Bürgermeister Michele Villarboito verteidigt die Kuhglocken. Seine Botschaft: „Wir sind hier in den Bergen - Kuhglocken und der Geruch der Weiden gehören zum Aufenthalt dazu“. Viele Besucher kämen aus der Stadt und brächten Erwartungen mit, die nicht immer der Realität der Berge entsprächen, so der Bürgermeister. Die meisten Urlauber in Serina würden jedoch gerade Natur, saubere Luft und ein authentisches ländliches Umfeld suchen .<BR /><BR />„Es handelt sich nicht um einen Einzelfall oder um einen Streit gegen die rund 500 Kühe von Serina, sondern um ein größeres Phänomen: <BR />die zunehmende Entfremdung zwischen der Welt der Stadt und der Realität der Berge“, sagte Villarboito gegenüber der Tageszeitung „Corriere della Sera“.<BR /><BR />Immer häufiger würden Touristen die Natur wie eine statische Postkarte, einen Themenpark oder ein abgeschirmtes Ferienresort betrachten. Die Täler seien jedoch bewirtschaftete Gebiete, in denen Menschen und Umwelt eng miteinander verbunden seien. Ob Pferde oder Kühe - die Weidehaltung sei die Arbeit der örtlichen Landwirte. Die Aufgabe der Verwaltung bestehe nicht darin, Tiere zum Schweigen zu bringen, sondern Verständnis für die Region zu schaffen.<BR /><BR />Ohne Kühe und andere Nutztiere gäbe es keine gepflegten Almen, keine typischen Produkte und die Berge würden zunehmend zu ungenutzten Waldflächen werden. „Dann beklagen wir uns, dass der Käse nicht schmeckt, die Milch nicht frisch, oder das Fleisch nicht gut ist. Aber gleichzeitig beginnen wir, die Tiere sogar in den Bergen zu stören“, erklärte der Bürgermeister. Es sei, als würde jemand ans Meer fahren und sich über das Rauschen der Wellen beschweren. Die Lösung liege in mehr Bewusstheit und einer Kultur des Ankommens.<BR /><BR />„Wir können und wollen den Kühen keine Schalldämpfer anlegen“, sagte Villarboito. Die Glocken seien für die Bauern wichtig, um ihre Tiere zu erkennen und sie vor Raubtieren zu schützen.<BR /><BR />Der Bürgermeister rät den Urlaubern, die Kuhglocken nicht als Belästigung, sondern als Zeichen einer gesunden und authentischen Umgebung zu betrachten. Wer einen besonders empfindlichen Schlaf habe, könne mit besseren Fenstern oder Ohrstöpseln nachhelfen, bis er sich an den „Klang unserer Alpen“ gewöhnt habe. Die Kühe würden sich nach dem Grasen ohnehin weiterbewegen - sie lebten schließlich nicht in einem Stall, sondern auf den Bergweiden.