Netanyahu und sein Verteidigungsminister Israel Katz wiesen die Armee an, „terroristische Ziele der Hisbollah“ in Beiruts Vororten anzugreifen, wie es in einer Mitteilung von Netanyahus Büro hieß. Die als Dahiyeh bekannten Vororte gelten als Hochburg der Hisbollah, sind aber auch dicht bewohnt. Seit Mitte April eine Waffenruhe verkündet wurde, griff Israels Armee dort seltener an - laut Medienberichten auf Wunsch der US-Regierung. Israelische Medien berichteten nun unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, Washington habe grünes Licht gegeben für neue Angriffe im Raum der Hauptstadt.<BR /><BR />Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) bezeichnete die Ausweitung der Offensive als „besorgniserregend“. „Die Ankündigung von Angriffen auf Beirut verurteilen wir scharf. Das ist ein massiver Bruch des Waffenstillstands und eine weitere Eskalation“, teilte sie in einer Aussendung mit. Zugleich bekräftigte sie die Forderung nach einer Entwaffnung der Hisbollah und pochte auf die Sicherheit der UNO-Soldaten im Libanon, die „höchste Priorität“ für Österreich habe.<BR /><BR />Der libanesische Präsident Joseph Aoun warf Israel wegen der ausgeweiteten Offensive gegen die Hisbollah-Miliz eine „bösartige und verwerfliche Aggression“ gegen sein Land vor. Er werde daran arbeiten, „das Leiden der Libanesen im Allgemeinen und der Bevölkerung des Südens im Besonderen“ zu beenden, erklärte er am Montag auf X.<BR /><BR />Die libanesische Armee versuchte an den Grenzen zu Beiruts Vororten, angesichts der vielen fliehenden Menschen den Verkehr zu leiten. Einer von ihnen sagte, Eltern würden so schnell wie möglich ihre Kinder aus Schulen in dem Gebiet abholen, um die Gegend umgehend zu verlassen. Ein Bewohner namens Imad machte - wie viele Libanesen - die Hisbollah und ihren Anführer Naim Kassim verantwortlich. „Genug Schweigen. Wir halten das nicht mehr aus“, sagte er der dpa. <h3> Krieg an „entscheidendem Wendepunkt“</h3>Der UNO-Sicherheitsrat sollte am Montag auf Antrag Frankreichs zu einer Dringlichkeitssitzung zur Lage im Libanon zusammenkommen. Netanyahu hatte die Einnahme der mittelalterlichen Burg Beaufort im Süden des Libanon am Sonntag als „entscheidenden Wendepunkt“ bezeichnet. Seine Anweisung laute nun, die Kontrolle über Gebiete, „die unter der Kontrolle der Hisbollah standen“, zu vertiefen und auszuweiten.<BR /><BR />Bei einem israelischen Angriff in der Nacht wurden laut der libanesischen Staatsagentur NNA im Südlibanon acht Menschen getötet und 19 weitere verletzt. In Nordisrael gibt es derzeit wegen des Beschusses mit Raketen und Drohnen aus dem Nachbarland immer wieder Luftalarm. Israels Armee meldete auch einen weiteren getöteten Soldaten im Südlibanon. Israelischen Medien zufolge kam der Soldat bei einem Drohnenangriff der Hisbollah in der Nacht ums Leben.<BR /><BR />Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe, die von der pro-iranischen Hisbollah allerdings nicht anerkannt wird. Die Miliz, die im Libanon auch ein maßgeblicher politischer Faktor ist, setzt ihre Angriffe auf Israel fort, Israels Armee rückte in den vergangenen Tagen immer weiter in den Süden des Libanon vor.<BR /><BR />Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, erklärte, die israelischen Angriffe im Libanon verzögerten auch den diplomatischen Prozess zur Beendigung des Krieges zwischen den USA und dem Iran. Eine Waffenruhe im Libanon sei ein integraler Bestandteil jeder Vereinbarung. <BR /><BR />Die USA haben nach den Worten eines Regierungsvertreters im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon darauf gedrängt, dass die pro-iranische Miliz all ihre Angriffe auf Israel einstellt. „Im Gegenzug würde Israel von jeglicher Eskalation in Beirut absehen“, sagte der US-Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach sprach US-Außenminister Marco Rubio mit Aoun und Netanyahu über die laufenden Verhandlungen. Die Hisbollah fordert, dass Israel zuerst die Angriffe einstellt.