Dienstag, 18. August 2015

„Körperteile im Pool“: Bozner Familie mitten im Blutbad

Es sollte ein vergnüglicher Zwischenstopp in Bangkok werden, doch dann explodierte die Bombe: Das Luxushotel Hyatt Erawan an der Rajprasong-Kreuzung in Bangkok ist eine Top-Adresse. Am Montagabend entspannt die Familie Fabbiani aus Bozen am Pool im fünften Stock des Hotels. Auf einmal gibt es einen lauten Knall.

20 Menschen sterben beim Bombenanschlag, 125 werden verletzt. Familie Fabbiani aus Bozen hatte Glück.
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20 Menschen sterben beim Bombenanschlag, 125 werden verletzt. Familie Fabbiani aus Bozen hatte Glück. - Foto: © APA/EPA

„Das ganze Gebäude hat gewackelt“, erzählt der 44-jährige Francesco Fabbiani. Die Familie – Vater, Mutter, drei Kinder – kann sich keinen Reim auf das Geschehen machen, doch dann der Horror: „Mein Sohn hat es zuerst bemerkt – im Poolbereich landeten kleine Trümmerstücke und Körperteile“, berichtet Fabbiani.

Am Erawan-Schrein ist eine Bombe explodiert. 20 Menschen sterben, 125 werden verletzt (STOL hat berichtet).

Zwei Stunden zuvor am Schrein

Die Familie aus Bozen ist in Bangkok auf der Durchreise. Sie war zuvor in Kambodscha unterwegs.

 

 Zwei Stunden vor der Explosion saß sie in Bangkok noch am Schrein.

„Wir haben da immer Pause gemacht, bevor wir ins Hotel gegangen sind“, erzählt die Mutter, Verena von Aufschnaiter. Bevor Hotelwachleute die Gäste ins Innere drängen, erhascht Fabbiani noch einen Blick vom Balkon. Ihm bietet sich ein schreckliches Bild – auf der sonst so belebten Kreuzung steht alles still. Körper liegen leblos auf der Straße.

 

Ein Bild der Verwüstung. Foto: APA/epa

„Ich sah Rauch und hörte Schreie. Die Rettungskräfte waren noch nicht da. Es war schlimm.“

Zerstört Terror den Tourismus in Thailand?

„Sie wollen unsere Wirtschaft und den Tourismus zerstören“, sagt Regierungschef Prayuth Chan-ocha. „Wir fürchten das Schlimmste“, sagt Pau Bhanuband vom Rennaissance-Hotel. „Touristen kommen nicht mehr in unsere Gegend und die Einheimischen haben zu viel Angst, um hier essen zu gehen“. 

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen im beliebtesten Reiseziel 

Die Sicherheitsvorkehrungen seien verschärft worden, versichert die Touristenbehörde TAT. „In der ganzen Stadt sind Patrouillen unterwegs, um die Sicherheit der Einheimischen und Besucher zu gewährleisten.“ Das öffentliche Leben sei nicht beeinträchtigt.

 

Der Schein wird von zahllosen Touristen besucht. Nach dem Anschlag wird das Ausbleiben der Gäste befürchtet. Foto: APA/epa

Nach einer Studie des Kreditkartenunternehmens Mastercard war Bangkok im vergangenen Jahr nach London weltweit das beliebteste Touristenziel. 16,4 Millionen Besucher seien gekommen. Für 2015 rechnete das Unternehmen mit 18,2 Millionen Besuchern – das war aber vor dem Bombenanschlag.

Auch die Südtiroler haben trotz allem keine Angst

Am Dienstag herrscht in den Einkaufszentren um den Tatort wieder reger Betrieb. Der Horror scheint vergessen, Touristen machen Selfies mit dem Schrein im Hintergrund. Auch Familie Fabbiani will sich von der Gewalt nicht abschrecken lassen. „Wir haben keine Angst“, sagt von Aufschnaiter.

„Ich sage jetzt nicht: “Ich würde nie wieder nach Thailand reisen.„ Wir machen auch wie geplant heute eine Runde und schauen uns um, ich will ja nicht, dass die Kinder Angst bekommen.“

Ihr Mann stimmt zu: „Wir kennen Thailand. Und wir wissen, so etwas ist hier nicht an der Tagesordnung.“

stol/dpa/ker

stol