Montag, 19. Februar 2018

Korruptionsverdacht: 3 Festnahmen in Südtirol

Nachdem bereits im Januar Computer, Unterlagen und Diensthandy von den Carabinieri der Sondereinheit NOE beschlagnahmt und kontrolliert wurden, klickten am Montag für 3 Mitarbeiter des Südtiroler Sanitätsbetriebs die Handschellen. Sie und 4 weitere sollen in eine Korruptionsaffäre verwickelt sein.

Badge Local
Foto: © shutterstock

Die 3 Mitarbeiter waren bereits im Vorfeld von ihrem bisherigen Arbeitsplatz versetzt worden, mit einer Kündigung wollte der Sanitätsbetrieb jedoch warten, bis sie für schuldig befunden wurden (STOL hat berichtet).

Am Montag klickten die Handschellen: Ein technischer Leiter des Krankenhauses von Meran, ein leitender Angestellter der dortigen Apotheke sowie ein Techniker des Krankenhauses Bozen müssen sich nun vor Gericht wegen des Verdachts auf Korruption verantworten.

Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft von Trient am Montag 7 Haftbefehle ausgestellt: Ebenfalls verhaftet wurden ein Geschäftsmann aus dem Trentino, der Leiter einer multinationalen Firma zur Herstellung elektromedizinischer Gerätschaften mit Sitz in Rom, ein Angestellter derselben Firma sowie ein Freischaffender aus Mantua.

Den 7 Festgenommenen werden mehrere Straftaten vorgeworfen, darunter die Offenlegung von Berufsgeheimnissen, Wettbewerbsverzerrung, Betrug und Korruption.

Angebote konkurrierender Firma weitergeleitet

Die Ermittlungen des Streifendiensts und der Sondereinheit NOE aus Trient nahmen bereits 2016 ihren Anfang: Sie deckten auf, dass die Organisation über Scheinfirmen und Verkäufer elektromedizinischer Geräte zahlreiche Aufträge zur Lieferung von Ersatzteilen elektromedizinischer Gerätschaften an sich riss - auch dank der Hilfe der Sanitätsmitarbeiter.

Diese leiteten den beiden Firmen „Tecno Service“ und „Heka“ über den Geschäftsmann aus dem Trentino von der Konkurrenz eingesandte Angebote, woraufhin die beiden Firmen diese unterbieten und so die Aufträge ergattern konnten.

Tatsächlich soll es mehrmals vorgekommen sein, dass die Firmen zwar den Auftrag erhielten, das Material jedoch nicht lieferten oder zumindest weniger als bestellt, womit sie sich einen weiteren finanziellen Vorteil verschaffen konnten - auf Kosten der Südtiroler Sanität.

Die 3 Mitarbeiter sollen von diesem Deal gut verdient haben, ebenso der Geschäftsmann aus Trient und die beteiligten Firmen. Der Mittelsmann war in Rom mit 20.000 Euro Bargeld geschnappt worden - laut Carabinieri Teil des Schmiergelds, das für den technischen Leiter des Krankenhauses Meran bestimmt war.

Die Verhafteten befinden sich bis auf Weiteres im Hausarrest.

Bis auf Weiteres ohne Bezahlung suspendiert

Der Sanitätsbetrieb reagiert in einer Aussendung am Montag auf die schweren Vorwürfe und will umgehend die Suspendierung einleiten - ohne Bezahlung und mindestens für die Dauer des Freiheitsentzuges. Es soll sich jedoch um Einzelfälle handeln.

Auch bedauert der Sanitätsbetrieb den Imageschaden, der entstanden ist, und „legt Wert auf die Feststellung, dass zweifellos die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter wie auch Führungskräfte ihre Arbeit mit großen Einsatz und Fachkenntnis erbringen und dabei selbstverständlich die geltenden Rechte respektieren. Auch in jenen Bereichen, die mit dem Ankauf von sanitären oder nicht-sanitären Gütern oder Geräten und Instrumenten befasst sind, wird mit hoher Professionalität und großer Gewissenhaftigkeit gearbeitet.“

stol/liz

stol