<b>Von Brigitte Warenski und Irene Rapp</b><BR /><BR />Im Vorjahr rollten 13,59 Millionen Fahrzeuge über den Brenner. Macht mit dem Verkehr auf der Brennerstraße (B182) sowie der Ellbögener Straße (L38) an die 15,5 Millionen Fahrzeuge, die 2025 im oder durchs Wipptal rollten. „Es ist oft deprimierend“ bringt es eine Wipptalerin gegenüber tt.com auf den Punkt – dass man nämlich neben Lärm und Abgasen dadurch auch in seiner eigenen Bewegungsfreiheit so eingeschränkt sei.<BR /><BR />Seit 1988 wurde auf der Inntal- bzw. Brennerautobahn immer wieder gegen die steigende Verkehrsbelastung demonstriert. Am 30. Mai kommt es auf der A13 bei Matrei am Brenner erneut zu einer Blockade. Viele Wipptaler wollen daran teilnehmen, einige haben aber auch bereits resigniert.<h3> „Die Abgase finde ich noch viel schlimmer als den Lärm“</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314882_image" /></div> <BR />Sarah Aigner ist gebürtige Matreierin und wohnt direkt an der Hauptstraße, die vom ununterbrochenen Durchzugsverkehr besonders betroffen ist. „Es ist einfach extrem beeinträchtigend“, sagt sie. Lüften ist in ihrer Wohnung zu einem großen Problem geworden. „Die Abgase finde ich aber noch viel schlimmer als den Lärm. Wenn ich die Fenster öffne, kommt null frische Luft rein.“ Sie hofft darauf, dass es endlich ein Abfahrtsverbot für alle gibt, die nicht im Wipptal wohnen, damit sich die Verkehrslage beruhigt.<h3> Verstopfte Gemeindestraße: „Das ist nicht länger duldbar“</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314885_image" /></div> <BR /><BR />Sein ganzes Leben lang wohnt Alois Wieser in Nösslach in Gries am Brenner. Auf der schmalen Gemeindestraße gibt es immer wieder Kolonnenverkehr, wenn Leute von der überfüllten A13 abfahren. „Die Blaulichtorganisationen würden nicht durchkommen. Das ist nicht länger duldbar“, warnt Wieser, der auch Grieser Vizebürgermeister ist. Mit ein Grund, warum man ein durchgehendes Abfahrverbot von der A13 und der Brennerstraße auf die Gemeindestraße fordert. Derzeit gilt das Abfahrverbot nämlich nur am Wochenende bzw. Feiertagen.<h3> „Von Steinach bis Matrei habe ich einmal eine Stunde gebraucht“</h3><div class="img-embed"><embed id="1314888_image" /></div> <BR /><BR />Sylvia Tschenett wohnt in Steinach, ihr Arbeitsplatz ist in Matrei am Brenner. „Für die Fahrt hin und retour benötige ich an verkehrsreichen Tagen ewig“, sagt die Chefin einer Nachhilfeschule. Einmal sei für die Heimfahrt von wenigen Kilometern sogar eine Stunde draufgegangen. Daher hätte sie sich ein Motorrad gekauft, um Stehzeiten zu vermeiden. An Wochenenden bleibt sie bei Staus und viel Verkehr sogar oft daheim.<h3> „An den Wochenenden kann man kaum über die Straße gehen“</h3><div class="img-embed"><embed id="1314891_image" /></div> <BR /><BR />Maria und ihr Sohn Josua Volz wohnen in Matrei und haben dort auch ein Geschäft. Beide beklagen gegenüber tt.com, dass sowohl der Reise- als auch der Schwerverkehr in den letzten Jahren „so wahnsinnig zugenommen hat“. Besonders an den Wochenenden könne man laut Maria Volz „kaum über die Straße gehen. Vornehmen für einen Ausflug darf man sich als Einheimischer auch nichts mehr, denn man steht nur mehr im Stau.“<h3> Fernpass und Zillertal: „Wir sind nicht die einzigen Leidgeplagten“</h3><BR /><div class="img-embed"><embed id="1314894_image" /></div> <BR /><BR />Für Lorenz Fidler, der in Steinach lebt, ist auf der Autobahn und auf der Bundesstraße „zu viel Verkehr“. Man sollte wenigstens versuchen, einen Teil des Schwerverkehrs auf die Schiene zu bringen, „denn die rechte Fahrbahn gehört nur den Lkw“, so Fidler. „Wir sind aber in Tirol nicht die einzigen Leidgeplagten. Den Menschen, die auf der Fernpassstrecke wohnen, geht es genauso – und den Zillertalern, wenn Urlauberwechsel ist.“<h3> „Wegen durchreisender Urlauber kam Einsatzwagen nicht zu Notfall“</h3><div class="img-embed"><embed id="1314897_image" /></div> <BR />Wegen durchreisender Urlauber verstopfte Straßen kennt man in Ellbögen kaum mehr. „Im Sommer 2024 kam ein Rettungsauto nicht zu einem Notfall mit einem Kleinkind. Wenige Tage danach hatten wir ein Fahrverbot für Durchzugsverkehr, das von Freitag bis Sonntag gilt und meist eingehalten wird“, sagt Bürgermeister Walter Kiechl. Was ihm auffällt: Viele Wipptaler würden inzwischen vermehrt mit Öffis fahren.