Donnerstag, 09. November 2017

Krankenpfleger soll 106 Menschen getötet haben

In der Mordserie eines ehemaligen Krankenpflegers aus Niedersachsen gehen die Ermittler inzwischen von 106 Toten aus.

Ein bereits wegen Mordes verurteilter Krankenpfleger soll insgesamt 106 Menschen getötet haben.
Ein bereits wegen Mordes verurteilter Krankenpfleger soll insgesamt 106 Menschen getötet haben. - Foto: © shutterstock

Dies teilten Polizei und Staatsanwaltschaft nach dem Abschluss weiterer toxikologischer Untersuchungen am Donnerstag in Oldenburg mit. Zuvor waren die Ermittler von 90 Taten ausgegangen.

Niels Högel wurde am 22. Juni 2005 von Kollegen auf frischer Tat ertappt, als er vorsätzlich die Spritzenpumpe eines Patienten manipulierte und diesem ohne medizinische Indikation das Antiarrhythmikum Gilurytmal verabreichte. Dieser Fall führte zunächst zu umfangreichen Ermittlungen durch die Polizeiinspektion Delmenhorst gegen ihn.

Im Rahmen der Ermittlungen wandten sich mehrere Mitarbeiter des Klinikums Delmenhorst unabhängig voneinander an die Polizei und äußerten den Verdacht, dass Högel für zahlreiche Komplikationen, Reanimationen und weitere ungeklärte Todesfälle am Klinikum Delmenhorst verantwortlich sein könnte.

Todesfälle im Krankenhaus verdoppelten sich

Die Polizei ermittelte daraufhin umfangreich und untersuchte alle Todesfälle im Zeitraum von 2003 bis 2005. Hierbei ergab sich, dass sich die Zahl der Todesfälle am Klinikum Delmenhorst im Zeitraum der Beschäftigung von Högel verdoppelt hatte. 2005 standen 73 Prozent der Todesfälle in Zusammenhang mit seiner Dienstzeit.

2015 ergaben Exhumierungen weiterer mutmaßlicher Opfer aus Friedhöfen in Ganderkesee und Delmenhorst den Nachweis weiterer 14 Leichen mit Spuren eines Herzmedikaments. Ende August 2017 präsentierte die Polizei in Oldenburg Ergebnisse zum Abschluss der Ermittlungen gegen Högel. Danach konnten weitere 84 potentielle Mordtaten von ihm nachgewiesen werden.

apa/ag.

stol