<b>Sie wurden 1992 erstmals Präsident der Sportgruppe für Körperbehinderte. Hätten Sie sich damals träumen lassen, dass Sie es 34 Jahre später immer noch sind?</b><BR />Markus Kompatscher: Nie im Leben. Meine Vorgängerin und die allererste Vorsitzende der 1990 neu gegründeten Sportgruppe, Burgi Walter, hatte das Amt zwei Jahre – eine Amtsperiode – inne. So in etwa hatte ich es mir auch vorgestellt. Doch es kam irgendwie anders, man hat mich immer wieder gebeten, weiter zu machen. Ich habe das auch gern gemacht. Und es ist ja auch schön, wenn man so geschätzt wird. Aber 34 Jahre sind absolut genug, sonst heißt es noch, ich klebe an meinem Sessel [schmunzelnd]. <BR /><BR /><BR /><b>Gern lässt man Sie aber nicht gehen?</b><BR />Kompatscher: Die Nachfolge gestaltet sich schwierig. Dabei baue ich goldene Brücken: Ich bin ja nicht aus der Welt und stelle mich auch für den Vorstand wieder zur Verfügung. Nur die Präsidentschaft übernehme ich nicht mehr. Irgendwann ist man leer. Ich bin 30 Jahre verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder – doch Frau und Kinder kennen gar nichts anderes, als dass Ehemann und Vater als Präsident der Sportgruppe alle Hände voll zu tun hat.<BR /><BR /><BR /><b>Wenn Sie zurückblicken – was hat sich in den vergangenen 34 Jahren im Behindertensport getan?</b><BR />Kompatscher: Zu den Anfangszeiten der Sportgruppe hatte Behindertensport nicht den Stellenwert, den er heute hat. Die 'armen Hascherlen' sollten halt auch was in ihrer Freizeit tun können, das war so die Einstellung. Heute ist Behindertensport einfach ein Teil des normalen Sportgeschehens. Auch in der Berichterstattung.<BR /><BR /><BR /><b>Was hat diesen Wandel bewirkt?</b><BR />Kompatscher: Neben dem Engagement und der Hartnäckigkeit von Betroffenen und Fürsprechern liegt das, denke ich, zu einem guten Teil an den Leistungen und Erfolgen unserer Sportler. Gerade die Winter-Paralympics 2002 in Salt Lake City waren für uns in Südtirol so etwas wie ein Wendepunkt. Bei schlussendlich fünf Medaillen – da hat es irgendwann Click gemacht und die Journalisten haben mir die Bude eingerannt. Und wenn man an heute denkt: Bei den vergangenen Paralympics haben 9000 Zuschauer das Eishockeyspiel 'unserer Jungs' gegen die USA im Stadion verfolgt. Die Halle in Mailand hat gebebt. <BR /><BR /><BR /><b>Und das tut auch dem Behinderten-Breitensport gut?</b><BR />Kompatscher: Ja absolut, das hat ihn mitgezogen. Jetzt sind wir insgesamt mitten in der Gesellschaft angekommen – wo der Behindertensport auch hingehört.<BR /><BR /><BR /><b>Dennoch ist die Sportgruppe mehr als ein „normaler“ Sportverein...</b><BR />Kompatscher: In meinen Augen schon. Denn wir haben mehr als andere Sportvereine eine sozial/therapeutische Funktion: Gerade für Personen, die nach einem schweren Unfall körperlich beeinträchtigt bleiben und sich mit der neuen Situation – etwa amputiert oder querschnittsgelähmt – zurecht finden müssen. Sport und die Gemeinschaft mit ebenfalls Betroffenen hilft dem eigenen Selbstwertgefühl. Das ist auch das Geheimnis des Erfolgs unseres Para-Eishockey-Teams.<BR /><BR /><BR /><b>Gab es auch Rückschläge in den vergangenen fast dreieinhalb Jahrzehnten?</b><BR />Kompatscher: Es gibt vor allen Dingen einen großen Wermutstropfen: Wir haben noch immer keinen eigenen Vereinssitz. Wir hatten eigentlich auf das neue 'Haus des Sozialen' gehofft. Doch wir wurden als einziger Verein, der angesucht hatte, ausgeschlossen: Weil wir ein Sportverein sind....