Die neue Verordnung hängt schon seit 5. August im Amt für Gesetzgebung. In zehn Tagen sollte dies die Landesregierung aber beschließen.<BR /><BR />Petra und ihr Mann besitzen ein Mehrfamilienhaus im Zentrum einer Pusterer Gemeinde. Seit zwei Jahren möchte sie es energetisch sanieren. Dafür gibt es einen Kubatur-Bonus von 200 Kubikmetern, mit dem Petra das Dachgeschoss erhöhen und zwei kleine Wohnungen für ihre Kinder verwirklichen möchte – doch Fehlanzeige. „Laut Auskunft meines Architekten blieben uns vom Energiebonus nur 40 Kubikmeter übrig“, sagt sie.<BR /><BR />Petra und ihre Familie sind kein Einzelfall. „Immer wieder sprechen Bauwillige dazu vor“, sagt Architektin Verena Unterberger, die Mitglied in Vinschger Baukommissionen ist. <h3> Was über Baudichte liegt, wird vom Bonus abgezogen</h3>Problem sei die seit 2022 geltende neue Berechnungsmethode für Kubatur. Von Keller bis Dachgeschoss zählt vieles jetzt als Kubatur. „Damit wächst in vielen Fällen das Gebäude auf dem Papier. Zulässige Baudichten werden überschritten und alles, was darüber liegt, wird vom Bonus abgezogen“, erklärt Unterberger. So werden aus 200 Kubikmetern, die man dazubauen könnte, 40 wie im Fall von Petra. Doch für 40 Kubikmeter lohnt sich ein baulicher Eingriff nicht.<BR /><BR />Bliebe die Alternative, dass Gemeinden die Baudichte über Durchführungspläne erhöhen. <BR /><BR />Von der Politik wäre dies ausdrücklich gewünscht, um grundsätzlich mehr im Bestand zu bauen. Das Land bezuschusst die technischen Kosten für die Erstellung von Durchführungsplänen mit 80 Prozent. Die meisten Gemeinden kommen trotzdem nicht in Schwung.<BR /><BR /> Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Südtirol deutlich weniger Baugenehmigungen ausgestellt. Das Südtiroler Baukollegium hat deshalb gefordert, mehr Flächen und Baurechte für den Wohnbau auszuweisen. <BR /><BR />„Wir brauchen aber nicht nur neue Flächen. Mit der Wohnreform hat das Land auch darauf gesetzt, bestehenden Wohnraum besser zu nutzen und durch Aufstockungen, Erweiterungen oder den Ausbau von Dachgeschossen mehr Wohnraum zu schaffen. Genau dies wird jedoch durch eine fehlende Anpassung beim Kubatur-Bonus blockiert“, kritisiert Maria Elisabeth Rieder (Team K). Das Problem sei der Landesregierung seit Langem bekannt. Landesrat Brunner kündige Lösungen an, diese gebe es aber noch nicht.<BR /><BR />Brunner weist den Vorwurf zurück. Er habe das Problem von seiner Vorgängerin geerbt und seine Hausaufgaben insofern gemacht, als der Entwurf für eine neue Verordnung bereits vorliege. „Da wir wollen, dass die Südtiroler ihre Immobilien energetisch sanieren und über den Kubatur-Bonus zu zusätzlichem Wohnraum kommen, kehren wir zur früheren Regelung zurück: Volumen im Dachgeschoss wird nicht mehr als urbanistische Kubatur gezählt. Der Kubatur-Bonus kommt netto zum Bestand dazu, ohne dass etwas abgezogen werden muss“, erklärt der Landesrat.<h3> Biblische Zeiten beim Amt für Gesetzgebung</h3>Allerdings scheinen die Zeiten beim Land fast schon biblisch zu sein. Seit 5. August liegt der Entwurf der Durchführungsverordnung im Amt für Gesetzgebung zur rechtlichen Prüfung. „Ich hoffe aber, die Verordnung kommende Woche in die Landesregierung zu bringen“, so Brunner. <BR /><BR />Die Verzögerungen können für Betroffene finanzielle Folgen haben: Ohne genehmigtes Bauprojekt, keine verlässliche Finanzierung. Bereits ein Anstieg des Kreditzinses um einen halben Prozent kann bei hohen Kreditsummen eine erhebliche Mehrbelastung bedeuten. „Sodass es sich manche nicht mehr leisten können“, so Paul Köllensperger (Team K).