Sonntag, 28. Mai 2017

Kritik an Polizei nach Vergewaltigung: Notruf als Scherz abgetan

Der Fall hatte nicht nur in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt: Eine Frau wird beim Campen mit ihrem Freund überfallen und vergewaltigt. Der Freund ruft in seiner Not die Polizei. Die soll ihn nicht aber ernst genommen haben.

Nach der Vergewaltigung einer jungen Camperin wird nun Kritik gegen die Polizei laut.
Nach der Vergewaltigung einer jungen Camperin wird nun Kritik gegen die Polizei laut. - Foto: © shutterstock

Vor dem Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger einer jungen Camperin in Bonn sind Vorwürfe gegen die Polizei laut geworden. Nach Informationen der „Rheinischen Post“ hatte eine Beamtin der Bonner Polizeileitstelle den Notruf des Freundes der Frau zunächst als üblen Scherz abgetan. 

„Hallo, meine Freundin wird gerade vergewaltigt“

„Hallo, meine Freundin wird gerade vergewaltigt“, soll der Anrufer geflüstert haben. Ein entsprechendes Protokoll aus der Notrufzentrale finde sich in den Akten zu dem Fall, hieß es bei „RP Online“ am Samstag. Als der Freund des Opfers am Telefon von einer Machete sprach, soll die Polizistin lediglich gesagt haben: „Sie wollen mich nicht verarschen, oder?“

Die Beamtin habe nach dem kurzen Gespräch versprochen, die Kollegen zu schicken, aber keinerlei Hilfe am Telefon geleistet, sondern sich mit „Danke, tschö“ verabschiedet und aufgelegt. Auch ein zweiter Anruf in der Notrufzentrale blieb demnach erfolglos, der Freund des Opfers sei an eine Nummer der Polizei in Siegburg verwiesen worden – mit dem Hinweis: „Die können das richtig koordinieren.“

"Beamtin hat sprachlich unangemessen reagiert"

Gegenüber „RP Online“ räumte ein Sprecher der Bonner Polizei ein, dass die „aufnehmende Beamtin in der Leitstelle nach unseren Feststellungen die Umstände des ersten Anrufs zunächst nicht richtig eingeordnet und sprachlich unangemessen reagiert hat“.

Dem mutmaßlichen Täter werden Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall sowie schwere räuberische Erpressung vorgeworfen. Der Mann aus Ghana soll die damals 23-Jährige aus Baden-Württemberg und ihren Freund in der Nacht zum 2. April in der Bonner Siegaue überfallen und mit einer Astsäge bedroht haben. Dann soll er die Studentin vor dem Zelt vergewaltigt haben.

Der Fall hatte auch überregional für Entsetzen gesorgt. Der Mann wurde fünf Tage später festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Spaziergänger hatten ihn anhand eines Phantombildes erkannt und die Polizei alarmiert. Er bestreitet die Tat. Der Prozess vor dem Bonner Landgericht soll frühestens Ende September beginnen.

dpa

stol