„Gefragt sind nicht bloß Fachkräfte, sondern auch das nahe Umfeld wie Verwandte, Bekannte oder Nachbarn“, unterstrich Osthoff bei einer Tagung in Bozen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1358331_image" /></div> <BR /><BR />Südtirol weist eine der höchsten Suizidraten in ganz Italien auf. Auch die immense Belastung in der häuslichen Pflege kann das Risiko auf Suizidgedanken erhöhen. Landesrat Dr. Hubert Messner betonte deshalb bei der gestrigen Tagung des Netzwerks für Suizidprävention klar: „Pflegende Angehörige tragen ständig eine große Verantwortung für eine Person. Daher tragen wir als Gesellschaft die Verantwortung für sie.“ Bei der Suizidprävention handle es sich um ein gesamtgesellschaftliches Thema. Betroffene müssten früh abgeholt, ihnen rechtzeitig ein Ansprechpartner vermittelt werden. <BR /><BR />Barbara Plagg, Forscherin am Institut für Allgemeinmedizin und Public Health, unterstrich den Ernst der Lage. Sie stellte die Ergebnisse zweier Erhebungen vor, für die private Pflegepersonen von Demenzkranken in Südtirol befragt wurden. „Drei Viertel der Befragten berichten über belastende Krisensituationen, mehr als die Hälfte gibt indes an, überfordert zu sein“, sagte Plagg. Ebenso erschreckend: 43 Prozent der Pflegenden beklagen einen mäßigen oder sogar schlechten Gesundheitszustand. <BR /><BR />Bei der zweiten Erhebung hat sich indes herausgestellt, dass die emotionale Belastung nicht mit dem Ende der Pflegezeit aufhört. „Viele der Betroffenen sind noch Jahre später traumatisiert“, betonte Plagg. Was sie ebenso hervorhob: Bei der Erhebung zeigte sich, dass der Großteil der pflegenden Angehörigen Frauen sind. <BR /><BR />Derzeit hat das Institut für Allgemeinmedizin eine neue Studie in Arbeit, deren Ergebnisse in geraumer Zeit veröffentlicht werden. Diese zeigte zwar, dass kein direkter Zusammenhang zwischen Suizidalität und einer Pflegeaufgabe besteht. Dennoch steht fest: Langfristig kann die Überlastung durch Pflege gesundheitliche Risiken erhöhen und zu Erkrankungen führen. <BR /><BR />In einer der Befragungen wurden die pflegenden Angehörigen auch nach Ratschlägen befragt, die sie anderen Personen in ähnlichen Situationen mitgeben würden. Ein Punkt habe sich laut Plagg klar hervorkristallisiert: nämlich wie wichtig es sei, sich frühzeitig Unterstützung zu holen.<h3> 3 Fragen an Guido Osthoff</h3><b>Herr Osthoff, wie kann man pflegenden Angehörigen unter die Arme greifen?</b><BR />Guido Osthoff: Die Hilfe beginnt bereits im Kleinen. Ich kann Betroffenen beispielsweise anbieten, einen Tag lang für sie zu kochen. Oder ich kümmere mich für ein paar Stunden um die Person, die auf Hilfe angewiesen ist, sodass der oder die Pflegende kurz durchschnaufen kann. Dabei ist es egal, ob ich Verwandter, Bekannter oder Nachbar bin – die Gemeinschaft zählt. Für erfolgreiche Pflege braucht es ein gutes Zusammenspiel zwischen Fachkräften und Privatpersonen.<BR /><BR /><b>Welchen Tipp geben Sie pflegenden Angehörigen?</b><BR />Osthoff: Der Bereich der Prävention ist mindestens genauso wichtig wie jener der Intervention. Deshalb lege ich es allen Betroffenen ans Herz, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen, wenn sie sich stark überfordert fühlen sollten. Dafür muss sich niemand schämen. Betroffene müssen diese große Aufgabe nicht alleine stemmen.<BR /><BR /><b>Ihr Netzwerk hat einen eigenen Plan für Suizidprävention entworfen – wie ist der Stand der Dinge?</b><BR />Osthoff: Wir haben über mehrere Jahre daran gearbeitet, im Frühsommer dieses Jahres wurde er den zuständigen Landesräten übergeben. Diese werden ihn nun genehmigen und umsetzen. Ein Teil der Maßnahmen wurde bereits eingeführt: darunter das Krisentelefon, das unter der Grünen Nummer 800 101 800 erreichbar ist.