Die Fälle, in denen Menschen von Kühen angegriffen werden, häufen sich: Mit der Attacke auf eine Wandererin im Stubaital am Dienstag endete erneut ein Rinderangriff tödlich. Erst Ende Mai war eine 75-jährige Frau in Mals von einem Stier angefallen worden. Die Frau erlag ihren Verletzungen im Krankenhaus.Bei vielen Menschen nimmt angesichts solcher Schreckensmeldungen die Angst vor den Tieren zu. Stol hat beim Südtiroler Rinderzuchtverband nachgefragt, wie es zu solchen Fällen kommen kann. Südtirol Online: Herr Lang, was sagen Sie zum Vorfall im Stubaital?Lang: Dieser Fall ist sehr ungewöhnlich. Es ist sicher nicht die Regel, dass Tiere auf Weiden Menschen angreifen. Wir sprechen hier von einem tragischen Unfall. Es muss aber auch gesagt werden, dass viele Menschen oft vergessen, dass Kühe einen eigenen Charakter haben. Dieser Charakter kann, wie bei Menschen, gut- oder bösartig ausfallen – was nicht heißen soll, dass Kühe, aus einer Laune heraus, auf Menschen oder Hunde losgehen.Stol: In letzter Zeit häufen sich die Fälle. Womit könnte das zusammenhängen?Lang: Solche Fälle hat es leider auch schon in der Vergangenheit gegeben. Und es wird sie wohl auch noch in Zukunft geben. Zurzeit kann man sicher von zahlreichen Veränderungen sprechen, die Einfluss auf das Verhalten der Tiere nehmen. Immer mehr Wanderer sind auf den Weiden unterwegs und vor allem auch Hunde werden vermehrt auf die Touren mitgenommen. Das größte Problem ist meiner Ansicht nach, dass viele Wanderer sich nicht an die Routen halten und vom vorgesehenen Weg abweichen.Stol: Beim Unfall im Stubaital hatte die Kuh wahrscheinlich den Hund im Visier. Stimmt es denn, dass Kühe auf Hunde aggressiv reagieren?Lang: Die meisten Kühe sind an Hunde einfach nicht gewöhnt und halten ihn für einen potenziellen Eindringling. In den Kühen wird ein Urinstinkt geweckt, da sie den Hund für ihren Urfeind, den Wolf halten. Ganz schlimme Auswirkungen hat dies bei Mutterkühen, da diese von einem gesteigerten Beschützerinstinkt geleitet werden. Glücklicherweise gibt es auf den Südtiroler Weiden relativ wenige Mutterkühe, sodass diese Gefahr nicht allzu groß ausfällt.Stol: Sollten Hunde also besser an die Leine genommen werden?Lang: Auf jeden Fall. Wenn Hunde nämlich freien Lauf haben und von Kühen attackiert werden, tendieren diese dazu, zum Herrchen zurückzulaufen und dort Schutz zu suchen. Da macht die Kuh dann keinen Unterschied mehr und kann mit ihrem Gewicht und ihrer enormen Kraft schlimme Verletzungen verursachen. Wenn möglich sollten Hundebesitzer also einen großen Bogen um Kuhherden machen.Stol: Wird der Mensch alleine von den Kühen nie als Gefahr wahrgenommen?Lang: Nein. Häufig nähern sich Kühe den Menschen nur an, weil sie spielen wollen oder gerne am salzigen Schweiß der Wanderer lecken. Wenn man das zulässt und sie vielleicht mal tätschelt, genießen sie das und gehen eigentlich gleich wieder weg.Stol: Menschen müssen demnach keinen Bogen um die Tiere machen?Lang: Grundsätzlich nicht. Nähert man sich einer Kuh an, können eigentlich nur zwei Situationen eintreten: In acht von zehn Fällen ist die Kuh ängstlich und sucht das Weite. Manchmal wird sie aber auch von der Neugier gepackt und riecht und leckt an den Menschen. Wenn man nicht vom Fach ist, kann man diese Situation häufig nicht genau einschätzen und reagiert über. Ich würde die Kuh aber grundsätzlich nicht als potenzielle Gefahr für die Menschen auf den Almen sehen.Interview: Lisa Comploi_________________________________________________________________Haben auch Sie Angst vor Kühen? Sagen Sie uns Ihre Meinung in der Stol-Umfrage.