Von <b>Patrick Stuflesser</b><BR /><BR />Gegen 20.30 Uhr meldeten sich besorgte Einheimische bei der Landesnotrufzentrale. Sie hatten im unteren Bereich der Ostwand des Langkofels ein Licht entdeckt. Die Bergretter des Bergrettungsdienstes Gröden konnten daraufhin über eine Webcam auf Piz Sella, die neben Nachtaufnahmen auch Livebilder liefert, den Kletterer tatsächlich ausfindig machen. <BR /><BR />„Was uns schon etwas schmunzeln ließ, war die Tatsache, dass es dort eigentlich keine Route gibt. Wir waren deshalb sehr überrascht, dass jemand zu so später Stunde noch eine Klettertour am Langkofel begonnen hatte – und das auch noch alleine und in einem klettertechnisch sehr anspruchsvollen Gelände“, berichtet Bergführer und Bergretter Martin Dejori. <BR /><BR />Hinzu kam, dass das Gelände teilweise sehr brüchig ist und auch die Wetterprognosen für den Abend alles andere als günstig waren. Da der Mann jedoch kontinuierlich unterwegs war und zunächst keinen Notruf abgesetzt hatte, entschieden sich die Bergretter, die Situation zunächst über die Webcam weiter zu beobachten.<BR /><BR />Gegen 22.15 Uhr kam dann der Notruf. Der Kletterer teilte mit, dass er scheinbar von einem Stein am Helm getroffen worden sei. Zwar war er dabei glücklicherweise fast unverletzt geblieben, er wusste jedoch nicht mehr, wie er weiterkommen sollte. Eine klassische Rettung im betreffenden Gelände wäre aufgrund der schwierigen und brüchigen Wandbereiche aus Sicherheitsgründen kaum möglich gewesen.<BR /><BR /> Glücklicherweise befand sich der Notarzthubschrauber des Aiut Alpin Dolomites zu diesem Zeitpunkt noch im Dienst und konnte zum Einsatzort beordert werden. Dabei hatte der Kletterer gleich mehrfach Glück. Kurz vor dem Einsatz und auch danach wurde der Langkofel immer wieder von Nebel eingehüllt. Eine Rettung aus der Luft wäre unter diesen Bedingungen nicht möglich gewesen. Der Mann konnte schließlich mit einer 45 Meter langen Seilwinde aus der Wand geholt und sicher ins Tal geflogen werden. Dort wurde er medizinisch vom Notarzt kontrolliert und anschließend der Bergrettung Gröden übergeben.<h3> Nach dem Einsatz: Viele Fragen offen</h3>Im Laufe des Einsatzes stellte sich zudem heraus, dass der Kletterer ursprünglich eigentlich den Klettersteig am Langkofel begehen wollte. Dieser befindet sich jedoch in einem völlig anderen Bereich. Auch seine Ausrüstung war für das geplante und letztlich eingeschlagene Gelände nicht optimal. <BR /><BR />Der Einsatz wirft damit auch grundsätzliche Fragen auf: Wie genau informieren sich Menschen heute über alpine Routen? Sind die Beschreibungen und Informationen, die über soziale Medien oder mittlerweile auch vielleicht über künstliche Intelligenz abgerufen werden können, immer zuverlässig? Und ist den Betroffenen tatsächlich bewusst, welche Risiken sie eingehen – und dass im Notfall auch andere Menschen erheblichen Gefahren ausgesetzt werden, um sie zu retten? <BR /><BR />„Tatsache ist, dass ich einen derart besonderen Einsatz nur sehr selten erlebt habe. Der Fall liefert sicherlich auch viel Stoff für eine Diskussion darüber, wie Menschen heute ihre Bergtouren planen und welche Informationen sie dafür verwenden“, meint Martin Dejori abschließend.