Die digitale Tafel (SmartBoard) ist ein berührungsempfindlicher Touchscreen, der über ein USB-Kabel mit einem Computer verbunden ist. Dieser projiziert Programme durch einen Beamer auf den Bildschirm, der einen oder mehrere Meter groß sein kann - je nach Modell. Für die die „digitale Generation“ auf den Schulbänken, die mit Play Station, Internet und Multimedia-Handys aufwächst, wird der Unterricht damit endlich zeitgemäß: Je nach Schulfach präsentiert eine Computeranimation das Herz von innen, erklärt anschaulich die Rüstung eines römischen Soldaten, begleitet in Musik oder Englisch ein Lied mit Text und Noten oder zeigt den Planeten Erde in all seiner Pracht. Einfach nur Rechnen und Schreiben ist natürlich auch möglich: Lehrer und Schüler können mit den Fingern oder speziellen Stiften auf die digitale Tafel schreiben, malen und beliebige PC-Anwendungen bedienen.„Alles, was ich am Computer mit der Maus durchführe, kann ich am Touchscreen mit den Fingern oder einem Stift machen“, erklärt Armin Haller, Koordinator für digitale Medien des deutschen Schulamts, im Gespräch mit Südtirol Online.Südtirol Online: Wie viele Südtiroler Schulen benutzen die digitale Tafel bereits?Armin Haller: Sie digitale Tafel gibt es derzeit an etwa dreißig Südtiroler Schulen. Normalerweise hat eine Schule ein bis drei solcher Tafeln. Die Klassen teilen sie sich auf. Benutzt werden sie in allen Schulstufen: in der Grundschule, in der Mittelschule und in der Oberschule.STOL: Wurden die Tafeln vom Schulamt verteilt?Haller: Ja. Das Schulamt hat vor etwa eineinhalb Jahren ein Pilotprojekt gestartet. Dabei wurden ungefähr 15 Schulen mit den neuen Tafeln ausgestattet. Etwa dieselbe Anzahl an Schulen hat sich selbst solche Tafeln zugelegt. STOL: Wie viel kostet so ein SmartBoard?Haller: Die Tafel kostet zwischen 1500 und 2000 Euro. Zusätzlich braucht man aber auch einen Beamer und einen PC oder ein Notebook. Die Schulen in Südtirol sind aber ohnehin schon ziemlich gut ausgestattet, sodass wir weder Projektoren noch Computer ankaufen mussten.STOL: Wie reagieren die Schüler auf die digitale Tafel?Haller: Die Schüler sind natürlich begeistert von solchen Sachen. Die Tafel kommt gut an. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man den PC am SmartBoard bedienen kann. Mit der Tafel kann man den Computer besser in den Unterricht integrieren. Klar ist aber auch: Die Tafel alleine macht noch keinen besseren Unterricht. Voraussetzung ist, dass sich der Lehrer mit dem neuen Hilfsmittel auseinandersetzt. Er muss auch bereit sein, sich anders vorzubereiten und seinen Unterricht anzupassen. Wenn man nur den Frontalunterricht auf die Tafel überträgt, bringt dies keinen wesentlichen Vorteil.STOL: Wie werden die Tafeln in den Schulen genutzt?Haller: Man kann eigentlich jede beliebige Software damit nutzen. Das Neue an der digitalen Tafel ist, dass sie auf Berührung reagiert – wie ein großer Touchscreen. Die Programme können also direkt an der Tafel gesteuert werden, der Lernstoff kann den Schülern so anschaulich vermittelt werden. STOL: Man kann auf den Tafeln auch schreiben und im Internet surfen?Haller: Die Tafel hat eine integrierte Handschriftenerkennung, sodass das Geschriebene in Druckschrift umgewandelt wird. Am Ende können dann auch alle Tafelbilder abgespeichert werden. Man kann den kompletten PC an der Tafel bedienen, also auch im Internet surfen, Videos abspielen oder Musik hören. Man kann interaktiv daran arbeiten kann. Und: Die ganze Klasse sieht, was an der Tafel passiert. Ein Mauszeiger an einem projizierten Computerbild würde leicht untergehen. Wenn ein Lehrer etwa aber mit der Hand am Bildschirm arbeitet, wird das besser wahrgenommen, er kann die Klasse mehr einbeziehen. STOL: Gab es eine Ausbildung für die Lehrpersonen?Haller: Lehrergruppen jener Schulen, die beim Pilotprojekt mit dabei waren, haben vom Schulamt eine kurze Einführung bekommen. Die Handhabung der Tafel ist recht einfach und in etwa einer Stunde erklärt. Den Lehrpersonen wird auch gezeigt, wie die Tafel didaktisch eingesetzt werden kann. Am Ende hängt es vom Engagement und der Phantasie der Lehrkraft ab, wie effizient die Tafel genutzt wird. STOL: Wie kommen die Tafeln in den Schulen an?Haller: Die Rückmeldungen jener Schulen waren größtenteils positiv. Es gab nur ein bis zwei Schulen, die nicht so viel mit der Tafel anfangen konnten. Wir haben bewusst nicht alle Schulen mit der digitalen Tafel ausgestattet, da wir erst sehen wollten, welche Erfahrungen damit gemacht werden. Vor allem aber wollen wir sehen, inwiefern die Bereitschaft da ist, die Tafeln im Unterricht einzusetzen. Man kann nicht davon ausgehen, dass sich alle 4500 Lehrer, die in den deutschen Schulen unterrichten, darauf einlassen. STOL: Wie sieht es mit der Bereitschaft, die Tafel im Unterricht einzusetzen, derzeit aus?Haller: Bei den Lehrkräften, die sich gemeldet haben um die Tafel auszuprobieren, ist die Bereitschaft durchaus da. Dabei handelt es sich meist um Lehrer, die bereits Erfahrung mit digitalen Medien haben. Sie gehören zu jener Gruppe, die an den jeweiligen Schulen für die kommunikations- und informationstechnische Bildung (KIT) zuständig ist. KIT ist seit einem Jahr in den Grund- und Mittelschulen Pflicht. In jeder Schule gibt es eine Gruppe von Lehrern, die von uns fortgebildet wird.STOL: Wird das Projekt auf weitere Schulen ausgedehnt?Haller: Man sollte den Schulen die Tafeln nicht aufdrängen. Es muss gewährleistet sein, dass sie auch sinnvoll eingesetzt werden. Die Schulen konnten im vergangenen Schuljahr im Schulamt um eine Tafel ansuchen. Wir wählen sehr genau aus und schauen, wie eine Schule den Einsatz der Tafel begründet und ob sie Lehrpersonen hat, die sich damit auch beschäftigen. Bisher haben vierzig Schulen einen Antrag gestellt. Wie viele Tafeln am Ende angekauft werden, ist aber noch unklar. STOL: Hängt die zögernde Ausdehnung auch mit Kostengründen zusammen?Haller: Die digitale Tafel ersetzt ja in den meisten Fällen nicht die herkömmliche Tafel. Wenn man sie komplett ersetzen würde, wären die Kosten in etwa dieselben. Davon kann man aber nicht ausgehen. Deshalb ist es schon auch eine Kostenüberlegung.STOL: Glauben sie, dass die digitale Tafel die herkömmliche in zehn Jahren ersetzt? Haller: Es ist schwer zu sagen, was in zehn Jahren sein wird. Ich glaube aber nicht, dass die herkömmliche Tafel verschwindet. Die digitale Tafel ist doch etwas anderes. Man braucht immer ein technisches Gerät, um damit zu arbeiten. Eine normale Tafel funktioniert auch, wenn es einen Stromausfall gibt oder der Lehrer sich nicht auskennt. Einige Lehrer bemängeln zudem, dass der Beamer ein störendes Surren produziert. Würde die Tafel den ganzen Tag benutzt, wäre das in einer Klasse unangenehm.STOL: Die Schüler würden den ganzen Tag auf einen Bildschirm starren ...Haller: Genau. Ein negativer Nebeneffekt ist laut Lehrer auch, dass die Schüler die ganze Zeit mit einem Beamerbild konfrontiert sind. In den nächsten Jahren wird es aber sicherlich technische Weiterentwicklungen geben: Es kann sein, dass der Beamer und damit auch die Geräusche verschwinden.STOL: Wie lange gibt es die Tafeln bereits auf dem europäischen Markt? Haller: In Europa gibt es sie sicherlich seit fünf bis zehn Jahren. STOL: Sind sie technisch ausgereift oder gibt es manchmal Probleme?Haller: Die ersten Tafeln waren anfälliger für Fehler und kompliziert. Inzwischen sind sie aber sehr simpel zu bedienen. Sie sind mechanisch robust und bereiten eigentlich kaum Probleme. Der Stromverbrauch für die Tafel ist minimal. Der Beamer und der Computer verbrauchen mehr Strom.STOL: Das Trentino ist in Italien ein Vorreiter, was die Nutzung der digitalen Tafeln in Schulklassen anbelangt. Hinkt Südtirol nicht etwas nach?Haller: Ich glaube nicht. Vielleicht sind wir ein bisschen später auf den Zug aufgesprungen. Aber auch in anderen Ländern des deutschsprachigen Raums ist die Tafel noch kein Standard. Ob sie eingesetzt wird, hängt meist davon ab, ob es engagierte Lehrkräfte gibt, die sich darum kümmern.Interview: Barbara Raich