Samstag, 23. März 2019

Kündigungswelle in Südtirols Spitälern

Der Südtiroler Sanitätsbetrieb leidet unter massivem Personalmangel – verschärft wird der noch durch zahlreiche Kündigungen – Tendenz steigend.

Allein in den Jahren 2017 und 2018 beendeten 407 Ärzte und Pflegekräfte den Dienst.
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Allein in den Jahren 2017 und 2018 beendeten 407 Ärzte und Pflegekräfte den Dienst. - Foto: © shutterstock

407 Mitarbeiter haben in den vergangenen 2 Jahren freiwillig den Sanitätsbetrieb verlassen. Allein 114 im vergangenen Jahr im Gesundheitsbezirk Bozen. Personal, das an allen Ecken und Enden fehlt.

„Es gibt nicht nur das Problem, dass wir keine neuen Mitarbeiter im Sanitätsbetrieb finden, sondern zusätzlich das Problem, das Mitarbeiter den Sanitätsbetrieb freiwillig verlassen“, konstatiert die Landtagsabgeordnete Maria Elisabeth Rieder (Team Köllensperger).

Die Daten gehen aus einer entsprechenden Anfrage der Partei an Gesundheitslandesrat Thomas Widmann hervor. Und sprechen, so Rieder, eine deutliche Sprache. Denn in allen 4 Bezirken ist die Zahl der Kündigungen nicht nur hoch, sondern von 2017 auf 2018 auch noch beachtlich gestiegen. In Bozen von 51 im Jahr 2017 auf eben 114 im Jahr 2018, darunter 35 Ärzte. Hoch ist die Zahl auch bei den Krankenpflegern, auch hier hat der Gesundheitsbezirk Bozen im vergangenen Jahr 36 „verloren“. Hinzu kommen u. a. 4 Geburts- und 6 Pflegehelfer.

Der Gesundheitsbezirk Meran hat in 2 Jahren 102 Mitarbeiter verloren. 35 im Jahr 2017 und 67 2018, davon allein in diesem Jahr 32 Krankenpfleger/Pflegehelfer. In Brixen kommt man in 2 Jahren auf 86 freiwillige Kündigungen von Mitarbeitern: 34 waren es 2017, 52 dann 2018. Hier haben im vergangenen Jahr allein zwischen Geburtshelfern, Krankenpflegern und Pflegehelfern 22 Personen dem Betrieb den Rücken gekehrt. Bruneck beklagt in den beiden vergangenen Jahren einen Personal-Verlust von 54 Personen, gleiches Bild: Auch hier machen Krankenpfleger und Pflegehelfer den größten Anteil aus. Und in allen Bezirken ist es auch eine beachtliche Zahl an Ärzten, die geht. Nicht enthalten sind Pensionierungen oder ausgelaufene befristete Verträge.

Für Maria Elisabeth Rieder gibt es keinen Zweifel: „Das liegt an der zunehmenden Belastung gepaart mit fehlender Wertschätzung durch den Betrieb.“ Und dann natürlich das Lohnniveau.

„Quasi ein kleines Krankenhaus, das gekündigt hat“

Der Ursprung der Misere liege dabei schon ein Weilchen zurück, habe aber einen Teufelskreis in Gang gesetzt, den es nun dringend zu durchbrechen gelte. Denn Belastung und Frust steigen natürlich mit dem Personalmangel immer weiter an, der Druck wird immer größer und die Kündigungen nehmen zu, erklärt Rieder – und die Zahlen scheinen ihr Recht zu geben.

Der Aderlass von über 400 Personen in 2 Jahren tut weh: „Das ist sozusagen ein ganzes kleines Krankenhaus, das da gekündigt hat“, setzt Rieder die Austritte in Relation. Was es jetzt brauche, so Rieder, sei an vorderster Stelle eine ordentliche Gehaltserhöhung: „Den Mitarbeitern geht die Geduld aus, zumal sie zuschauen müssen, wie es für andere Kategorien eine Vorzugsspur gibt. Die Führungskräfte in der Landesverwaltung haben ihre Gehaltserhöhung in 2 Monaten durchbekommen.“

Und dann brauche es einen mutigen Landesrat, der sich getraue, Fehlentscheidungen der Vergangenheit rückgängig zu machen. Stichwort Zentralisierung etwa. Noch etwas merkt Maria Elisabeth Rieder kritisch an: „Die Mitarbeiter der Sanität arbeiten mit viel Herzblut, aber wenn man es einfach nicht mehr packt, hilft die ganze Liebe zum Beruf nichts mehr. Und dann steigt auch die Fehlerquote.“

D/ih

stol