten die Stollentherapie, zehn gehörten zunächst zur Kontrollgruppe.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75696841_quote" /><BR /><BR />Die deutlichsten Ergebnisse zeigte die Studie bei Asthma. Die Teilnehmer berichteten über eine deutlich bessere Kontrolle ihrer Beschwerden und eine höhere Lebensqualität. „Signifikante Verbesserungen zeigten sich auch bei der Lungenfunktion und der Atemmuskelstärke“, führte Dr. Schwarz aus. Die positiven Effekte waren teilweise auch nach drei Monaten noch nachweisbar.<BR /><BR />Bei der Lungenerkrankung COPD zeigte sich keine wesentliche Verbesserung der Lungenfunktion. Trotzdem berichteten die Teilnehmer über eine Verbesserung ihrer Beschwerden und Lebensqualität, erläuterte Dr. Schwarz. „Beschwerden gingen zurück und die Lebensqualität verbesserte sich.“ <BR /><BR />Auch bei Long Covid, einer weiterhin schwer greifbaren Erkrankung, zeigten sich Verbesserungen. Zwar veränderte sich die Lungenfunktion nicht deutlich, die Teilnehmer berichteten aber über weniger Atemnot, weniger Erschöpfung und eine bessere Lebensqualität.<h3> Ergänzung, kein Ersatz</h3>Die Studie versteht die Speläotherapie nicht als Ersatz für Medikamente oder andere medizinische Maßnahmen, sondern als ergänzende Therapie. Die Ergebnisse liefern laut den Forschern neue wissenschaftliche Hinweise darauf, dass das besondere Klima eines Heilstollens bei bestimmten Atemwegserkrankungen einen zusätzlichen Nutzen bringen kann. <BR /><BR />Dr. Joachim Schwarz, als auch die Fachärztin für Anästhesie, Dr. Beatrice Barbolan, die den Klimastollen bei der Tagung vorstellte, regten weitere Untersuchungen an, unter anderem ob die Bedingungen im Klimastollen auch Menschen mit Schlafstörungen helfen können – in der Praxis gebe es schon Hinweise darauf. <BR /><BR />Für den Klimastollen ist die Studie ein besonderer Erfolg. Nach einer früheren Untersuchung zu den Auswirkungen eines Aufenthalts im Klimastollen auf Kinder liefert die aktuelle Studie nun wichtige Erkenntnisse für Erwachsene. Was vor mehr als 20 Jahren im ehemaligen Bergwerk begonnen hat, wird damit zunehmend auch wissenschaftlich untersucht.