Denn wie Abt Heim unterstreicht: Die definitive Entscheidung der Gemeinschaft von Heiligenkreuz für eine Niederlassung auf Säben steht noch aus. Wovon das Ja oder Nein abhängt, erklärt der Obere des bekannten Zisterzienserklosters im Gespräch. <BR /><BR /><b>Herr Abt, die Mönche Ihres Stifts sollen bis Dezember prüfen, ob zisterziensisches Leben auf Säben überhaupt möglich ist. Was ist damit konkret gemeint?</b><BR />Abt Maximilian Heim: Der Heilige Berg Südtirols begeistert jeden, der ihn sieht. Das bisherige Kloster mit seiner geschichtlichen und religiösen Bedeutung ist für die Region herausragend. So verstehe ich die Bemühungen der Diözese Bozen-Brixen sehr gut, auf Säben wieder geistliches Leben zu verwurzeln. Doch unser zisterziensisches Charisma, wie jedes Ordensleben, hat Charakteristika, die auch mit dem jeweiligen Standort zu tun haben. Dazu gehören: Chorgebet, Gemeinschaftsleben, Seelsorge vor Ort und in der Umgebung, Gastfreundschaft, Aus- und Weiterbildung… <BR /><BR /><b>Wie geht es nach der Probezeit weiter?</b><BR />Abt Heim: Nach der Probezeit werden wir im Konvent die Erfahrungen der Mitbrüder besprechen, die 6 Wochen vor Ort gewesen sind. So können wir besser abwägen, ob wir uns auf diese Herausforderung einlassen können oder nicht. Auch sind natürlich Gespräche mit der Diözese etc. notwendig. Entscheidend ist aber die Abstimmung im Konventkapitel im Frühjahr nächsten Jahres. In diesem Kapitel sind alle Mönche mit Ewiger Profess, die zu Heiligenkreuz gehören eingeladen, nach ausführlicher Information und Diskussion, verantwortlich abstimmen. Derzeit sind dies 86 Mitbrüder. Diese Entscheidung ist dann verbindlich für ein Ja oder Nein zu dem Gründungsprojekt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="956719_image" /></div> <BR /><BR /><b>Erst vor 5 Jahren gründeten Heiligenkreuzer Mönche das Priorat Neuzelle im deutschen Bundesland Brandenburg. Hat ihre Gemeinschaft die personellen Kapazitäten für eine weitere Neugründung?</b><BR />Abt Heim: Mit einem großen Schritt des Vertrauens haben wir vor 5 Jahren das Priorat Neuzelle (Diözese Görlitz) gegründet und vor 35 Jahren das Priorat Bochum-Stiepel im Ruhrgebiet (Diözese Essen). Beide Gründungen sind noch abhängig von Heiligenkreuz und stellen für uns eine personelle Herausforderung dar, auch wenn wir momentan insgesamt 104 Mönche haben. Bei dieser hohen Zahl sind aber sowohl die Alten und Kranken, wie auch die Jungen und in Ausbildung stehenden mitgerechnet. <BR />Außerdem verlangt unsere Philosophisch-Theologische Hochschule Heiligenkreuz unseren ganzen Einsatz, da sie derzeit die größte Priesterausbildungsstätte im Deutschsprachigen Raum ist. Hauptaufgabe ist seit Jahrhunderten die Seelsorge. Insgesamt betreuen wir 26 Pfarreien und auch da ist die Nachfrage der Diözesen immer wieder gegeben. <BR />Das alles ist zu erwägen bei einer Abstimmung für oder gegen eine Neugründung in Säben. Gerade die jungen Mitbrüder, die bei uns in Ausbildung sind, treten bei uns deshalb ein, weil Heiligenkreuz für sie ein anziehender spiritueller Ort ist. Das kann nicht einfach übertragen werden, zumal das Charisma unserer benediktinischen Lebensform ähnlich wie bei den Benediktinerinnen in Säben die Stabilitas loci ist. <BR />Es geht also um eine maßvolle Unterscheidung, die der Abt nicht alleine vornimmt, sondern mit dem Rat seiner Brüder. Er muss natürlich immer bedenken, was der hl. Benedikt in seiner Regel schreibt: „Wenn ich meine Herden unterwegs überanstrenge, werden alle an einem Tag zugrunde gehen.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="956722_image" /></div> <BR /><BR /><b>In Südtirol ist allgemein der Eindruck: Heiligenkreuz hat bereits Ja gesagt zum Kloster auf Säben.</b><BR />Abt Heim: Meine bisherige Antwort muss diesen Eindruck relativieren. Von Anfang an haben wir immer betont, dass wir uns noch in einem Entscheidungsprozess befinden. Diese Geduld um eine Prüfung vor Ort ist wichtig und war auch Voraussetzung bei den beiden schon genannten Gründungen in Neuzelle und in Stiepel. Auch dort waren die Erwägungen sehr ambivalent und das Ringen groß. Dass wir grundsätzlich das Bestreben der Diözese Bozen-Brixen und Ihres Bischof Ivo Muser sehr wertschätzen und ernst nehmen, das beweisen unsere ernsthaften Bemühungen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="956725_image" /></div> <BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR />Maximilan Heim ist 1961 in Kronbach in Bayern geboren und trat 1983, kurz nach Beginn seines Theologiestudiums, in das Stift Heiligenkreuz ein. 1987 wurde er an der Universität Wien zum Magister der Theologie ernannt und am 30. April 1988 in Heiligenkreuz zum Priester geweiht.<BR /><BR />Der junge Ordensgeistliche war bereits an einer Klostergründung beteiligt: 1988 zog er gemeinsam mit 3 Mitbrüdern zur Neugründung des Klosters Bochum-Stiepel ins Ruhrgebiet. Später kehrte P. Heim nach Heiligenkreuz zurück und war als Novizenmeister verantwortlich für den Ordensnachwuchs in den wiederbelebten tschechischen Klöstern Hohenfurth und Ossegg. <BR /><BR />2003 promovierte P. Heim in Graz zum Doktor der Theologie. Er lehrte anschließend Fundamentaltheologie an der Hochschule von Heiligenkreuz. 2009 wurde er in den Neuen Schülerkreis Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. berufen.<BR /><BR /> Am 10. Februar 2011 wurde er zum 68. Abt von Heiligenkreuz gewählt, am 25. April 2011 erhielt er die Abtweihe. <BR /><BR />